Demo zu Hause beim Innenminister Aufstand in Krötenbruck

Hans-Peter Friedrich hat ein kleines Problem: Am Wochenende könnte es vor seinem Privatanwesen in Oberfranken laut werden - Aktivisten wollen direkt vor dem Haus des Innenministers demonstrieren. Dabei sind Friedrich und der Organisator so etwas wie alte Bekannte.
Innenminister Friedrich: Ist mit einer Demo vor seinem Privatgrundstück einverstanden

Innenminister Friedrich: Ist mit einer Demo vor seinem Privatgrundstück einverstanden

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

Berlin - Es verspricht ein schöner Sonntag zu werden: sonnig, leicht bewölkt, angenehme Temperaturen, so die Wettervorhersage für den Ortsteil Krötenbruck  im oberfränkischen Hof. In der Idylle aus Wäldern und Badeseen gibt es nicht nur den obligatorischen Schützenverein und einen Fußballclub, hier wohnt auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich.

Das Anwesen des CSU-Spitzenpolitikers ist eigentlich Privatsache. Doch am Sonntag wollen ein paar Dutzend Mitglieder der Piratenpartei und deren Anhänger Friedrichs freies Wochenende aufmischen - und direkt vor seinem Grundstück protestieren. "Der Bundesinnenminister will an unsere Privatsphäre. Und deshalb demonstrieren wir VOR seiner Privatsphäre, sprich vor seinem Privathaus in Hof", heißt es auf der Facebook-Seite der Organisatoren. Ein Flyer  in Kreischfarben kündigt einen "Demonstrationszug" an.

Grund für den Groll ist die sogenannte Bestandsdatenauskunft, für das der Innenminister qua Amt zumindest teilweise verantwortlich ist. Das Gesetz verpflichtet Telekommunikationsanbieter, Kundendaten wie Telefonnummern, Passwörter und Handy-Sperrcodes an Ermittlungsbehörden herauszugeben. Unter anderem die Piratenpartei ruft dagegen in mehreren Städten zu Protesten  auf.

Nun gibt es täglich überall Demos gegen alles Mögliche, aber nach Angaben der örtlichen Polizei ist es das erste Mal, dass das Privatgrundstück von Friedrich ins Visier einer Protestgruppe gerät. "Soweit wir wissen, wurde noch nie direkt vor Herrn Friedrichs Haus demonstriert", sagte Einsatzleiter Markus Welisch SPIEGEL ONLINE am Freitag.

Polizei hat Bedenken

Die Demo ist ordnungsgemäß angemeldet. Allerdings erlaubten die Behörden erst vor ein paar Tagen, dass die Gruppe ihre Abschlusskundgebung wirklich vor dem Haus des Innenministers abhalten darf. Denn eigentlich hat die Polizei Bedenken bei der Sache. Nicht etwa wegen der Anzahl der zu erwartenden Teilnehmer. Die dürfte sich im zweistelligen Bereich bewegen. Ohnehin werden die Proteste gegen die Bestandsdatenauskunft längst keine Anti-Acta-Ausmaße erreichen. Der Widerstand der Netzaktivisten kommt viel zu spät, das Gesetz wurde schon vor Wochen im Bundestag verabschiedet.

Was den Behörden Sorge bereitet, ist die Frage, ob künftig noch mehr Leute auf die Idee kommen könnten, vor Friedrichs Garageneinfahrt Transparente zu schwenken. Als Innenminister ist der CSU-Politiker Hauptgegner von Netzaktivisten. "Es besteht die Gefahr, dass eine Demo das Tor für weitere Demos öffnet", räumt Welisch ein, "zumal man nie weiß, wer am Ende wirklich auftaucht." Diese Bedenken habe man bei einem Treffen zwischen Stadt, Polizei und Organisatoren auch geäußert.

Theoretisch hätte Friedrich die Demo verhindern können. Grenzt diese an ein Privatgrundstück, wird das Versammlungsrecht mit dem Persönlichkeitsrecht des Betroffenen abgewogen. Doch auf dem kleinen Dienstweg, über sein Wahlkreisbüro, ließ Friedrich offenbar mitteilen, dass er nichts gegen die Demo einzuwenden habe. So erzählen es Einsatzleiter Welisch und Protestorganisator Wastl Steinhäußer, Vorsitzender des örtlichen Piraten-Kreisverbands. Friedrichs Wahlkreisbüro wollte sich zu dem Thema zunächst nicht äußern.

Alte Verbindung über die Volkshochschule?

Pirat Steinhäußer ist davon überzeugt, dass ihm auch persönliche Beziehungen halfen, seine Demo durchzukriegen. "Ich kenne den Hans-Peter seit vielen Jahren", behauptet Steinhäußer am Telefon, mit einer großen Portion Stolz in der Stimme. In den Neunzigern habe er IT-Kurse an der nächstgelegenen Volkshochschule gegeben. Und Friedrich, erzählt der Pirat, soll in einer seiner Klassen gesessen haben. "Aber nageln Sie mich jetzt nicht drauf fest, ob Windows oder Internet", so Steinhäußer. Schließlich sei das alles lange her.

Im vergangenen Jahr habe man gemeinsam mit Friedrich gegen Nazis demonstriert. Und auch zur Polizei pflege man gute Kontakte: Der Landtagsdirektkandidat der Piraten ist Hauptkommissar. Jedenfalls sei man am Sonntag nicht auf Krawall aus, betont der Aktivist. "Wir wollen nur deutlich machen, wie unangenehm ein Eingriff in die Privatsphäre sein kann."

Gut möglich, dass der Pirat in Sachen persönlicher Verbindung zum Innenminister übertreibt. Aber dass in einer Kleinstadt wie Hof jeder jeden kennt, dürfte die Causa Piraten-Demo wohl erleichtert haben. Und Friedrich dürfte klar sein, dass es ihn einige Sympathiepunkte kosten würde, wenn er sich gegen eine friedliche Demo stemmte.

Sicherheitsbedenken habe man keine, sage Einsatzleiter Welisch. "Zumindest bei uns haben die Piraten noch keinen Ärger gemacht." Damit das so bleibt, ist Welisch am Sonntag vorsichtshalber im Dienst.

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