Dramatische Notlandung in Berlin-Schönefeld Regierungsjet muss nach Start umkehren

Ein Jet der Flugbereitschaft der Bundeswehr musste mit technischen Problemen auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld landen - "unter schwierigsten Bedingungen", wie Verteidigungsministerin von der Leyen berichtet.

Ein Jet vom Typ Global 5000 der Flugbereitschaft der Bundesregierung auf dem Flughafen Schönefeld
DPA

Ein Jet vom Typ Global 5000 der Flugbereitschaft der Bundesregierung auf dem Flughafen Schönefeld


Ein Bundeswehr-Jet des Typs Global 5000 ist nur knapp einem Unglück entgangen. Die Maschine der Flugbereitschaft musste am Morgen auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld notlanden. Dabei berührte sie mit beiden Tragflächen den Boden.

Es sei lediglich die Besatzung an Bord gewesen, diese werde medizinisch untersucht, berichtete ein Luftwaffensprecher. Die Maschine war von Schönefeld aus zu einem sogenannten Funktionsflug gestartet, wie der Luftwaffensprecher weiter sagte. Diese Flüge würden regelmäßig nach Wartungsarbeiten unternommen. Auf dem Flug sei es zu einer Funktionsstörung gekommen.

Die Luftwaffenbesatzung habe es geschafft, "den Jet unter schwierigsten Bedingungen zu Boden zu bringen und damit Schlimmeres zu verhindern", sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Sie habe "hohen Respekt vor der fliegerischen Leistung" der Besatzung. Jetzt werde die Ursache der technischen Probleme untersucht.

Ingo Wagner/ DPA

Details der ersten Ermittlungen der Luftwaffe lesen sich durchaus dramatisch: Demnach wurden den Piloten schon kurz nach dem Start erste Fehlfunktionen des Jets durch Dioden im Cockpit angezeigt. Kurz darauf, die Global hatte gerade etwa 7000 Meter Höhe erreicht, kippte die Maschine urplötzliche unkontrolliert von rechts nach links, Fachleute nennen das unkontrollierte Rollbewegungen.

Schon die Situation in der Luft war gefährlich. Normalerweise macht ein Flugzeug Rollbewegungen bei Richtungsänderungen, dabei rollt der Flieger auf der Längsachse, die Flügelspitzen wackeln dann nach oben oder unten. Im Fall des Luftwaffenjets aber kamen die Rollbewegungen wie aus dem Nichts, hieß es nach der Panne, den Piloten gelang es nur durch Gegenlenkungen, die Kontrolle halbwegs zu behalten.

Die Situation spitzte sich recht schnell zu. Da ein stabiler Flug durch die Rollbewegungen gefährdet war, entschieden sich die Piloten umgehend für die Umkehr und eine Notlandung in Berlin-Schönefeld. Da der Jet beim Anflug erneut unkontrolliert von rechts nach links abkippte, krachte er beim Aufsetzen zuerst mit der rechten und dann mit der linken Tragfläche auf die Rollbahn. Die Global wurde dabei erheblich beschädigt.

Bei der Luftwaffe war intern von einer mehr als gefährlichen Notlandung die Rede. "Wegen der Probleme mit der Stabilität musste man mit allem rechnen", sagte ein ehemaliger Pilot der Truppe. Rätselhaft sei noch, wie die Probleme überhaupt auftreten konnten. So war der Jet in Berlin-Schönefeld gerade erst gut drei Wochen vom Hersteller Bombardier grundlegend gewartet worden, die Piloten wollten ihn am Dienstag zurück nach Köln fliegen.

Dass nichts Schlimmeres passierte, ist wohl nur dem sehr erfahrenen Piloten der Luftwaffe zu verdanken, hieß es nach der Notlandung. Da die Global gerade aus der Wartung kam, war für den ersten Einsatz der Maschine statt eines normalen Piloten ein Fluglehrer der Bundeswehr am Steuer, er parierte die gefährliche Landung in Schönefeld durch ein Manöver, dass nur wenige Flugzeugführer beherrschen. Ohne diesen Einsatz, so die erste Analyse, wäre die Notlandung katastrophal ausgegangen.

Noch am Nachmittag wollen sich der General Flugsicherheit der Bundeswehr und der Inspekteur der Luftwaffe die Unglücks-Maschine mit der Kennung 14+01 vor Ort in Schönefeld ansehen.

Immer wieder Pannen bei Auslandsreisen deutscher Politiker

Die problematische Landung des Jets führte zu massiven Beeinträchtigungen auf dem Flughafen. Nach dem Zwischenfall wurde die Abfertigung in Schönefeld zunächst eingestellt, Maschinen im Anflug wurden umgeleitet. Inzwischen ist der Flugverkehr wieder angelaufen.

Die Luftwaffe verfügt über vier Maschinen des Typs Global 5000. Die Cityjets werden auf Kurz- und Mittelstrecken für den parlamentarischen und politischen Flugbetrieb eingesetzt. Sie bieten Platz für bis zu 13 Passagiere. Die Besatzung besteht üblicherweise aus drei Mitgliedern.

Die Flugbereitschaft hat 14 teils recht alte Flugzeuge, die für Flüge von Kabinettsmitgliedern oder des Bundespräsidenten eingesetzt werden. Zuletzt gab es immer wieder Pannen bei Auslandsreisen deutscher Politiker. Ende Februar saß Außenminister Heiko Maas in Mali fest, im Januar war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Äthiopien betroffen, kurz davor Entwicklungsminister Gerd Müller in Afrika. Von der Leyen gab im Februar die Beschaffung von drei neuen Langstreckenmaschinen in Auftrag.

als/mgb/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.