Berlins Innensenator "Ganz klar zu viele Waffen in diesem Land"
Nach Auffassung von Ehrhart Körting (SPD) muss das Waffenrecht novelliert werden, um die Anzahl privater Schusswaffen zu reduzieren. "Wir haben ganz klar zu viele Waffen in diesem Land", sagte der Berliner Innensenator in einem SPIEGEL-Interview - und jede Waffe berge eine tödliche Gefahr.
Bereits bei der ersten Novelle des Waffengesetzes 2002, nach dem Massaker von Erfurt, habe er eine deutliche Begrenzung des Waffenbesitzes gefordert, damit etwa Jäger nicht unbeschränkt Waffen kaufen können: "Wir sagten, vier Gewehre müssten doch bitte schön reichen", so der Sicherheitspolitiker. Doch das habe sich nicht durchsetzen lasse. "Die haben uns ausgebremst", sagte Körting über ein Länderbündnis aus Bayern und Nordrhein-Westfalen, "Flächenländer mit einem Netzwerk von Schützenvereinen". Einer gut organisierten Waffenlobby sei es gelungen, das Gesetz weichzuspülen.
Jetzt sei es an der Zeit für sinnvolle Begrenzungen: "Mir hat noch niemand erklären können, warum ein Jäger 20 Gewehre haben muss. Das ist Waffenfetischismus." Depots für Waffen oder Munition in Schützenheimen hält Körting allerdings für den falschen Weg und setzt eher auf technische Lösungen zur Blockierung von Waffen, etwa per PIN-Code oder Daumenabdruck.
Obwohl die Bundesregierung das geltende Waffenrecht für ausreichend hält, will der Berliner Innensenator in der Konferenz der Länderinnenminister eine Initiative für eine Verschärfung des Waffenrechts starten: "Meine SPD-Kollegen werden eine Linie verfolgen, die meiner ähnlich ist." Und auch die CDU-Minister sind nach Körtings Meinung "angesichts dieses schrecklichen Verbrechens nachdenklich geworden".