Beust-Nachfolger Ahlhaus Schwarzer Senkrechtstarter

Christoph Ahlhaus hat in der Hamburger Politik eine Blitzkarriere hingelegt. In neun Jahren hat er es an die Spitze der Stadt geschafft. Sein Erfolgsrezept: Netzwerken mit der Partei. Wie er nun als Beust-Nachfolger mit den Grünen zusammenarbeiten wird, ist ungewiss: Er gilt als Hardliner.
Von Simone Utler
Hamburgs Innensenator Ahlhaus: Als 16-Jähriger trat er in die CDU ein

Hamburgs Innensenator Ahlhaus: Als 16-Jähriger trat er in die CDU ein

Foto: Fabian Bimmer/ APN

Hamburg - Der rasante Aufstieg des Christoph Ahlhaus belegt: Rückhalt in der Partei ist essentiell für eine politische Karriere. Erst 2001 zog der gebürtige Heidelberger nach Hamburg, gerade mal vor gut zwei Jahren rückte er zum Senator auf, nun wird der 40-Jährige Erster Bürgermeister. Nicht nur aufgrund seiner stämmigen Figur wird Ahlhaus von Hamburger Medien gern als politisches Schwergewicht der Hansestadt bezeichnet .

Ahlhaus studierte nach einer Banklehre Jura in Heidelberg, Berlin und München und arbeitete nach seinem zweiten Staatsexamen zunächst als Rechtsanwalt. Obwohl bereits seit 1985 CDU-Mitglied, begann seine politische Karriere erst 16 Jahre später: 2001 wurde er Landesgeschäftsführer der Hamburger CDU.

Fortan ging es nach oben: In seiner Zeit als Landesgeschäftsführer holte die CDU unter Ole von Beust bei der Bürgerschaftswahl 2004 erstmals die absolute Mehrheit der Sitze. Ahlhaus wurde ins Landesparlament gewählt, innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion und Mitglied des Innen- und des Rechtsausschusses. 2006 berief Beust ihn zum Staatsrat der Innenbehörde. Parallel schaffte es Ahlhaus, im einflussreichen Bezirk Nord eine Hausmacht aufzubauen: Im November 2007 wählten die Delegierten ihn zum Vorsitzenden des Kreisverbands.

Bei der Bildung der ersten schwarz-grünen Koalition auf Landesebene im Mai 2008 musste der parteilose Innensenator Udo Nagel für Ahlhaus weichen. Was für die Öffentlichkeit überraschend kam - Nagel war beliebt, hätte sein Amt gern behalten -, war offenbar Folge guter Vernetzung. Wie es hieß, musste Beust auf Druck der CDU einen Posten für ein verdientes Parteimitglied schaffen.

Die große Stunde schlug für Ahlhaus im März, als der damalige Finanzsenator und CDU-Landesvorsitzende Michael Freytag, der jahrelang als Beusts Kronprinz galt, nach Vorwürfen im Zusammenhang mit dem Beinahezusammenbruch der HSH Nordbank und der desolaten Haushaltslage der Stadt zurücktrat. Es kam zu einem Deal, wonach Fraktionschef Frank Schira von Freytag die Parteiführung übernahm und Ahlhaus als potentieller Nachfolger für Beust in Stellung gebracht wurde.

Trotz dieser Pläne, die Hamburger Medien seit Monaten kommunizieren, hielt sich Ahlhaus zurück und erhob nie öffentlich einen Anspruch auf das Amt. Anders sein Parteikollege, Sozialsenator Dietrich Wersich, der seine Bereitschaft zu Beusts Nachfolge jüngst in einem Zeitungsinterview kundtat und sich damit umgehend den Zorn der Partei zuzog. Auch die Hamburger hatten Ahlhaus bis zuletzt offenbar nicht als Bürgermeisteranwärter auf dem Schirm: In einer Umfrage von "Welt" und "Bild"-Zeitung unter 1007 wahlberechtigten Bürgern nannten Anfang Juli lediglich elf Prozent Ahlhaus als Alternative zu Ole von Beust. Immerhin: Andere CDU-Politiker lagen noch unter diesem Wert.

Nun führt also ausgerechnet jenes Mitglied des Senats die erste schwarz-grüne Landesregierung, das anfänglich als potentielle Bruchstelle galt. Obwohl er sich als Innensenator diplomatischer äußerte, gilt Ahlhaus als politischer Hardliner, der anders als Beust vor allem die traditionelle CDU-Klientel bedient und für einige Positionen steht, die mit grüner Politik nur schwer vereinbar sind.

So setzte sich Ahlhaus in der Bundesinnenministerkonferenz für härtere Strafen bei Gewalt gegen Polizisten ein. "Es gibt keine rechtsfreien Räume in Hamburg", betont er immer wieder. Außerdem wollte er die Herkunft von Tätern in der Kriminalstatistik erfassen lassen, doch die GAL erteilte ihm eine deutliche Abfuhr. In einem Punkt vertritt der Christdemokrat aber schon fast grüne Positionen: Er betont die Verantwortung der Gesellschaft für das Abdriften von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und fordert eine deutlich bessere Integration.

Gut ein halbes Jahr nach dem Start von Schwarz-Grün in Hamburg hatte Ahlhaus eingeräumt, zunächst etwas skeptisch gewesen zu sein: "Gerade bei innenpolitischen Themen schien die Schnittmenge gering." Aber es liefe viel besser, als er gedacht habe, man arbeite offen, transparent und auf Augenhöhe, so der CDU-Politiker, der zwar schneidig und entschlossen auftritt, sich aber in Gesprächen sehr locker gibt, Sinn für Humor beweist und immer mal wieder hinter der rahmenlosen Brille schmunzelt. "Entscheidend ist - gerade bei schwierigen Themen - sehr offen herauszuarbeiten, wo man unterschiedliche Auffassungen hat und dieses auch respektiert", so Ahlhaus, der vor allem mit dem GAL-Justizsenator Till Steffen eine intensive Zusammenarbeit pflegt.

Diese Strategie ist wichtiger denn je, schließlich kommt Ahlhaus in einer schwierigen Zeit für die CDU an die Macht: Die Umfragewerte sind schlecht und zuletzt häuften sich Probleme. Die drohende Pleite bei der Abstimmung zur Schulreform, der Absturz der HSH-Nordbank, explodierende Kosten beim Prestigeobjekt Elbphilharmonie, Verzögerungen bei der Elbvertiefung. Auch in Ahlhaus' Ressort sieht es nicht gut aus: Regelmäßig brennen Autos in der Stadt, ein Polizist wurde von Gewalttätern halb totgeschlagen, Überwachungskameras im Rotlichtmilieu werden von Gewalttätern schlicht ignoriert, Unbekannte schleuderten einen Farbeimer gegen das Mehrfamilienhaus, in dem Ahlhaus wohnt. Selbst in der Polizei wird unter der Hand eingeräumt, dass die Stadt ein Gewaltproblem hat.

Für Aufregung sorgt auch der geplante Umzug aus der Altonaer Wohnung in eine Elbvorort-Villa: Die Sicherungsmaßnahmen sollen die Steuerzahler rund eine Million Euro kosten - nachdem Ahlhaus bereits seine Zweitwohnung in Heidelberg für rund 200.000 Euro aus dem Hamburger Haushalt absichern ließ.Auch eine Dienstwagenaffäre hat Ahlhaus bereits hinter sich: Er verband eine Tagung in Paris mit einem Privataufenthalt. Die Kosten von knapp 2000 Euro musste er nachträglich begleichen.

Mit Material von DAPD und dpa
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