Bericht über Reformpläne Dutzende Bundeswehrstandorte von Schließung bedroht

Für die Bundeswehr wäre es ein schwerer Schlag: Rund 40 Standorte sollen laut einem Zeitungsbericht dicht gemacht werden - die militärische Spitze spricht von "reiner Spekulation".


Berlin - Im Zuge der Bundeswehrreform droht die Schließung Dutzender Standorte, wie die "Leipziger Volkszeitung" unter Berufung auf Bundeswehrkreise berichtet. Demnach seien rund 40 Standorte gefährdet. Dies seien die Vorstellungen der obersten Generalität. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) werde mit dieser Standort-Empfehlung in die Haushaltsberatungen mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) eintreten.

Die ostdeutschen Bundeswehr-Niederlassungen sind dem Bericht zufolge deutlich weniger stark von Standortschließungen betroffen als die Kasernen in Westdeutschland. Die neuen Länder würden dabei in erster Linie von der Modernisierung in früheren Jahren profitieren. So seien nach derzeitigem Stand beispielsweise in Sachsen keinerlei Standorte durch die Strukturreform in Gefahr. Neben Standorten wie Warnemünde (Schnellboote) oder Wittmund (Luftwaffe) drohe auch einigen Bundeswehr-Niederlassungen in Bayern das Aus.

Die militärische Spitze wies den Bericht als "reine Spekulation" zurück. Die Zahl finde sich so in keinen Bericht, sagte Stefan Bauch, Sprecher von Generalinspekteur Volker Wieker.

Einen endgültigen Standortplan für die neu zu strukturierende Bundeswehr soll es im Juni 2011 geben.

Guttenberg hatte am Montag erste Umbaupläne vorgestellt. Die Zahl der Ministeriumsmitarbeiter soll danach von über 3000 auf 1800 sinken. Statt 17 soll es künftig acht Abteilungen geben. Guttenberg will die Truppe zudem von 250.000 auf 185.000 Soldaten abspecken.

Zuletzt war ein Schreiben des Kanzleramts bekannt geworden, wonach die Bundeswehrreform bis 2014 zusätzlich zum regulären Etat 1,2 Milliarden Euro kosten könnte. Der Verteidigungsminister hatte aber versprochen, im selben Zeitraum 8,4 Milliarden Euro zu sparen.

SPD und Linke im Bundestag bemängelten die Guttenberg-Pläne. Es sei falsch, die Inspekteure für das Heer, die Marine, die Luftwaffe und den Sanitätsdienst aus dem Ministerium auszugliedern und zu rein militärischen Befehlshabern zu machen, sagte SPD-Experte Hans-Peter Bartels. "Dies könnte die politische Kontrolle erschweren, die ja über 50 Jahre gut funktioniert hat." Bartels forderte, die Inspekteure der Teilstreitkräfte sollten so wie auch der Generalinspekteur "einen Schreibtisch und eine Rolle im Berliner Ministerium" erhalten.

Der Linken-Abgeordnete Stefan Liebich kritisierte, dass nach Guttenbergs Plänen der Komplettumzug des Verteidigungsministeriums von Bonn nach Berlin weiter auf die lange Bank geschoben wird. "Zu Guttenberg ist zu feige, den von der Weise-Kommission vorgeschlagenen Umzug nach Berlin in die Tat umzusetzen", bilanzierte er. "Über 20 Jahre nach der deutschen Einheit ist weiterhin nicht einsehbar, dass durch geteilte Ministerien in Bonn und Berlin sinnlose Kosten produziert werden." "Dies könnte die politische Kontrolle erschweren, die ja über 50 Jahre gut funktioniert hat."

