Biedenkopf Zwölfmal Gratis-Flüge


Hamburg - Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) hat mindestens zwölfmal kostenlos Flugzeuge seines befreundeten Kölner Bauunternehmers Heinz Barth für Dienstreisen genutzt. Der Regierungschef sei in der Zeit von 1991 bis 1997 mit Flugzeugen der FTG Aircharter oder FTG Air-Service geflogen, berichtet der "Stern". Diese Gesellschaften gehören Barth. Von der Staatskanzlei in Dresden wurde die Anzahl der kostenlosen Flüge am Mittwoch bestätigt.

Die Beziehungen zwischen dem Bauunternehmer und dem Ministerpräsidenten werden derzeit von einem Untersuchungsausschuss des sächsischen Landtages geprüft. Die Abgeordneten beschäftigten sich mit der Frage, ob Biedenkopf oder andere Mitglieder der Staatsregierung Einfluss darauf genommen haben, dass Landesbehörden Anfang der neunziger Jahre zu ungünstigen Mietbedingungen in das Leipziger "Paunsdorf-Center" einziehen mussten. Das Center wurde seinerzeit von Barth gebaut. Auf Anweisung des Ministerpräsidenten hatten die Behörden in dem Komplex Büros für 25 Jahre zu einem Preis von 24 Mark pro Quadratmeter angemietet, schreibt das Blatt weiter.

Der Ministerpräsident habe am 1. Juli 1993 in einem Aktenvermerk dazu festgestellt, dass dies "an der untersten Grenze des Machbaren" gewesen sei. Die Mietverträge wurden 1996 vom Landesrechnungshof gerügt.

Von den zwölf Flügen habe neunmal die FTG die Kosten getragen, etwa beim Flug nach Bonn zum Kanzleramt im September 1994 oder bei einer Benefizveranstaltung zugunsten eines Kinderkrankenhauses. In drei Fällen hätten Veranstalter Biedenkopf zu sich eingeladen, die Flüge aber wiederum über die zu Barth gehörende Fluggesellschaft gebucht.

Der Regierungschef sei so zum Jubiläum der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südwestfalen, zum Wirtschaftsforum mit der IHK Nordrhein-Westfalen und zum Westdeutschen Rundfunk nach Köln gekommen.



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