Berliner Grüne Schulz sticht Promis bei Listenwahl aus

Wenn sich zwei grüne Promis streiten, freut sich der dritte, nicht prominente Kandidat: Unerwartet haben die Berliner Grünen den ostdeutschen Politiker Werner Schulz auf Platz zwei ihrer Landesliste gesetzt. Schulz setzte sich gegen den Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele und die Ex-Ministerin Andrea Fischer durch.


Die Polit-Karriere von Ex-Ministerin Andrea Fischer ist mit dem verfehlten Listenplatz wohl endgültig vorbei
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Die Polit-Karriere von Ex-Ministerin Andrea Fischer ist mit dem verfehlten Listenplatz wohl endgültig vorbei

Berlin - Die Berliner Grünen werden mit Verbraucherschutzministerin Renate Künast als Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf ziehen. Auf einer Mitgliederversammlung stimmten am Samstag nach Angaben eines Parteisprechers 565 von 646 Stimmberechtigten für die 46-jährige Ministerin. Das Frau Künast den Platz eins belegt, ist nicht überraschend, da der Platz für eine Frau reserviert ist.

Wirklich umstritten jedoch war der zweite Platz auf der Landesliste. Hier hatten sich drei Kandidaten einen Kampf geliefert, den schließlich der ostdeutsche Werner Schulz gewann. Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler setzte sich in einer Kampfabstimmung mit 398 gegen 300 Stimmen gegen den Altlinken Hans-Christian Ströbele durch. Die ehemalige Bundesgesundheitsministerin und Realpolitikerin Andrea Fischer, die auch für Platz zwei kandidierte, hatte in einer ersten Abstimmung die wenigsten Stimmen erhalten und war damit für die Stichwahl ausgeschieden.

Nur noch zwei sichere Plätze

Die Wahl hatte bereits vorher große Wellen geschlagen. Denn wegen der Verkleinerung des Bundestages werden die Berliner Grünen voraussichtlich nur zwei Abgeordnete in den neuen Bundestag schicken können. Folglich war um den Platz zwei ein Gerangel zwischen den drei Kandidaten Ströbele, Fischer und Schulz ausgebrochen. Schon in der ersten Wahl war die Ex-Gesundheitsministerin Andrea Fischer durchgefallen. Fischer war nach dem Votum gegen sie sichtlich getroffen und den Tränen nahe. Schon zuvor hatte die Ex-Ministerin für ihre Vorstellungsrede nur wenig Beifall bekommen.

Im zweiten Wahlgang Schulz gegen Ströbele erhielt Schulz 398 von 703 gültigen Stimmen. Für Ströbele stimmten 300 Parteimitglieder. Nach seiner Wahl rief Schulz: "Das ist der Aufbruch in diesem Landesverband." Ströbele wollte sich nach seiner Niederlage noch nicht auf eine weitere politische Tätigkeit festlegen. "Darüber muss ich erst mit meinen Freunden beraten." Er sei persönlich und politisch enttäuscht. "Für meine Arbeit im Parlament und meine politische Positionierung ist das ein Rückschlag." Er räumte ein, dass sich wohl auch in der politischen Richtung bei den Berliner Grünen etwas geändert habe. Außerdem habe die Entscheidung auch an der guten Rede von Schulz gelegen, die viele derjenigen beeinflusst habe, die sich noch nicht festgelegt hatten.

Schulz, der schon 1990 der ersten Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen angehörte, plädierte für seine Wahl mit den bekannten Sponti-Spruch: "Du hast keine Chance, aber nutze sie." Andrea Fischer kündigte an, dass sie bei der Wahl um den dritten, recht aussichtslosen Listenplatz noch einmal antreten wolle.



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