Berlin Staatsanwalt ermittelt wegen möglicher Vergiftung von Kreml-Kritikern

Hat es einen Giftanschlag auf russische Journalisten in Berlin gegeben? Bei zwei Kreml-Kritikern haben Ärzte sehr hohe Werte von Quecksilber im Blut entdeckt. Einem Bericht zufolge ermittelt nun der Staatsanwalt.

München - Die Werte waren auffällig hoch. Bei den russischen Kreml-Kritikern Viktor und Marina Kalaschnikow entdeckten die Ärzte der Berliner Charité vor einigen Wochen Quecksilberwerte im Blut, die den zulässigen Grenzwert um das 25-Fache übersteigen. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen eines möglichen Giftanschlags, schreibt das Magazin "Focus".

Es seien Ermittlungen wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung durch Vergiftung eingeleitet worden, sagte der Sprecher der Behörde, Martin Steltner, dem Blatt. Die Ermittlungen würden in einem Fachreferat für Straftaten mit politischem Hintergrund geführt.

Viktor Kalaschnikow war dem Bericht zufolge vor der Wende als Militärexperte und Oberst des Geheimdienstes KGB tätig. Laut "Tagesspiegel" arbeitete er später im Führungsstab von Boris Jelzin und als Angestellter eines russischen Ölkonzerns. Später überwarfen er und seine Frau sich dem "Focus" zufolge mit dem Kreml unter dem damaligen Staatschef und heutigen Ministerpräsidenten Wladimir Putin. Als freiberufliche Journalisten hätten sie insbesondere den russischen Feldzug in der Kaukasusrepublik Tschetschenien angeprangert.

Das Dissidentenpaar ist sich den Berichten zufolge sicher, dass hinter der mutmaßlichen Vergiftung Täter aus dem Umfeld russischer Geheimdienste stecken. Kalaschnikow sagte dem "Tagesspiegel" Mitte Dezember, er leide unter Übelkeit, Schwindelanfällen und einem "verrückt spielenden Blutdruck". Er fürchte drohende Nieren- und Gehirnschäden. Falsche Ernährung könne er als Ursache ausschließen.

rätselhaften Tod des ehemaligen Geheimdienstoffiziers Alexander Litwinenko

Der Fall erinnert an den . Der Kreml-Kritiker war 2006 im Londoner Exil mit der stark radioaktiven Substanz Polonium vergiftet worden. Als Hauptverdächtiger gilt der Ex-KGB-Agent Andrej Lugowoi, Russland verweigert jedoch dessen Auslieferung an Großbritannien.

kgp/AFP
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