Besuch von Boris Johnson Merkel dringt auf verhandelten Brexit

Premier Johnson hat bei Angela Merkel erneut die Streichung des sogenannten Backstops gefordert. Eine Lösung sei möglich, antwortete die Kanzlerin. Die EU werde aber auch auf einen harten Austritt vorbereitet sein.

Johnson und Merkel in Berlin
Odd ANDERSEN / AFP

Johnson und Merkel in Berlin


Angela Merkel hat beim Antrittsbesuch des britischen Premierministers Boris Johnson erneut für einen geordneten Austritt Großbritanniens aus der EU geworben. Allerdings sei man auch auf einen nicht verhandelten Brexit vorbereitet, sagte Merkel in Berlin nach der Ankunft Johnsons.

Es gehe jetzt darum, den Austritt so zu gestalten, dass es weiterhin gute Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU sowie Deutschland möglich seien. Diese seien sehr eng und freundschaftlich, und dies sollten sie auch in Zukunft sein. Wenn Großbritannien schließlich ein Drittstaat sei, sollte man über eine Freihandelszone verhandeln.

Merkel hält Lösung des Irland-Problems für möglich

Auch Johnson kündigte an, er wolle einen verhandelten Austritt. "Wir schaffen das", sagte er dabei auf Deutsch. Er forderte aber erneut eine Streichung der sogenannten Backstops. Diese Regelung sieht vor, dass Großbritannien nach dem Ausscheiden aus der Europäischen Union so lange in einer Zollunion mit der EU verknüpft bleibt, bis eine Lösung für das Grenzproblem zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem zu Großbritannien gehörenden Nordirland gefunden wird.

Merkel hält eine Lösung des Irland-Problems für möglich. Der Backstop sei nur als Übergangsregel gedacht gewesen. Man sei bislang davon ausgegangen, eine endgültige Lösung in den nächsten zwei Jahren zu finden. "Aber man kann sie vielleicht ja auch in den nächsten 30 Tagen finden. Warum nicht? Dann sind wir ein ganzes Stück weiter", sagte sie.

Bei der Ankunft Johnsons am Kanzleramt gab es "No-Brexit"-Rufe von Bürgern. Der britische Regierungschef wurde mit militärischen Ehren begrüßt. Nach ihren Zitteranfällen vor einigen Wochen verfolgte Merkel das Abspielen der Nationalhymnen gemeinsam mit ihrem Gast im Sitzen. Merkel hatte zuletzt auch den Empfang der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und der Regierungschefin der Republik Moldau, Maia Sandu, im Sitzen absolviert.

als/dpa

insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
123rumpel123 21.08.2019
1. Kompromiss liegt förmlich in der Luft
Beide bleiben irgendwie auf ihrer Linie, signalisieren aber Kompromissbereitschaft hinsichtlich einer Lösung für die innerirische Grenze. Interessant die Äusserung von Frau Merkel dass das u.U. auch innerhalb von 30 Tagen machbar sein könnte, was wiederum ein Schmunzeln bei BoJo hervorrief. Nach diesem Interview wird niemand mehr ernsthaft die Meinung vertreten könne, dass ein Kompromiss machbar ist.
claus7447 21.08.2019
2. Merkel hat das elegant umschifft.
Boris blieb mal wieder vage bis zum Anschlag. Keine Kontrollen will UK in NI. Er blieb schuldig wie. Merkel meinte trocken: "wir kennen ja nicht die Details an dieser Grenze, das muss dann schon von GB kommen." Sagte es und lächelte.
londongirl 21.08.2019
3. Einknicken?
Bitte keine Konzessionen an den Bully Boy. Wir wollen ihn nicht, er repräsentiert uns nicht. Er hat kein demokratisches Mandat. Er ist für das höchste Amt ungeeignet. Sein Frohjauchzen über etwaige Konzessionen wäre unerträglich. Im Daily Telegraph war schon zu lesen, dass Merkel einlenkt.
lotharlinden 21.08.2019
4. "Bescheidener Vorschlag"
Wenn es eine Zollgrenze gibt, dann werden auch Grenzkontrollen unvermeidbar sein, zumal wenn Großbritannien unvergleichlich großartige Handelsabkommen abschließen wird. Eine Grenze ist eine Grenze ist eine Grenze. Die Lösung kann nach Lage der Dinge nur in der Wiedervereinigung Irlands liegen. Dazu müsste Großbritannien einen weiteren Teil seines ehemaligen Kolonialreiches aufgeben. Das fällt schwer und verursacht sicherlich weitere Phantomschmerzen, aber irgendwann sollte man auch in London einsehen, dass das Empire Vergangenheit ist.
123rumpel123 21.08.2019
5. Korrektur
Zitat von 123rumpel123Beide bleiben irgendwie auf ihrer Linie, signalisieren aber Kompromissbereitschaft hinsichtlich einer Lösung für die innerirische Grenze. Interessant die Äusserung von Frau Merkel dass das u.U. auch innerhalb von 30 Tagen machbar sein könnte, was wiederum ein Schmunzeln bei BoJo hervorrief. Nach diesem Interview wird niemand mehr ernsthaft die Meinung vertreten könne, dass ein Kompromiss machbar ist.
,,,,,,muss natürlich heißen.:...............dass kein Kompromiss machbar ist......................
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