Bestanden - oder doch nicht? Verwirrung um Stresstest für Stuttgart 21

Noch vier Wochen müssen die Schüler in Baden-Württemberg auf ihre Zeugnisse warten. Für Stuttgart 21 ist es in zwei Wochen so weit: Mitte Juli soll das Ergebnis des Stresstests vorgestellt werden. Einige Zeitungen melden bereits, der Bahnhof habe bestanden - Verkehrsminister Hermann dementiert.
Protest gegen die Gegner von Stuttgart 21: Heftiger Streit auch hinter den Kulissen

Protest gegen die Gegner von Stuttgart 21: Heftiger Streit auch hinter den Kulissen

Foto: dapd

Berlin - Hat der Bahnhof nun bestanden - oder doch nicht? Der Stresstest für den umstrittenen Bahnhofsneubau Stuttgart 21 hat am Samstag für Verwirrung gesorgt. Die "Berliner Zeitung" meldete unter Berufung auf den baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann, die Deutsche Bahn habe die Überprüfung ihres Großprojekts offenbar bestanden. Doch der Grünen-Politiker dementierte den Bericht umgehend: Er habe dem Autor des Artikels kein Interview gegeben, der Bericht sei Spekulation. Seinem Ministerium liege das Gutachten noch nicht vor.

Der Zeitung hatte Hermann dem Bericht zufolge gesagt, "nach den bisher durchgesickerten Informationen" werde der Stresstest "wohl nicht scheitern". Hermann bekräftigte jedoch seine Zweifel an dem Projekt: "Die Frage wird sein, in welcher Qualität die Bahn den Bahnhof bedienen kann: Ist es eine Qualität, die man akzeptieren kann, oder eine, die für diesen Projektpreis inakzeptabel ist - ich bin da nach wie vor sehr skeptisch." Er wolle sehr genau darauf schauen, ob die Bahn wie vereinbart den Stresstest auf einen Fahrplan umgestellt habe, den auch das Land akzeptiert.

Bereits während der Testphase hatte es offenbar hinter den Kulissen heftigen Streit über die Ausführung gegeben. Nach massiver Kritik hatte die Bahn eingelenkt und versprochen, dem Test einen Fahrplan zugrunde zu legen, den auch das Land akzeptiert. "Ich werde also genau draufschauen, wie und ob das erfolgt ist", kündigte der Verkehrsminister Hermann an. Er fordert jedoch zusätzlich auch einen Stresstest für den alten Kopfbahnhof, weil er die für den Test zugrunde gelegten Zahlen anzweifelt.

Gutachten soll erst Mitte Juli vorgestellt werden

Über mehrere Wochen hatte die Bahn den künftigen Betrieb des umstrittenen unterirdischen Bahnhofs mit Hilfe von speziellen Computerprogrammen simuliert. Der Test war nach den Schlichtungsgesprächen mit dem ehemaligen CDU-Politiker Heiner Geißler vereinbart worden und sollte den Nachweis erbringen, dass der neue unterirdische Bahnhof 30 Prozent leistungsfähiger ist als der derzeit bestehende Kopfbahnhof. Die Bahn und das Schweizer Beratungs- und Verkehrsplanungsunternehmen SMA sollen das Gutachten Mitte Juli offiziell vorstellen. Vorab wollten sich die Gutachter dem Blatt zufolge noch nicht zu den Ergebnissen des Stresstests äußern.

Die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg liegt beim Thema Stuttgart 21 über Kreuz: Die Grünen sind dagegen, die SPD ist dafür. In ihrem Koalitionsvertrag haben beide eine Volksbefragung zu dem in der Bevölkerung umstrittenen Vorhaben im Oktober vereinbart. Kritiker von Stuttgart 21 hoffen, dass das Stresstest-Ergebnis für den neuen Bahnhof Kostensteigerungen und somit das wirtschaftliche Aus für das Milliardenprojekt mit sich bringt.

Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) sagte dem Deutschlandradio Kultur, Stuttgart 21 habe den Stresstest "noch nicht bestanden". Solange der Test nicht vorliege, werde seine Partei abwarten und ihre ablehnende Haltung beibehalten. Er sprach sich für einen Volksentscheid aus, bei dem die Grünen für den Erhalt und Ausbau des Kopfbahnhofs werben würden.

mik/dapd/Reuters