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Berlin Russischer Diplomat tot auf Gehweg vor Botschaftsgebäude aufgefunden

Unter ungeklärten Umständen ist in Berlin ein 35-jähriger Botschaftssekretär der russischen Auslandsvertretung ums Leben gekommen. Nach SPIEGEL-Informationen hatte er offenbar Verbindungen zum Nachrichtendienst FSB.
aus DER SPIEGEL 45/2021
Russisches Botschaftsgebäude in Berlin (Archivfoto)

Russisches Botschaftsgebäude in Berlin (Archivfoto)

Foto: Bernd von Jutrczenka / picture alliance/dpa

An der russischen Botschaft in Berlin hat sich ein ungeklärter Todesfall ereignet. Nach Informationen des SPIEGEL entdeckten Objektschützer der Berliner Polizei am 19. Oktober gegen 7.20 Uhr einen leblosen Körper auf dem Gehweg vor einem Botschaftsgebäude in Berlin. Reanimierungsversuche durch her­beigerufene Rettungskräfte blieben erfolglos.

Offenbar war der Mann aus einem oberen Stockwerk des Botschaftskomplexes an der Behrenstraße im Berliner Bezirk Mitte gestürzt. Der 35-Jährige war laut einer offiziellen Diplomatenliste seit Sommer 2019 als Zweiter Botschaftssekretär in Berlin akkreditiert. Den deutschen Sicherheitsbehörden galt er allerdings als getarnter Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB.

Aus: DER SPIEGEL 45/2021

Sein Racheplan

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Zudem soll er mit einem hochrangigen Beamten des zweiten Diensts des FSB verwandt gewesen sein. Die Abteilung ist in Russland unter anderem für Terrorismusbekämpfung zuständig und wird von westlichen Nachrichtendiensten mit dem sogenannten Tiergartenmord in Verbindung gebracht, bei dem im Sommer 2019 in Berlin ein Exil-Georgier am helllichten Tag erschossen worden war.

Beamte des zweiten Diensts des FSB waren nach Recherchen des SPIEGEL, der Investigativplattformen Bellingcat und The Insider sowie des US-Nachrichtensenders CNN auch in den Giftanschlag auf den russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny im Sommer 2020 verwickelt.

Botschaft spricht von »tragischem Unfall«

Im Fall des tot aufgefundenen Diplomaten stimmte die russische Botschaft nach SPIEGEL-Informationen einer Obduktion der Leiche nicht zu. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Umstände des mutmaßlichen Sturzes und die Todesursache seien »unbekannt«. Da der Tote Diplomatenstatus besaß, habe die Staatsanwaltschaft kein Todesermittlungsverfahren durchführen können. So sei auch unklar geblieben, ob es Hinweise auf ein Fremdverschulden gab.

Nach SPIEGEL-Informationen ist der Leichnam des Diplomaten inzwischen nach Russland überführt worden. Die russische Botschaft sprach auf Anfrage von einem »tragischen Unfall«, der aus »ethischen Gründen« nicht kommentiert werde.

Bereits 2003 hatte ein ähnlicher Vorfall für Aufsehen gesorgt. Damals war der Pförtner der Vertretung aus seiner Wohnung auf dem Botschaftsgelände in die Tiefe gestürzt.

mgb/kno/srö/fis
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