Lkw-Attentat von Berlin Gauck nimmt an Bundestagsgedenken teil

Ist die Republik nach dem Anschlag von Berlin zu rasch zum Alltag übergegangen? Diese Woche gedenkt der Bundestag der Opfer. Parlamentspräsident Lammert wird reden, Bundespräsident Gauck teilnehmen.
Blumenmeer am Breitscheidplatz in Berlin, 12. Januar 2017

Blumenmeer am Breitscheidplatz in Berlin, 12. Januar 2017

Foto: Paul Zinken/ dpa

Bundespräsident Joachim Gauck wird an dem Gedenken des Bundestags für die Opfer des Anschlags von Berlin teilnehmen. Er wird damit ein Zeichen setzen und "stiller Gast" bei der Sitzung des Parlaments am kommenden Donnerstag, den 19. Januar, sein. Dies erfuhr SPIEGEL ONLINE am Montag aus gut informierten Kreisen in Berlin. Das Bundespräsidialamt bestätigte die Teilnahme ebenfalls.

Bei dem Anschlag in Berlin wurden am 19. Dezember zwölf Menschen getötet - sieben Deutsche sowie Menschen mit tschechischer, ukrainischer, italienischer, israelischer sowie polnischer Staatsangehörigkeit. Weitere 50 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Unter einigen Angehörigen der Opfer gab es in den Wochen nach dem Attentat Unmut über die Reaktionen aus der Politik. "Ich finde die mangelnde Beachtung vonseiten des Staats traurig und unwürdig", erklärte jüngst eine Frau, die auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche in Berlin war und deren Lebenspartner bei dem Anschlag schwer verletzt wurde.

In der Öffentlichkeit und in mehreren Medien, darunter SPIEGEL ONLINE, entbrannte eine Debatte, ob die Republik nicht allzu schnell zum Alltag übergegangen ist und ob den Opfern angemessen gedacht wurde.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) entschied sich daraufhin, in der ersten Sitzungswoche des Parlaments vor Eintritt in die Tagesordnung zum Gedenken zu sprechen.

Das Abgeordnetenhaus von Berlin hatte vergangene Woche bereits in einer Gedenkminute der Opfer gedacht.

Bereits unmittelbar nach dem Attentat hatte es Zeichen der Politik gegeben: Einen Tag nach Angriff legten Kanzlerin Angela Merkel, Innenminister Thomas de Maizière, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Berliner Landespolitiker Blumen auf dem Breitscheidplatz ab. Auch hatten die Politiker und Bundespräsident Joachim Gauck an einem Gottesdienst teilgenommen, zudem hatte Gauck Verletzte in einem Berliner Krankenhaus besucht.

Die Aufarbeitung des Anschlags beschäftigt diese Woche den Bundestag. Wie aus einem Bericht des Bundesinnenministeriums an Abgeordnete des Deutschen Bundestags hervorgeht, wurde der Attentäter Anis Amri von deutschen Sicherheitsbehörden über Monate nur lückenhaft überwacht.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.