Neuer US-Botschafter Grenell Trumps Mann für Berlin kann kommen

Die Entsendung eines neuen US-Botschafters nach Berlin stockte monatelang. Mit Richard Grenell kommt nun ein konservativer Patriot - der unlängst Kritik an Deutschland übte.
Designierter US-Botschafter Richard Grenell (im Dezember 2016 im Trump Tower in New York)

Designierter US-Botschafter Richard Grenell (im Dezember 2016 im Trump Tower in New York)

Foto: Richard Drew/ dpa

Von der gläsernen Halb-Rotunde auf dem Dach der US-Botschaft breitet sich das Panorama der deutschen Hauptstadt aus. Von hier aus, dem "State Room", schweift der Blick über das Brandenburger Tor zur Reichstagskuppel, hinüber zum Kanzleramt und dem Hauptbahnhof. Es ist der schönste Ort in dem streng gesicherten Gebäude am Pariser Platz.

Lange hat kein US-Botschafter mehr den "State Room" betreten. Denn seit 15 Monaten ist dieser Posten unbesetzt. Die Kontakte zur Bundesregierung hält seitdem der US-Gesandte Kent Logsdon. Doch auch der amerikanische Geschäftsträger dürfte Berlin bald verlassen, turnusgemäß endet seine Zeit im Juli.

Einen designierten Nachfolger gibt es längst: Im Sommer vergangenen Jahres hatte sich US-Präsident Donald Trump für Richard Grenell als US-Botschafter ausgesprochen. Der 51-Jährige ist eine schillernde Figur, Politikberater, früherer Sprecher der Uno-Botschaft der USA, bekennender Homosexueller. Doch das Nominierungsverfahren, das bereits im September vergangenen Jahres begann, wurde von den Demokraten im US-Senat verzögert, so zumindest lautet der Vorwurf der Republikaner.

Am Donnerstagabend aber wurde die Berufung Richard Grenells vom US-Senat bestätigt - kurz vor dem Besuch von Kanzlerin Angela Merkel an diesem Freitag bei Trump in Washington.

US-Botschaft in Berlin

US-Botschaft in Berlin

Foto: Soeren Stache/ dpa

Lagerübergreifend ist im US-Kongress offenbar die Einsicht gewachsen, dass der Posten bei einem der wichtigsten Verbündeten endlich besetzt werden muss. So sagte der demokratische Senator Chris Coons kürzlich, es sei "lange überfällig, dass wir einen Botschafter in Deutschland haben". Mitch McConnell, der republikanische Mehrheitsführer im US-Senat, machte in diesen Tagen den Weg frei für eine Abstimmung der gesamten Kongresskammer über Grenell.

Trump traf den designierten US-Botschafter

Warum ging es nach Monaten des Wartens plötzlich schnell? In US-Medien kursiert dazu eine Geschichte: Grenell war am Wochenende in Mar-a-Lago, Trumps Privatklub in Palm Beach, Florida. Auch Trump selbst war da. Nach Informationen mehrerer US-Medien dinierte Grenell am Samstagabend im opulenten Speisesaal für die Klubmitglieder, war dort als Gast der Broadway-Produzentin und Theaterbesitzerin Terry Allen Kramer, die eine Luxusvilla in der Nähe von Mar-a-Lago besitzt.

Kramer und Chris Ruddy, ein konservativer Verleger und bekannter Freund Trumps, hätten Grenell den anderen Dinner-Gästen vorgestellt. Irgendwann sei auch der Präsident Trump hereingekommen und habe sich länger mit Grenell, Ruddy und Kramer unterhalten. Man habe Trump gegenüber betont, wie wichtig es sei, den Botschafterposten rechtzeitig zu Merkels Besuch zu besetzen.

US-Flagge über der US-Botschaft in Berlin. Im Hintergrund ist der Reichstag zu sehen.

US-Flagge über der US-Botschaft in Berlin. Im Hintergrund ist der Reichstag zu sehen.

Foto: Maurizio Gambarini/ DPA

Nach seiner Rückkehr aus Florida setzte Trump prompt einen Tweet ab, in dem er die Bestätigung Grenells forderte: "Kaum zu glauben, dass die Obstruktionspolitiker gegen Mike Pompeo als Außenminister stimmen. Die Dems weigern sich, Hunderte guter Leute zu bestätigen, darunter den Botschafter für Deutschland." Am Dienstag wiederholte Trump seine Forderung auf seiner Pressekonferenz mit dem französischen Staatspräsidenten Macron: "Ich warte auf sehr gute Leute, etwa den Botschafter für Deutschland."

Der Botschafterposten in Deutschland ist nicht der einzige diplomatische Spitzenjob der USA, der bisher vakant blieb. Und das liegt nicht nur am Senat oder den Demokraten. Nach Berechnung des Politologen Brian Klaas stecken zurzeit 139 außenpolitische Kandidaten in der Senatsklemme, darunter 16 Botschafter in spe. Für weitere 209 Posten hat Trump aber noch nicht einmal Kandidaten nominiert, darunter 32 Botschafter.

Grenell kritisiert deutsche Syrien-Haltung

Die Kritik an Grenell blieb in den vergangenen Monaten nebulös. Einige störten sich an alten - und seither gelöschten - Tweets, in denen er sich abfällig über Frauen geäußert hatte, unter anderem über die frühere demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton.

Bei seiner Anhörung vor dem Außenausschuss des US-Senats vergangenes Jahr entschuldigte sich Grenell: "Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich eine sehr fürsorgliche Person bin und sehr sensibel", sagte er. Was lustig gemeint gewesen sei, habe sich manchmal als nicht so lustig entpuppt: "Das war nie meine Absicht, und ich bedauere das."

Bei seinem Auftritt im Ausschuss sprach er auch seine sexuelle Orientierung offen an, indem er seinem langjährigen Partner Matt Lashey dankte, die beiden sind seit 15 Jahren zusammen: "Ohne Matts Hingabe und Hilfe wäre ich nicht in der Lage, dem Präsidenten und dem amerikanischen Volk zu dienen."

Was hat Deutschland von Grenell zu erwarten? Er gilt als konservativer Patriot; kürzlich kritisierte er offen die Haltung Berlins im Syrienkrieg: "Französische und britische Streitkräfte schließen sich den USA an, indem sie Syrien angreifen wegen des abscheulichen chemischen Angriffs auf Zivilisten. Auch Deutschland hätte dieser P3-Gruppe beitreten sollen."

In Berlin warteten sie geduldig ab, wie die Entscheidung in Washington ausfallen wird. Mit dem derzeitigen Geschäftsträger Logsdon waren die Beamten im Auswärtigen Amt in den vergangenen Monaten in regelmäßigem Austausch, eine Beeinträchtigung der Beziehungen war nicht festzustellen, trotz des fehlenden Botschafters. Doch den Zustand eines leeren Botschafterbüros am Pariser Platz habe nach Angaben des Auswärtigen Amts auch die Bundesregierung gerne möglichst schnell beendet gesehen.

Eine Sicht, die kürzlich auch der derzeitige US-Statthalter Logsdon vertrat: "Es ist immer besser für die Beziehungen, einen Botschafter zu haben."