Berlin-Verzicht Stoiber beichtet dem Papst seine Rückzugsgründe

Bei seiner Privataudienz im Vatikan hat Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber Papst Benedikt XVI. einen Grund für seinen überraschenden Rückzug nach Bayern genannt: das gestörte Verhältnis zur CDU-Chefin Angela Merkel.


Dass Merkel und Stoiber nicht gerade die dicksten Freunde sind, ist kein Geheimnis. Seit Jahren schon beharken sich die beiden; vor allem von Stoibers Seite gingen immer wieder Sticheleien gegen die "Protestantin aus dem Osten" aus. Bis zuletzt sah sich der CSU-Politiker, der Wirtschaftsminister werden wollte, als der eigentliche Chef in dem noch zu bildenden Kabinett.

Stoiber bei Papst Benedikt XVI.: Ich und Merkel passen nicht zusammen
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Stoiber bei Papst Benedikt XVI.: Ich und Merkel passen nicht zusammen

Umso mehr erstaunt deshalb die Beichte, die der Bayer bei seinem Vatikanbesuch am Donnerstag abgelegt haben soll. Wie die "Bild am Sonntag" berichtet, unterrichtete Stoiber Papst Benedikt XVI. bei seiner Privataudienz über seine Rückzugsgründe. Das gestörte Verhältnis zur CDU-Chefin Merkel habe dabei eine wichtige Rolle gespielt. Hatte Stoiber die Beziehung zu Merkel mit seinen laufenden Querschüssen aus Bayern nicht selbst immer wieder belastet?

Nach der Audienz erzählte Stoiber nach Angaben eines Zeugen im kleinen Kreis, der Papst habe ihn nach seinen Motiven für den Amtsverzicht gefragt. Stoiber habe nach eigenen Angaben geantwortet, für ihn habe sich die politische Lage in Berlin mit dem Rücktritt von SPD-Chef Franz Müntefering grundlegend geändert, und Merkel und er passten nicht so gut in ein Kabinett. Es sei nun einmal so, "dass ich mit ihr nicht kann", sagte Stoiber dem Zeugen zufolge.

Papstsprecher Joaquin Navarro-Valls wollte der Zeitung zufolge über die Inhalte des Treffens von Stoiber mit dem Papst keine Angaben machen. Nach Informationen der "Bild am Sonntag" ist das Verhältnis zwischen Stoiber und Merkel im Streit um die Kompetenzen für das Wirtschaftsministerium zerbrochen. Der Bayer habe sich von Merkel allein gelassen gefühlt. "Damit war für ihn die Vertrauensgrundlage endgültig zerstört", zitiert die Zeitung einen Stoiber-Vertrauten.

CSU-Generalsekretär Markus Söder dementierte den Bericht der "Bild am Sonntag". Das sei "absoluter Quatsch", sagte Söder am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen". Nach Söders Angaben habe sich Stoiber für die Übernahme eines Ministeramtes in der großen Koalition entschieden, weil auch die Chefs von CDU und SPD ein Kabinettsamt annehmen wollten. Diese Voraussetzung sei mit dem Rücktritt Franz Münteferings als SPD-Vorsitzender entfallen: Edmund Stoiber habe für sich entschieden, dass er aus München heraus "besser für die CSU Politik gestalten und auch Unterstützung für die große Koalition leisten kann".



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