Berlin Erzbischof bejaht Boykott von US-Produkten

Der Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky hat den Boykott von US-amerikanischen und britischen Waren befürwortet.

Berlin - In einem Interview mit dem "Sender Freies Berlin" sagte Sterzinsky, er glaube zwar nicht, dass die auch von einzelnen Christen getragenen Boykottaktionen wirklich die Mächtigen in den USA und Großbritannien erschüttern würden, aber "als Zeichen finde ich das gut".

Deutlich sprach der Kardinal auch US-Präsident George W. Bush ab, sich bei den Kriegsplänen auf Gott berufen zu können. Wenn Bush sage "Gott will es so", dann entgegne er "Ich glaube ihm nicht", meinte Sterzinsky. Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben den Irak- Krieg bereits vor seinem Ausbruch entschieden abgelehnt.

Evangelische Kirche gegen Boykott

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) lehnt dagegen einen Boykott amerikanischer und britischer Waren in Deutschland entschieden ab. Der EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock habe immer wieder betont, die Kritik am Kriegskurs habe mit einem Anti- Amerikanismus nicht zu tun, sagte eine Sprecherin am Freitag in Hannover. Deshalb halte die EKD nichts von einem Boykott.

Vogel-Kritik an Sterzinsky

Thüringens Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) hat die Haltung des Berliner Erzbischofs Georg Kardinal Sterzinsky am Freitag scharf kritisiert. So sehr er Sterzinskys Engagement für den Frieden und gegen den Krieg verstehe, so ungeeignet scheine ihm der Boykottvorschlag, schrieb Vogel am Freitag an den Erzbischof. "Die Folgen gegenseitiger Boykottierung von Waren und Produkten wären katastrophal." In Thüringen gebe es rund 60 US- Investoren, die fast 10.000 Arbeitsplätze sicherten.

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