hen/dpa/dapd

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Willie, 08.02.2011
1. -
Zitat von sysopFür die Bundeswehr wäre es ein schwerer Schlag: Rund 40 Standorte sollen laut einem Zeitungsbericht dicht gemacht werden - die militärische Spitze spricht von "reiner Spekulation". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,744413,00.html
Wieso fuer die Bundeswehr? Die braucht doch keine Standorte fuer die sie kein Personal hat. Es waere hoechstens einer fuer die betroffenen Kommunen, insofern Einnahmen und Jobs damit verknuepft sind, die dann verloren gehen.
kdshp 08.02.2011
2.
Zitat von sysopFür die Bundeswehr wäre es ein schwerer Schlag: Rund 40 Standorte sollen laut einem Zeitungsbericht dicht gemacht werden - die militärische Spitze spricht von "reiner Spekulation". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,744413,00.html
Hallo, was geht das die "militärische Spitze" an? Wenn die politik wie herr guttenberg (CDU) jetzt reformieren dann hat man einfach zu gehorchen gerade bei der bundeswehr. OK 99% der "reformen" kosten uns am ende mehr bei weniger leistung aber das hat ja gründe im wirtschaftichen breich sprich die wirtschaft bekommt mrd in selbigen geschoben siehe EADS.
einzel haft 08.02.2011
3. ... Unglaublich ...
Zitat von sysopFür die Bundeswehr wäre es ein schwerer Schlag: Rund 40 Standorte sollen laut einem Zeitungsbericht dicht gemacht werden - die militärische Spitze spricht von "reiner Spekulation". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,744413,00.html
Ich bin erstaunt, eine der größten Reformen und man wundert sich über geplante - nur 40 - Standortschließungen. Es gibt Unternehmen, die so etwas feiner formulieren: Standortoptimierung oder -anpassung. Wieso ein schwerer Schlag für die Bundeswehr, das ist doch so von ihr geplant. Das der Osten nicht so betroffen ist, hat wohl nicht nur Modernisierungsgründe, ich denke, die Bevölkerung ist leidensfähiger und wir stehen näher an den potenziellen Handlungsfeldern. Und besonderer Vorteil, die Kasernen mit den mich seit 40 Jahren irritierenden Kriegsheldennamen, werden im Westen geringer.
Chris_7 08.02.2011
4. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß
So ist das eben. Wenn man fünfstellig Personal und Milliarden an Mitteln einsparen muß. Das geht nicht ohne strukturelle Veränderungen. Ich warte nur schon wieder darauf, bis irgend welche Provinzpolitiker und Bundestagsabgeordnete aus ihren Löchern gekrochen kommen und den Untergang ihrer Gemeinden/ Regionen beschwören, wenn die Bw abzieht. Aber Bw ist nicht Wirtschaftsförderung. Der Bw würden m.E. auch ein paar Handvoll Standorte reichen. Dort die Truppen konzetrieren. Dann braucht es durch die Synergien auch weniger Logistik (zivil wie militärisch) an den Unmengen an Standorten. Und "Heimatnähe" spiel zukünftig ohne Wehrpflichtige eh keine Rolle mehr. Da wären wenige (
spassmagnet 09.02.2011
5. um es genauer zu sagen
Zitat von einzel haftIch bin erstaunt, eine der größten Reformen und man wundert sich über geplante - nur 40 - Standortschließungen. Es gibt Unternehmen, die so etwas feiner formulieren: Standortoptimierung oder -anpassung. Wieso ein schwerer Schlag für die Bundeswehr, das ist doch so von ihr geplant. Das der Osten nicht so betroffen ist, hat wohl nicht nur Modernisierungsgründe, ich denke, die Bevölkerung ist leidensfähiger und wir stehen näher an den potenziellen Handlungsfeldern. Und besonderer Vorteil, die Kasernen mit den mich seit 40 Jahren irritierenden Kriegsheldennamen, werden im Westen geringer.
das stimmt wohl, ich hätte mit mehr Schließungen gerechnet... + der Hauptgrund dafür, dass der Osten kaum betroffen ist, kommt wohl daher, dass es im Osten nach den letzten BW-Strukturreformen eh nur noch sehr wenige Kasernen gibt, die überhaupt geschlossen werden können ;) die höchste Kasernendichte gibts ja nunmal in Bayern - also wird es dort auch die meisten Schließungen geben (zumal dort auch noch viele kleine Standorte existieren, die während der letzten Reformen tapfer von der CSU verteidigt wurden...)
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