Besuch in Afghanistan Guttenberg schickt Verstärkung nach Kunduz

In Masar-i-Scharif wurde er gefeiert, für Kunduz hat er Zusagen im Gepäck. Am zweiten Tag seiner Afghanistan-Reise besucht Verteidigungsminister Guttenberg den gefährlichsten Ort des Einsatzgebiets der Bundeswehr - und verspricht Verstärkung. 120 weitere Soldaten sollen anrücken.

DDP

Aus Kunduz berichtet


Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg reiste mit Zusagen nach Kunduz, zur gefährlichsten Station seiner Afghanistan-Reise. Nachdem die Truppe bereits im Sommer Verstärkung erbeten hatte, genehmigte Guttenberg nun die Entsendung einer frischen Infanteriekompanie aus Deutschland. Die rund 120 neuen Soldaten, die hauptsächlich den Schutz des Camps verbessern sollen, werden bereits im Januar in Kunduz ankommen, die Unterbringungen für die Soldaten sind bereits in Bau. Wenn andere Truppenteile außerhalb des Camps im Einsatz sind, soll die neue Kompanie mögliche Angriffe auf das Lager abwehren.

Mit den neuen Soldaten ist das aktuelle Mandat des Bundestags für die Afghanistan-Mission dann voll ausgeschöpft, die Obergrenze liegt bei 4500 Soldaten. Gut 1100 Männer und Frauen sind zurzeit in Kunduz stationiert, überall im Lager wird gebaut, um die zusätzlichen Soldaten unterzubringen. Obwohl schon der letzte Kommandeur der Truppen, General Jörg Vollmer, im Spätsommer eine deutliche Verstärkung des Camps gefordert hatte, will die Bundesregierung zunächst das alte Mandat für drei Monate verlängern und die Ergebnisse einer internationalen Afghanistan-Konferenz abwarten. Diese soll Anfang des Jahres stattfinden.

Die Region ist instabil

Guttenberg war am Freitagmorgen per Hubschrauber ins Feldlager nach Kunduz geflogen. Die Lage in der Region ist instabil, laut Militärjargon herrscht eine "erhebliche" Gefährdung. Seit die Taliban die neue Transportroute der Nato durch den Norden als Ziel erklärt haben, häufen sich Anschläge auf Versorgungskonvois. In der vergangenen Woche fackelten Aufständische in Imam Sahib nördlich des Bundeswehrlagers mehrere Lastwagen mit Waren für die US-Truppen ab. Die Nato ist wegen der vermehrten Angriffe alarmiert.

Auch die Bundeswehr kommt bei ihren Patrouillen regelmäßig unter Feuer. Erst am Mittwoch wurde ein deutscher Soldat schwer verletzt, als die Taliban den Konvoi in ihrer Hochburg Chahar Darreh südwestlich des Lagers attackierten. Etwas später wurde auch noch ein Helikopter beschossen. Zwar sind die Angriffe in den letzten Wochen im Vergleich zum Sommer etwas zurückgegangen, von Entwarnung kann jedoch keine Rede sein. Jederzeit rechnet der neue Kommandeur Oberst Kai Rohrschneider mit neuen Angriffen.

Als Guttenberg nach Norden flog, wurde aus Kabul ein erneuter Anschlag gemeldet: Ein Selbstmordattentäter hatte sich in der Nähe des amerikanischen Camp Phoenix in die Luft gesprengt. Dabei wurden sechs Menschen verletzt - afghanische Zivilisten und technisches Personal der Nato. Taliban-Sprecher Zabiullah Mudschahid erklärte der Nachrichtenagentur AP, man habe einen Militärkonvoi treffen wollen.

Begeisterter Empfang für den neuen Minister

Es war eine kurze Nacht für den neuen Verteidigungsminister gewesen. Bis zum späten Abend musste der Chef der Bundeswehr im nordafghanischen Masar-i-Scharif entweder Autogramme geben oder für die Kameras der Soldaten posieren. Kaum stellte sich der Minister, der einen langen Tag mit politischen Gesprächen in Kabul hatte, an einen Tisch, wurde er schon von den nächsten Soldaten umringt und zu einem neuen Gruppenfoto gebeten.

Der Abend im größten deutschen Lager glich zeitweise dem Auftritt eines Popstars. Gefeiert wurde der neue Minister, der den Soldaten in einer kurzen Rede, die er ohne Manuskript hielt, Mut und Respekt zusprach. "Wir bauen nicht nur Brunnen in Afghanistan", rief er den Soldaten zu. Das müsse endlich auch in Deutschland ankommen, so Guttenberg. Viel deutlicher konnte man den Bruch mit dem Mantra seines Vorgängers Franz Josef Jung nicht ausdrücken, der den Einsatz stets als Stabilisierungs- und Wiederaufbaumission bezeichnet hatte.

