Berliner Provinzposse Steffel mag München - und das ist nicht gut so

Berlin bleibt doch Berlin. Zumindest droht der Wahlkampf zum Provinztheater zu verkommen. Rot-Grün und PDS sind entsetzt, weil sich Frank Steffel in München wohl fühlt. Als gäbe es nichts anderes an dem CDU-Spitzenkandidaten zu kritisieren.

Von Dominik Baur


Bierzeltkumpane Steffel und Stoiber
REUTERS

Bierzeltkumpane Steffel und Stoiber

München/Berlin - Auf der Suche nach Wahlkampfunterstützung hatte sich der unscheinbare Newcomer der Berliner CDU an den derzeit einzig starken Mann in der Union gewandt. Während eines Besuchs bei Edmund Stoiber hielt der Berliner deshalb auch mit Lob an dessen (SPD-regierte) Heimatstadt nicht hinterm Berg. Bei einer Bierzeltveranstaltung mit dem CSU-Chef am Montagabend in München hatte sich der 35-Jährige, der zurzeit um die Stimmen der Berliner Wähler kämpft, als Fan der Bayern-Metropole geoutet. Er bringe München, der "heimlichen Hauptstadt" und schönsten Stadt Deutschlands, beste Grüße aus Berlin, sagte Steffel vor 2000 Zuhörern.

"Ein klasse Selbsttor", finden Steffels politische Gegner in Berlin. Süffisant fragte die Berliner PDS-Landesvorsitzende Petra Pau: "Warum will Steffel die Hauptstadt Berlin regieren, wenn seiner Meinung nach München die heimliche Hauptstadt ist?" Was wiederum die Frage aufwirft, warum die PDS Berlin regieren will. Offenbar nicht aus Interesse an der Stadt Berlin, sondern lediglich an ihrem Status als Hauptstadt.

"Geh doch runter!"

Steffels Grünen-Kontrahentin Sibyll Klotz versuchte sich gar in gewagtem Wortwitz: "Dann ist Steffel der unheimliche CDU-Bürgermeisterkandidat". Wenn Steffel München so bewundere, solle er doch dahin gehen: "Und tschüß, Herr Steffel."

Über die unfreiwillige Wahlkampfhilfe freute sich auch SPD-Regierungschef Klaus Wowereit. Wie der Berliner CDU-Spitzenkandidat München so loben und der Hauptstadt vorziehen könne - eine bessere Steilvorlage hätte sich kaum jemand ausdenken können, merkte Wowereit an. Und SPD-Chef Peter Strieder machte auch dem Letzten klar, warum man sich in Berlin offenbar nur mit einer ausgeprägten München-Feindschaft profilieren kann: "Arbeitet Steffel für oder gegen Berlin?"

Für die Berliner Sozialdemokraten ist also nur zu hoffen, dass sie niemand an das Jahr 1981 erinnert. Damals nämlich hatten sie in der Berliner Senatskrise den langjährigen Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel bekniet, das Amt des Regierenden Bürgermeisters zu übernehmen. Obwohl er angesichts des Zustandes der durch Flügelkämpfe und Verfilzungsaffären arg gebeutelten Berliner SPD ein hohes Risiko einging, hatte Vogel damals die schwierige Aufgabe angenommen.

Steffel macht sich unterdessen offenbar schon Gedanken, wo er im Fall einer Wahlniederlage Unterschlupf finden könnte. Bei dem gemeinsamen Auftritt mit Stoiber bat er die Schwesterpartei um Unterstützung gegen eine mögliche Regierungsbeteiligung der PDS in Berlin: "Es können ja nicht alle anständigen Preußen in Bayern Exil finden."



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