Berlin Politiker wollen gegen Flatrate-Trinken vorgehen

Nachdem sich ein 16-jähriger Gymnasiast ins Koma gesoffen hat, setzen sich Berliner Politiker für ein Verbot des sogenannten Flatrate-Trinkens ein. Vertreter aller Parteien im Senat wollen damit ähnliche Fälle in Zukunft verhindern.

Berlin - "Flatrate"-Trinken ist eine neue Praxis in Bars, Kneipen und Diskotheken. In Analogie zu Telefonflatrates können Besucher nach der Zahlung eines Eintrittsgelds so viel trinken, wie sie möchten. Für ein Verbot hat sich die jugendpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Sandra Scheerer, im "Tagesspiegel" ausgesprochen. "Das allein löst zwar nicht das generelle Problem des Alkoholmissbrauchs von Jugendlichen, aber es wäre ein wichtiges Signal." Auch der jugendpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Sascha Steuer, sagte der Zeitung: "Ich bin für ein Verbot der Flatrate-Sauferei, wenn das rechtlich möglich ist."

Der gesundheitspolitische Sprecher der Linkspartei/PDS, Wolfgang Albers, bezeichnete die Praxis als eine "Ungeheuerlichkeit", die verboten gehört. Seine Kollegin Heidi Kosche von den Grünen sagte: "Seit ich von dem tragischen Fall gehört habe, frage ich mich, wie es sein kann, dass es in unserer Stadt Kneipen mit Flatrates zum Betrinken gibt. Das muss man verbieten."

Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linkspartei/PDS) sagte hingegen: "Wir müssen das Jugendschutzgesetz nur besser durchsetzen. Wir brauchen mehr Aufklärung, mehr Prävention und mehr Kontrolle." Bereits im Januar hatte es zwei Anfragen zu dieser neuen Trink-Mode im Abgeordnetenhaus gegeben, berichtet der "Tagesspiegel".

Über ein mögliches Verbot von "Flatrate"- Veranstaltungen hinaus sehen Jugendliche unter 18 Jahren möglicherweise einem generellen Alkoholverbot entgegen. Überlegungen in der EU, das Mindestalter für Alkoholkonsum von 16 auf 18 Jahre heraufzusetzen, stoßen auch in Deutschland prinzipiell auf Zustimmung. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, bezeichnete das Vorhaben am Wochenende als sympathisch.

Zunächst müsse es aber darum gehen, die bestehenden Jugendschutzgrenzen strikt einzuhalten und zu kontrollieren. Es sei außerdem erforderlich, dass ein verantwortlicher Alkoholkonsum in der Gesellschaft zum Thema gemacht werde, sagte ein Sprecher Bätzings. Dies müsse gerade gegenüber Kindern und Jugendlichen thematisiert werden.

Insgesamt geht der Anteil der regelmäßigen Alkoholkonsumenten unter den Jugendlichen aber zurück: bei den Jungen von 36 auf 22 Prozent und bei den Mädchen von 22 auf 12 Prozent. Grund zur Entwarnung sieht die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS) darin jedoch nicht: "Jugendliche trinken zwar generell weniger, aber diejenigen, die trinken, trinken mehr", sagte der DHS-Geschäftsführer Rolf Hüllinghorst der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Ähnliche Tendenzen zeigt auch eine Studie aus Großbritannien. Dem Office for National Statistics (ONS) in Newport zufolge, sind besonders bei den Jüngsten die Exzesse noch lange nicht ausgereizt: Trinker im zarten Alter von 11 bis 15 Jahren tranken im Jahr 2004 doppelt so viel Alkohol in der Woche wie noch 1990.

Ein 16-jähriger Berliner, der sich offenbar an einem Wetttrinken beteiligt hatte, war am 25. Februar in einer Charlottenburger Bar zusammengebrochen und liegt seitdem im Koma. Er soll 56 Gläser Tequila getrunken haben.

ler/ddp/AP

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