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SaT 08.11.2009
1. abziehen oder ewig weiterkämpfen
Wieso siegen? Da keine Kriegsziele existieren kann man im Grunde weder gewinnen oder verlieren sondern nur abziehen oder ewig weiterkämpfen. Vorschlag: wir erklären uns zum moralischen Sieger und ziehen mehr oder weniger geordnet ab. Dem korrupten Karzeiclan, Warlords und die Drogenbarone unserer Wahl geben wir halt soviel Waffen, dass die das Thema Taliban alleine in den Griff bekommen. Wir überlassen Afghanistan den Afghanen und kümmern uns endlich um unsere eigenen Probleme – davon gibt es genug.
Ökopit 08.11.2009
2. Westlich und Islam ...
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
... schließt sich naturgegeben aus! Die beste Strategie in Afghanistan wäre ein kompletter (und sofortiger) Rückzug des Westens - nicht nur der Truppen, auch aller zivilen "Möchtegern-Helfer" und natürlich der Krämerseelen! Nur, das geht leider "geostrategisch" nicht, denn wer "die Passhöhen des Hindukusch" beherrscht, kann, wenn er will, ganz Asien beherrschen! Die Engländer haben das im 19. Jahrhundert nicht geschafft, die Sowjetunion ab 1980 auch nicht! Die Ami's und ihre Vasallen (leider gehört Deutschland dazu) versuchen das seit 2001! Ich gönn ihnen den Erfolg nicht!
ewspapst 08.11.2009
3. Nur Siegen?
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
Hier das Ausgangsthema. Ist der Krieg in Afghanistan noch zu gewinnen? Natürlich ist der Krieg zu gewinnen. Haben Sie sich als Forist hier nicht die vielen Militärexperten, Generalsdoppel, Humanisten und göttergleiche Juristen, ja selbst Philosophen, die alle ein ungemein umfassendes und unbedingt richtiges Wissen mitbringen, angeschaut. Ihr Spezialwissen übertrumpft alle, denn das haben sie uns oft genug gesagt. Und warum sollen wir ihnen nicht glauben? Ihre Erkenntnisse erfüllen uns täglich mit staunen, ob der vielen Darbietungen. Sie alle wissen viel besser als die afghanische Bevölkerung, unter welchen Bedingungen dort gelebt werden soll und muss und bringen uns Unwissende alles haarklein nahe. Es ist doch ganz klar, dass die westliche Intelligenz viel klarer definieren kann, was gut und böse ist und was einem Paschtunen natürlich nicht möglich ist. Wie Wahlen zu werten sind, können doch nur die politisch vorgebildeten Nato - Angehörigen. Die westliche Welt hat über lange Zeit nur nach Recht und Gesetz gehandelt, nur um der Menschlichkeit willen und ist deshalb in der Lage, dieses Wissen und Handeln an die dritte Welt weiterzugeben, die dann ebenso handeln soll, ganz besonders die Afghanen. Haben Sie diesen Worten geglaubt? Natürlich, denn sie werden uns doch täglich ohne Unterbrechung frei Haus geliefert. Dann werden "Sie " diesen Krieg auch gewinnen, "wir " Ungläubigen dagegen nicht. Übrigens, warum haben die Russen, die Inder, die Pakistani, die Engländer, wieder die Russen und dann auch die Amerikaner die Kämpfe nicht gewonnen? Die genannten EXPERTEN werden es Ihnen mit vielen Worten und rechtsphilosophischen Erläuterungen sagen.
mark anton, 08.11.2009
4. Ist die Haltung der D Feigheit vor dem Feinde?
oder wie wuerde man es bezeichnen koennen? Auch wenn der Ausgang in Afghanistan wegen der vielseitig unguenstigen und unueberbrueckbaren Problemen negativ ist, haette man als Verbuendeter seine Verpflichtungen nachkommen muessen. Was, wenn D einmal Verbuendete braucht - die Nato koennte dann auch sagen, wir erinnern uns an Kunduz und verhalten uns ebenso.
Stahlengel77, 08.11.2009
5.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,660064,00.html Na prima. Das US-Militär operiert in dem von der Bundeswehr kontrollierten Bereich zusammen mit afghanischer Miliz. Wir können an fünf Fingern abzählen, was das für unsere Soldaten bedeutet: Weitere Destabilisierung, die Taliban werden mehr Zulauf bekommen und wie das bei den Paschtunen so ist, wird die Blutrache ausgerufen und dann wird nicht mehr unterschieden, welches Nationalitätenzeichen auf einer Uniform prangt. Es steht außer Zweifel, das wir mit vermehrten Anschlägen und Angriffen auf unsere Soldaten rechnen müssen nach der Offensive. Und wenn die von der Bundeswehr besetzte Region durch die US-Militärs so richtig aufgemischt wurde, wird eine Aufstockung des Mandats notwendig sein. Ob es dafür eine Mehrheit im Bundestag gibt, wenn auch endlich offiziell von einem Krieg gesprochen wird, ist fraglich. Am Ende werden unsere Soldaten in Afghanistan alleine gelassen, wenn sie das nicht schon sind. Wenn ich von Soldaten, die aus dem Einsatz kommen, hören muss, das sie sich ihre Ausrüstung immer noch selbst kaufen müssen, das sie unter schwierigsten Bedingungen mit unzureichendem Material ihren Aufgaben nachkommen müssen, das die Bevölkerung ihnen weitgehend feindlich gesonnen ist und sie quasi mitanschauen müssen, wie Warlords unbehelligt ihren Opiumanbau vorantreiben und damit enorme Gewinne erzielen (und dagegen nicht vorgegangen wird), da fragt man sich wirklich: Was haben wir dort überhaupt verloren? Die geplante Pipeline der Amerikaner schützen? Abortmücke am Hintern Chinas spielen? (Es ist längst bekannt, das die Taliban einen guten Teil ihrer Waffen aus China gesponsert bekommen) Noch heute bin ich der Meinung, das Struck, Fischer und Schröder juristisch zur Rechenschaft gezogen gehören, da sie deutsche Soldaten in einen Angriffskrieg der USA geschickt haben. In tausenden von Jahren hat niemand es geschafft, diese Region dauerhaft zu besetzen. Nur Wahnsinnige glauben, man könnte dort einen Krieg gewinnen.
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