"Bild"-Boykott FDP zitiert Schröders Sprecher vor Ausschuss

Der Streit zwischen Bundesregierung und "Bild"-Zeitung zieht seine Kreise. Jetzt soll Regierungssprecher Bela Anda auf Antrag der FDP vor dem Haushaltsausschuss des Bundestages Rede und Antwort stehen. Auch die Mehrheit der Deutschen hat kein Verständnis für den Schröderschen "Bild"-Boykott.

Hamburg - Anda soll am 24. März vor dem Ausschuss aussagen. Dies habe das Gremium auf Antrag der FDP beschlossen, teilte der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Jürgen Koppelin, heute in Berlin mit.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte vor einer Woche erneut angekündigt, der "Bild" keine Interviews mehr geben zu wollen. Anda begründete dies mit der angeblich unfairen Berichterstattung des Blattes. Schröder blieb auch nach Protest der Berliner Journalistenvertretung Bundespressekonferenz bei seiner Haltung.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) verlangte, es dürfe "kein Journalisten-Ranking beim Bundeskanzler geben". Außerdem sei Anda "gut beraten, den Gleichbehandlungsgrundsatz von Journalisten auch dann zu beachten, wenn die Fachminister der Bundesregierung betroffen" seien, sagte ein DJV-Sprecher in Berlin. Beim Bundespresseamt werde die Praxis gepflegt, "Verlauf und Tendenz von Interviews der Bundesminister zu bewerten. Das hat den Geruch von schwarzen Listen."

Nach einer Umfrage des Forsa-Instituts (9./10. März) hält die Mehrheit der Deutschen den Interview-Boykott für falsch. 53 Prozent der 1003 Befragten waren dieser Meinung, 40 Prozent teilten hingegen die Haltung des Kanzlers, wie der Sender N24 als Auftraggeber der Umfrage berichtete.