Berlusconi- Ausfall "Ich wollte einfach nur einen Spaß machen"

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi singt im Interview ein Loblied auf die deutsch-italienischen Beziehungen. Seinen Ausfall im Europaparlament gegen einen deutschen Abgeordneten verteidigt er als Versuch, die Stimmung aufzulockern.


 Italiens Ministerpräsident Berlusconi: "Einfach einen Spaß machen, um die Stimmung zu lockern"
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Italiens Ministerpräsident Berlusconi: "Einfach einen Spaß machen, um die Stimmung zu lockern"



Berlin - Zu dem Eklat im Europa-Parlament, bei dem er Anfang Juli dem deutschen Abgeordneten Martin Schulz die Rolle eines Kapo in einem Film nahe legte, sagte Berlusconi in dem Interview, das in der Montagsausgabe der "BILD"-Zeitung erscheint: "Es war eine 20-Sekunden-Bemerkung, weil ich einfach einen Spaß machen wollte, um die Stimmung zu lockern." Es sei aber nicht zu verstehen, wieso "einer unbedeutenden Sache so viel Bedeutung beigemessen" worden sei. betonte der italienische Ministerpräsident.

Nach seiner Bemerkung war es im Parlament zu Tumulten gekommen. Der Begriff "Kapo" stammt aus der Nazizeit und bezeichnet Aufseher in Konzentrationslagern, die aus dem Häftlingskreis selbst von der SS ausgesucht wurden. Oft wurden dabei besonders brutale Kriminelle als "Kapos" herangezogen.

Die diplomatische Sommerkrise zwischen Deutschland und Italien hatte sich weiter verschärft, nachdem der Tourismus-Staatssekretär Stefano Stefani die deutschen Urlauber als "einförmige, blonde Supernationalisten" bezeichnet, die alljährlich "lärmend über unsere Strände herfallen." Kurz darauf entschied sich Bundeskanzler Gerhard Schröder seinen mit Ehefrau Doris und Stieftochter Clara geplanten Italien-Urlaub abzusagen. Der Staatssekretär trat wenige Tage später von seinem Posten zurück.

 Europaparlamentarier Schulz: Die Rolle des Kapo angeboten
AP

Europaparlamentarier Schulz: Die Rolle des Kapo angeboten

Auch im Interview mit der "Bild"-Zeitung fand Berlusconi kein wirkliches Wort der Entschuldigung, sondern versuchte nach wie vor, sein Verhalten zu erklären. Er habe lediglich versucht, mit Ironie die gegen ihn gerichtete Attacke von Schulz zu überspielen, die "gegenüber mir selbst, meiner Regierung und meinem Land schwer beleidigend war". Dahinter habe nicht die Absicht gestanden, Schulz zu beleidigen, so der Ministerpräsident weiter. Schulz selbst hattezuvor in seiner Rede im Europaparlament Berlusconis Politikstil in Italien scharf angegriffen.

Kein Verstimmungen mit Schröder

Trotz der jüngsten Unstimmigkeiten in den Beziehungen zwischen seinem Land und der Bundesrepublik hält Berlusconi die Beziehungen für unbelastet: "Die engen Beziehungen zwischen Italien und Deutschland könnten nicht besser sein".

Er trat auch dem Eindruck entgegen, es gebe persönliche Verstimmungen zwischen ihm und Bundeskanzler Schröder. Er und der Kanzler hätten "alles getan, um den Vorfall im Europa-Parlament klein zu halten" und ihn "zu den Akten zu legen".

 Staatssekretär Stefani: Nach dem Ausfall zurückgetreten
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Staatssekretär Stefani: Nach dem Ausfall zurückgetreten

Berlusconi betonte, Deutschland und Italien seien seit mehr als einem halben Jahrhundert durch "Solidarität, Zuneigung und ein unzerstörbares gemeinsames Interesse verbunden". Ausdrücklich bekräftigte der Regierungschef, dass er sich auf den angekündigten Besuch des stets willkommenen Bundeskanzlers in Italien freue.

Schröder will Ende August zu einem Musikfestival nach Verona reisen.



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