Beschluss des Bundestags Traumatisierte Soldaten bekommen mehr Entschädigung

Viele Soldaten mussten bisher jahrelang kämpfen, bis ihre psychischen Verletzungen offiziell anerkannt wurden. Eine vom Bundestag beschlossene Gesetzesänderung soll jetzt Abhilfe schaffen: Künftig werden Verwundete besser entschädigt.

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan: Entschädigungszahlungen erhöht
REUTERS

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan: Entschädigungszahlungen erhöht


Berlin - Soldaten mit körperlichen oder seelischen Verwundungen können neue Hoffnung schöpfen: Der Bundestag beschloss am Freitag einstimmig, die Leistungen für Verwundungen bei Auslandseinsätzen deutlich zu verbessern. Auch die Linkspartei, die ansonsten Auslandseinsätze der Bundeswehr ablehnt, votierte für das Gesetz.

Kern des Gesetzes ist eine leichtere Anerkennung einer "militärtypischen" psychischen Erkrankung. Künftig soll es ausreichen, dass diese Verwundung - sowohl posttraumatische Belastungsstörungen als auch Depressionen und Ähnliches - glaubhaft gemacht werden.

Ein Soldat mit einem Verletzungsgrad von 50 Prozent soll danach künftig einmalig 150.000 Euro erhalten. Bisher waren es 80.000 Euro. Zudem haben Soldaten nun einen Anspruch auf Weiterbeschäftigung im Bundesdienst, wenn ihre Erwerbsfähigkeit durch eine Verwundung im Einsatz um 30 Prozent gemindert wird. Der Gesetzentwurf sah zunächst 50 Prozent vor, wurde dann nach Protesten von Abgeordneten mehrerer Fraktionen aber nachgebessert. Damit werden nun auch viele schwer traumatisierte Soldaten berücksichtigt.

Zahl der traumatisierten Soldaten rasant angestiegen

Die vereinfachte Anerkennung des Verwundungsgrade soll rückwirkend zum 1. Juli 1992 gelten, also mit dem Beginn der Auslandseinsätze der Bundeswehr. Seitdem haben den Angaben zufolge mehr als 400 Bundeswehrsoldaten dauerhafte seelischen Verwundungen erlitten. Hinzu kommt eine deutlich höhere Dunkelziffer.

Hintergrund der neuen gesetzlichen Regelung ist die sprunghaft gestiegene Zahl psychischer Erkrankungen durch den Afghanistan-Krieg. Bis September wurden 587 deutsche Isaf-Soldaten in den Bundeswehr-Einrichtungen wegen eines posttraumatischen Belastungssyndroms behandelt. Das liegt über der Gesamtzahl des Jahres 2010 mit 557 solchen Fällen.

Höhere Entschädigungssummen

Die am Freitag beschlossene Gesetzesänderung sieht zudem vor, dass Auslandseinsätze künftig ab einer bestimmten Mindestdauer stärker auf die Altersversorgung angerechnet werden. Vorgesehen sind auch bessere Entschädigungen für Angehörige gefallener Soldaten. Die Zahlungen an hinterbliebene Ehepartner und Kinder steigen von 60.000 auf 100.000 Euro. Diese Regelungen sollen mit Inkrafttreten des Gesetzes zum 1. Januar kommenden Jahres gelten.

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, sprach von einer "Sternstunde des Parlaments". Der Bundestag habe damit "ein eindrucksvolles und überzeugendes Bekenntnis zur Bundeswehr abgelegt".

