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Klage gegen Google und Co: Der Kampf der Bettina Wulff

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Bettina Wulff in der Offensive Lady Comeback

Erst die Klagen gegen Google und Günther Jauch, dann das eigene Buch: Bettina Wulffs juristische Offensive ist auch eine gut orchestrierte PR-Kampagne in eigener Sache. Drängt die frühere First Lady zurück ins Rampenlicht?

Warum jetzt? Warum geht Bettina Wulff erst jetzt in die Offensive, setzt Unterlassungserklärungen durch, verklagt öffentlichkeitswirksam Google und Günther Jauch, erklärt an Eides statt, dass an den Gerüchten über ihre angebliche Rotlichtvergangenheit nichts dran ist? Schließlich reichen Denunziationen einige Jahre zurück, doch erst jetzt wehrt sie sich massiv und in aller Öffentlichkeit dagegen.

Dabei erscheinen nicht erst seit gestern im Google-Suchfeld einschlägige Wörter, wenn man den Namen der ehemaligen First Lady eintippt. Und auch besagte Jauch-Sendung liegt über ein Dreivierteljahr zurück. Damals hatte der Moderator einen Bericht der "Berliner Zeitung" erwähnt, in dem Gerüchte kolportiert wurden, wonach wiederum die "Bild"-Zeitung eine Geschichte über das vermeintliche Vorleben von Bettina Wulff drucken könnte.

Mittlerweile haben Dutzende Blogger und Redaktionen Unterlassungserklärungen abgegeben, darunter die "Berliner Zeitung", der "Stern" - und auch Günther Jauch kündigte nach SPIEGEL-Informationen an, Anspielungen über die angebliche Vergangenheit Bettina Wulffs nicht zu wiederholen. Zugleich verteidigte Jauch sich: "Ich habe niemals über Frau Wulff eine falsche Tatsachenbehauptung aufgestellt", er habe lediglich aus einem Artikel zitiert. Sein Anwalt teilte mit, dass ein Anspruch auf Unterlassung anerkannt werde - "ohne ein Fehlverhalten damit einzuräumen".

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Wulffs Anwalt Gernot Lehr wiederum betonte, dass bislang niemand, kein Journalist, kein Blogger, keine Redaktion auch nur versucht hätten, "die falschen Darstellungen zu rechtfertigen". In einigen Fällen sei sogar Schmerzensgeld durchgesetzt worden. Alles ohne großes Aufsehen.

Sicher, es war ein Dilemma. Als Gattin des amtierenden Bundespräsidentin hätte Bettina Wulff den Gerüchten nur zusätzliche Aufmerksamkeit beschert, wenn sie dagegen vorgegangen wäre. Sie hätte der üblen Nachrede mehr Gewicht verliehen. "Jeder Gang vor Gericht, der eine Veröffentlichung aus der Welt hätte schaffen können, wäre vermutlich zur Nachricht geworden", schreibt die "Süddeutsche Zeitung". So schwiegen Christian und Bettina Wulff, versuchten, die Gerüchte abperlen zu lassen. Erst in dem legendären Fernsehinterview im Januar, geführt von Bettina Schausten und Ulrich Deppendorf, wetterte der damalige Bundespräsident gegen "Phantasien", die da über seine Frau im Internet verbreitet würden. Dort waberte das Gerücht weiter, und auch in Berliner Journalisten- und Politikerkreisen lästerte man darüber.

Wie die Operation Image-Rettung begann

Nach dem Rücktritt ihres Mannes im vergangenen März begann dann eine Art Operation Image-Rettung, und zwar zunächst im Verborgenen, wie die "Süddeutsche" schreibt: "Bettina Wulff ließ löschen, was zu löschen war." Mit den Klagen gegen Google und Jauch ist sie nun in die Öffentlichkeit zurückgekehrt - es muss ihr und ihrem Anwalt klar gewesen sein, dass beides für sich genommen das Zeug zu einer großen Nachricht hat.

Es ist denkbar, dass die Wulffs einfach ein bisschen Zeit ins Land gehen lassen wollten nach dem Auszug aus dem Schloss Bellevue. Dass sie nach den Strapazen um den Hauskauf und die Urlaube und all den Schlagzeilen erst mal keine Aufmerksamkeit wollten. Es ist auch denkbar, dass sie erst einige Erfolge gegen kleinere Blogger und Redaktionen durchsetzen wollten, bevor sie sich gegen die größere Gegner wenden. Zumal der Wulff-Anwalt Lehr ein vielbeschäftigter Mann ist, der sich nicht nur um das ehemals erste Paar im Staat kümmert.

Aber natürlich lassen sich die Klagen auch als Teil einer gut orchestrierten PR-Kampagne sehen, mit der Bettina Wulff die Deutungshoheit über ihr eigenes Leben nicht nur juristisch zurückgewinnen will, sondern auch publizistisch: Wie der SPIEGEL bereits vor zwei Wochen berichtete, wird sie im Münchner Riva-Verlag ein Buch über ihr Leben veröffentlichen. Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt nun, der Termin sei auf September vorgezogen worden. Beim Buchverlag heißt es dazu nur, dass bei Büchern, über die besonders viel gesprochen werde, solche Verschiebungen immer möglich seien.

Ob bereits Vorabdrucke in Magazinen, Interviews, Fernsehauftritte vereinbart worden sind, wie bei solchen Veröffentlichungen üblich? Dazu kein Kommentar, weder vom Anwalt noch vom Verlag. In München heißt es lediglich, Bettina Wulff habe einige Wunsch-Redaktionen, werde aber nur "sehr wenig machen" in Sachen Buch-PR.

Zum möglichen Comeback passt, dass sich Ex-First-Lady offensichtlich auch beruflich neu orientiert und mit einer PR-Agentur selbständig gemacht hat. "Ich fühle mich frei, weil ich mein eigener Chef bin", sagte sie dem Magazin "Focus".

Es sieht nicht so aus, als würde es still werden um die Wulffs.

Mit Material von dpa
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