Wohnungskrise CDU-Politiker kokettiert mit Zuzugsstopp für Berlin

Seit Jahren wächst die Hauptstadt um etwa 40.000 Menschen pro Jahr. Der wohnungspolitische Sprecher der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus hat da eine Idee, wie man das ändern könnte.

Christian Gräff (CDU) forderte Zuzugsstopp - und ruderte dann zurück
Monika Skolimowska// DPA

Christian Gräff (CDU) forderte Zuzugsstopp - und ruderte dann zurück


Zu wenig Wohnungen, volle Bahnen, nicht genügend Kitaplätze. Seit Jahren wächst die rot-rot-grün regierte Hauptstadt nach Angaben des Senats um jährlich etwa 40.000 Einwohner. Der wohnungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Christian Gräff, hat nun einen Zuzugsstopp für Berlin ins Gespräch gebracht.

"Ich glaube, dass wir einen Zuzugsstopp nach Berlin brauchen. Solange der Senat hier überhaupt keine neue Infrastruktur schafft - Kitas, Schulen, Verkehrsinfrastruktur, - leiden die Berlinerinnen und Berliner darunter. (...) Das geht so nicht weiter", sagte Gräff in der RBB-Abendschau.

Michael Müller kritisiert den CDU-Politiker Gräff

Der RBB titelte daraufhin: "CDU-Politiker Gräff fordert Zuzugsstopp für Berlin". Später schwächte der Politiker seine Bemerkungen ab. Dem Berliner "Tagesspiegel" sagte er: "Natürlich wollen wir niemanden davon abhalten, nach Berlin zu ziehen - im Gegenteil, wir wollen, dass die Stadt wächst und mehr Menschen hier ihr Zuhause finden." Die Regierungskoalition lehne ein Wachstum der Stadt aber ab, deshalb bleibe ein Zuzugsstopp die einzige Option für Berlin.

"So lange Rot-Rot-Grün weder Schulen, Kitas und Wohnungen in Berlin baut, kann man ja nicht ernsthaft Freunden dazu raten, hierherzukommen", sagte er. "Es ist eine zynische Situation, in der wir uns befinden, und ich würde mir wünschen, dass wir eine Debatte darüber führen, wer daran schuld ist."

Der Regierenden Bürgermeister Michael Müller kritisierte Christdemokrat Gräff wegen seiner Äußerungen am Donnerstagabend. Sie schadeten der Stadt. "Berlin freut sich über Besucherinnen und Besucher, denn sie bringen uns wichtige Impulse und frische Ideen und sie nehmen den Berliner Geist von Kreativität, Vielfalt und Freiheit mit in die Welt. Und wir wollen auch Zuzug. Es freut uns, wenn Menschen aus aller Welt Berlin als Sehnsuchtsort oder neue Heimat wählen", sagte er.

mfh/dpa



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