Lkw-Attacke in Berlin Opfer auf Beifahrersitz wurde offenbar erschossen

Unter den Toten vom Berliner Breitscheidplatz befindet sich auch eine erschossene Person. Das sagte Brandenburgs Innenminister Schröter. Dabei handele es sich vermutlich um den eigentlichen Fahrer des Lkw aus Polen.


Zwölf Menschen sind tot, nachdem ein Lastwagen am Montagabend auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz gerast ist. Unter den Toten ist auch eine Person, die erschossen wurde. Das sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter. Es handele sich vermutlich um den polnischen Beifahrer des Lkw.

Nach Polizeiangaben saßen zum Zeitpunkt des Vorfalls zwei Männer in der Fahrerkabine. Zuvor hatte die Polizei lediglich bekannt gegeben, dass der polnische Beifahrer vor Ort gestorben sei, er habe den Lkw nicht gesteuert. Auch der polnische Speditionsbesitzer, mit dessen Wagen die Tat begangen wurde, bestätigte den Tod seines Fahrers. Er habe seinen Cousin auf einem Polizeifoto identifiziert, sagte Ariel Z. im polnischen Fernsehen. "Das Foto ist sehr drastisch."

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Bei der Tat im Westen Berlins wurde der Lastwagen offenbar bewusst auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gesteuert. Der dunkle Lkw mit polnischem Kennzeichen fuhr laut Polizei gegen 20 Uhr auf einer Strecke von 50 bis 80 Metern über den Markt. Er zerstörte mehrere Buden und traf viele Menschen. Dutzende Verletzte lagen am Dienstagmorgen in den Krankenhäusern der Hauptstadt, sie sind zum Teil schwer verletzt.

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Der mutmaßliche Fahrer des Lkw konnte zunächst flüchten, wurde aber noch in der Nacht festgenommen. Einem Bericht zufolge konnte er mithilfe eines Augenzeugen gefasst werden.

Am frühen Dienstagmorgen sprach die Polizei erstmals von dem Verdacht eines Terroranschlags. "Alle polizeilichen Maßnahmen zu dem vermutlich terroristischen Anschlag am Breitscheidplatz laufen mit Hochdruck und der nötigen Sorgfalt", twitterte die Polizei.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte Montagnacht gesagt: "Ich möchte im Moment noch nicht das Wort Anschlag in den Mund nehmen, obwohl viel dafür spricht." Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) erklärte: "Nach allem, was wir wissen, müssen wir von einem Terroranschlag ausgehen."

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Noch ist nicht offiziell geklärt, wer der mutmaßliche Fahrer des Lkw war. Der festgenommene Verdächtige heißt nach Informationen von SPIEGEL ONLINE Naved (oder Navid) B. Behördenkreisen zufolge soll er 23 Jahre alt sein und aus Pakistan stammen. Laut BKA-Lagebericht und Ausländerzentralregister ist er am 11. Februar 2016 in das Bundesgebiet eingereist. Im Gegensatz dazu ist aus Ermittlerkreisen zu hören, dass er schon am 31.12.2015 nach Deutschland kam.

Einen Aufenthaltstitel hat er laut BKA-Lagebericht seit dem 2. Juni 2016. Der mutmaßliche Täter könnte mit gefälschten Dokumenten und Alias-Namen operiert haben.

Nachrichtenagenturen berichten unter Berufung auf Sicherheitskreise, der Verdächtige sei schon früher wegen kleinerer Delikte polizeibekannt gewesen. Allerdings gibt es bei den Berliner Ermittlern inzwischen Zweifel an der Täterschaft des festgenommenen Mannes.

Am Dienstagmorgen durchsuchten Einsatzkräfte der Polizei unterschiedlichen Medienberichten zufolge Hangars im ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof, die derzeit als Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden. Dort seien mehrere Menschen befragt worden. Weitere Festnahmen gab es aber demnach nicht.

kgp/dpa



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