Berlin Hunderte bei Anti-Israel-Demo

Mehrere hundert Demonstranten sind durch die Straßen von Berlin marschiert, um am "al-Quds"-Tag gegen Israel zu protestieren. Nach der israelfeindlichen Rede des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad fürchteten die Behörden Ausschreitungen. Doch es blieb ruhig.

Berlin - Rund 300 Teilnehmer zogen nach Angaben der Polizei durch den Berliner Stadtteil Charlottenburg. Unterstützt wurde der Zug von regimetreuen Auslandsiranern. Am Rande des Aufmarsches versammelten sich etwa 200 Menschen zu einer Gegendemonstration, unter ihnen der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer und DGB-Chef Michael Sommer. Auf Plakaten der Teilnehmer war unter anderem zu lesen "Lang lebe Israel", es wehten auch israelische Flaggen.

Zwischenfälle hat die Polizei nicht registriert, die Gruppen trafen nicht direkt aufeinander. Die Auflagen für die "al-Quds"-Demonstration waren in diesem Jahr verschärft worden. Den Teilnehmern wurde untersagt, sich die anti-israelischen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad durch Transparente oder das "demonstrative Mitführen von Bildern" zueigen zu machen. Verstöße können zur Auflösung des Aufzugs führen. Das iranische Staatsoberhaupt hatte erklärt, Israel müsse "von der Landkarte ausgelöscht" werden. Die Äußerungen stießen in Deutschland und anderen EU-Ländern auf scharfe Kritik.

Plakate mit unerlaubten Parolen fanden die Einsatzkräfte nicht. Die "al-Quds"-Demonstranten trugen Plakate mit Aussagen wie "Wir wollen Frieden auf der ganzen Welt" und "Palästina hat auch ein Existenzrecht" mit sich. Zugleich verurteilte ein Sprecher aus einem Lautsprecherwagen "jede Art von Terror und Gewalt".

Später ist eine weitere Protestkundgebung vor der iranischen Botschaft in Berlin-Dahlem geplant. Zum Widerstand gegen den Islamisten-Aufmarsch haben 200 Einzelpersonen und Organisationen aufgerufen, darunter Politiker von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linkspartei.PDS. Unterstützt werden sie vom Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel.

Den "al-Quds-Tag" hatte 1979 der iranische Revolutionsführer Ajatollah Khomeini eingeführt. Damit sollten die Gläubigen für die "Befreiung" von al-Quds - der arabische Namen von Jerusalem - demonstrieren.

Vor dem Hintergrund der Äußerungen Ahmadinedschads teilte das iranische Außenministerium mit, Iran wolle weder Gewalt gegen ein anderes Land anwenden noch damit drohen. Es sei "unannehmbar", dass der Uno-Sicherheitsrat nicht ebenso die Drohungen seitens der USA und Israels mit militärischen Angriffen gegen den Iran verurteile, heißt in der Erklärung des iranischen Ministeriums. Die Islamische Republik Iran fühle sich an die Charta der Vereinten Nationen gebunden. Der Sicherheitsrat hatte zuvor Ahmadinedschads israelfeindliche Äußerungen verurteilt.

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