Bernhard Vogel Eine West-Ost-Karriere

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Bernhard Vogel, der Bruder des SPD-Politikers Hans-Jochen Vogel, wurde 1932 in Göttingen als Sohn eines Gießener Universitätsprofessors geboren. Sein Abitur machte er in München, ebenfalls dort und in Heidelberg studierte er Soziologie, Geschichte, Volkswirtschaft und Politische Wissenschaften. Anfang der sechziger Jahre schloss er sich der CDU an. Über die Mitgliedschaft im Heidelberger Stadtrat und den CDU-Kreisvorsitz kam Vogel schließlich nach Rheinland-Pfalz und zog nach den Wahlen 1965 als Abgeordneter des Wahlkreises Neustadt-Speyer in den Deutschen Bundestag ein, dem er bis 1967 angehörte.

Danach war Vogel fast zehn Jahre Minister für Unterricht und Kultus in Rheinland-Pfalz, schaffte den Übergang von der Konfessionsschule zur christlichen Gemeinschaftsschule, wirkte an der Gründung der Universität Trier-Kaiserslautern mit.

Zweimal musste sich Bernhard Vogel gegen seinen Ministerpräsidenten und späteren CDU-Oppositionsführer im Bundestag, Helmut Kohl, durchsetzen: 1974 wurde Vogel Landesvorsitzender der CDU von Rheinland-Pfalz. Gegenkandidat war der von Kohl - damals noch - favorisierte Heiner Geißler. Als Kohl 1976 das Amt des Ministerpräsidenten aufgab, stand wiederum Vogel bereit. Kohl aber wollte Finanzminister Gaddum als Nachfolger. Und doch gewann Vogel die entscheidende Abstimmung.

Vom Wessi zum Ossi

Bis 1988 stand Bernhard Vogel an der Spitze der rheinland-pfälzischen Regierung, die meiste Zeit benötigte er keinen Koalitionspartner, ab 1987 saßen FDP-Minister mit am Kabinettstisch in Mainz. Dann erhob Umweltminister Hans-Otto Wilhelm Anspruch auf den Parteivorsitz im Land. Vogel entgegnete: Wenn er den Parteivorsitz verliere, dann werde er auch nicht länger Ministerpräsident sein. Trotzdem, Wilhelm hielt durch, wurde zum neuen Vorsitzenden der rheinland-pfälzischen CDU gewählt - und Vogel trat zurück.

Im März 1989 wurde Vogel Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung. Drei Jahre später bot sich dem Junggesellen die Chance zur Rückkehr in die Politik: Der thüringische Ministerpräsident Josef Duchac (CDU) trat wegen seiner DDR-Vergangenheit zurück - und diesmal stand Vogel ganz oben auf der Wunschliste des damaligen Bundeskanzlers Kohl. Er mühte sich, Ordnung ins affärengeschüttelte Thüringen und in sein Kabinett zu bekommen, ging aber nicht konsequent genug vor. Gegenüber dem SPIEGEL sagte er, er sei "nicht der Oberaufseher aus dem Westen". Bei den Landtagswahlen 1999 wurde Vogel zum dritten Mal Ministerpräsident des Landes. Die CDU erzielte 49,3 Prozent der Stimmen.



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