Beziehung zu Minderjähriger Boetticher-Rücktritt stürzt Nord-CDU in die Krise

Es ist ein Schock für die CDU - der schleswig-holsteinische Parteichef Christian von Boetticher ist wegen der Beziehung zu einer Minderjährigen zurückgetreten, neun Monate vor der Landtagswahl. Neuer Spitzenkandidat könnte nun Wirtschaftsminister Jost de Jager werden.
Beziehung zu Minderjähriger: Boetticher-Rücktritt stürzt Nord-CDU in die Krise

Beziehung zu Minderjähriger: Boetticher-Rücktritt stürzt Nord-CDU in die Krise

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Kiel - CDU-Landeschef Christian von Boetticher hat seinen Posten wegen der Liebesbeziehung zu einer 16-Jährigen geräumt - nun stellen sich Schleswig-Holsteins Konservative die bange Frage: Wer kann die Partei neun Monate vor den Landtagswahlen retten? In Kiel hat die hektische Suche nach einem Nachfolger begonnen. Ein Spitzenkandidat für die Wahlen und ein neuer Parteichef, für beide Funktionen muss schnell jemand Neues gefunden werden.

Als Favorit gilt der 46-jährige Landeswirtschaftsminister Jost de Jager. In der CDU werde vermutet, dass de Jager, würde er Spitzenkandidat, auch den Parteivorsitz in Schleswig-Holstein übernehmen würde, schreibt das "Hamburger Abendblatt" online. Außenseiterchancen würden Landtagspräsident Torsten Geerdts eingeräumt. De Jager gelte als "stiller Macher" und bodenständig, er verfüge über hohes Ansehen im konservativ-liberalen Lager der CDU. Landtagspräsident Geerdts indes könne mit seiner Sympathie für die Grünen neue Koalitionsoptionen eröffnen, so das "Abendblatt".

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Liebesbeziehung zu Minderjähriger: Kieler CDU-Chef tritt zurück

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Am Sonntagabend hatte Christian von Boetticher seinen Rücktritt als Parteivorsitzender und Spitzenkandidat der CDU erklärt. Grund: die Beziehung zu einer Minderjährigen im Jahr 2010. Der 40-Jährige will jedoch Fraktionschef im Landtag bleiben. "Es war schlichtweg Liebe", sagte Boetticher unter Tränen. Er zog damit nach massivem Druck aus der Partei die Konsequenz aus dem inzwischen beendeten Liebesverhältnis. "Ja, es ist wahr, ich hatte mich im Frühjahr 2010 in eine junge Frau verliebt und bin mit ihr mehrere Monate zusammen gewesen", sagte der CDU-Politiker in Kiel. Er sprach von einer "ungewöhnlichen Liebe", die aber vom Umfeld akzeptiert worden sei.

"Moralische Vorbehalte unterschätzt"

Boetticher räumte ein, dass eine solche Beziehung, obwohl sie rechtlich legal sei, bei vielen Menschen auf moralische Vorbehalte stoße. Er habe keinen privaten, wohl aber den politischen Fehler begangen, die Bedeutung einer solchen Beziehung für eine etwaige Spitzenkandidatur nicht bedacht zu haben, sagte er. Er habe die "moralischen Vorbehalte bei vielen Menschen" unterschätzt. Ihm sei jetzt bewusst, dass er dem angelegten Maßstab privat in diesem Fall nicht gerecht geworden sei.

Nach Berichten schleswig-holsteinischer Regionalmedien und der "Bild am Sonntag" hatten sich Boetticher und das damals 16-jährige Mädchen auf Facebook kennengelernt. Der Politiker habe mit der Jugendlichen aus Nordrhein-Westfalen zunächst Mails ausgetauscht, ab März 2010 sei es dann zu mehreren Treffen gekommen. Es habe sich um eine ernsthafte Liebesbeziehung gehandelt. Als aber die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl auf ihn zukam, habe sich von Boetticher im Mai 2010 getrennt. In seiner Erklärung betonte er, zu dem Zeitpunkt keine Beziehung zu einer anderen Frau gepflegt zu haben.

Der geschäftsführende Landesvorstand der CDU Schleswig-Holstein nahm die Entscheidung in einer Erklärung "mit Respekt zur Kenntnis". Boetticher habe "deutlich gemacht, dass er die moralische Komponente falsch eingeschätzt hat. Dafür hat er sich öffentlich entschuldigt und daraus mit seinem heutigen Rücktritt vom Amt des Landesvorsitzenden und dem Verzicht auf die Spitzenkandidatur die Konsequenzen gezogen", hieß es.

anr/dpa
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