heb/dpa/dapd/AFP



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pierrotlalune, 28.10.2011
1. Soldaten
Zitat von sysopViele Soldaten mussten bisher jahrelang kämpfen, bis ihre psychischen Verletzungen offiziell anerkannt wurden. Eine vom Bundestag beschlossene Gesetzesänderung soll*jetzt Abhilfe schaffen: Künftig*werden Verwundete besser entschädigt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,794682,00.html
Also, ich mag womöglich mit meiner Meinung vielen vor dem Kopf stoßen, jedoch ich persönlich, bin der Auffassung, dass Menschen die sich bewusst für den Beruf Soldat entschieden haben, für den Auslandseinsatz sich auch freiwillig melden, womöglich wegen der recht hohen Steuerfreien Zulage, keine weiteren Zuwendungen, vor allem bei postraumatische Angstzustände. Auch weil und grade dieser von vornherein vorgegauckelter Friedenseinsatz, der zum Scheitern verurteilt war, uns Steuerzahler schon zig Millarden gekostet hat ohne dem Steuerzahler auch nur einen einzigen Vorteil zurück zu geben. Wofür dieser Einsatz war, wird wohl nie beantwortet werden. Postraumatisch, dann waren diese entweder nicht gut genug informiert und geschult. Oder einfach als Mensch, für einen solchen Beruf nicht geeignet, drum Fehl am Platze, wie so vieles hier. Jetzt soll ja eine freiwillige Armee entstehen, ein Grund mehr solche Beträge nicht auszuzahlen oder im Vertrag über Risiken besser zu informierten und zu Berufsunfähigkeitsversicherung Abschluss raten. Ich zahle für ausgelaugte Soldaten, Griechenland, den Strom der Grossen Abnehmer, das Risiko des Euros usw usw usw Mein Lohn wurde jedoch dieser gesamten Entwicklung nicht angepasst. Im Gegenteil er ging die letzten Jahre zurück, bei gleicher Beschäftigung und Tätigkeit.
derandersdenkende, 29.10.2011
2. Wer beim Versuch zu töten, selbst verwundet wird
Zitat von sysopViele Soldaten mussten bisher jahrelang kämpfen, bis ihre psychischen Verletzungen offiziell anerkannt wurden. Eine vom Bundestag beschlossene Gesetzesänderung soll*jetzt Abhilfe schaffen: Künftig*werden Verwundete besser entschädigt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,794682,00.html
oder ein Traumata erleidet, hat Anspruch auf mehr Entschädigung? Was ist mit dem verwundeten bzw. traumatisierten Gegner? Ich hätte jedes Verständnis dafür, wenn die Beeinträchtigungen bei Verteidigungshandlungen eintreten. Hier geht es aber um Angriffskriege bzw. Besatzung fremden Territoriums. Da müßte eigentlich der Gegner und nicht der Angreifer Entschädigung erhalten. Sehe ich das etwa falsch?
kdshp 29.10.2011
3. Soldaten
Zitat von sysopViele Soldaten mussten bisher jahrelang kämpfen, bis ihre psychischen Verletzungen offiziell anerkannt wurden. Eine vom Bundestag beschlossene Gesetzesänderung soll*jetzt Abhilfe schaffen: Künftig*werden Verwundete besser entschädigt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,794682,00.html
Hallo, geht mir entschieden zu weit und warum werden hier soldaten bevorzugt während andere nicht mal das bekommen was soldaten jetzt schon kriegen. Sorry wer den job macht muss auch eben mit den problemen da rechnen ist in anderen jobs auch nicht anders.
mariena 29.10.2011
4. Ich finde das richtig
Zitat von sysopViele Soldaten mussten bisher jahrelang kämpfen, bis ihre psychischen Verletzungen offiziell anerkannt wurden. Eine vom Bundestag beschlossene Gesetzesänderung soll*jetzt Abhilfe schaffen: Künftig*werden Verwundete besser entschädigt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,794682,00.html
Denn Posttraumatische Störungen werden leider nicht gleich erkannt denn sie entwickeln sich erst mit der Zeit nach einem traumatischen Erlebnis. Allgemein muss die Gesellschaft sich mehr zu psychischen Erkrankungen stellen. denn die gibt es! Ich muss sagen das ich nicht glaube das die Soldatinnen und Soldaten wirklich vorher wissen auf was sie sich da einlassen. Doch wenn der Staat sich dazu entschließt Soldaten in einen Auslandseinsatz zu schicken muss er auch dafür Sorge tragen dass diejenigen die geschädigt aus einem Einsatz zurückkehren dementsprechend versorgt werden. Das ist bei jeder großen Firma nicht anders! Ich denke die Entschädigungsgelder sind angemessen aber nur wenn auch die Therapien erfolgreich sind.
mariena 29.10.2011
5.
Zitat von marienaDenn Posttraumatische Störungen werden leider nicht gleich erkannt denn sie entwickeln sich erst mit der Zeit nach einem traumatischen Erlebnis. Allgemein muss die Gesellschaft sich mehr zu psychischen Erkrankungen stellen. denn die gibt es! Ich muss sagen das ich nicht glaube das die Soldatinnen und Soldaten wirklich vorher wissen auf was sie sich da einlassen. Doch wenn der Staat sich dazu entschließt Soldaten in einen Auslandseinsatz zu schicken muss er auch dafür Sorge tragen dass diejenigen die geschädigt aus einem Einsatz zurückkehren dementsprechend versorgt werden. Das ist bei jeder großen Firma nicht anders! Ich denke die Entschädigungsgelder sind angemessen aber nur wenn auch die Therapien erfolgreich sind.
Ich meine die PTBS
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