Bildung SPD-Integrationsbeauftragte will Türkisch als zweite Fremdsprache

Englisch, Französisch - oder Türkisch? Die SPD-Integrationsbeauftragte Ute Vogt regt an, Türkisch als zweite Fremdsprache an Schulen zu lehren - als Angebot auch für Deutsche. Innenminister Schäuble nimmt den türkischen Premier Erdogan gegen Kritik an dessen Kölner Rede in Schutz.


Mannheim/Frankfurt am Main - Die baden-württembergische SPD-Vorsitzende Ute Vogt hat sich für Türkisch als zweite Fremdsprache ausgesprochen. "Warum wird die Zweisprachigkeit mit Englisch und Französisch als wichtige Qualifikation gefördert, Türkisch aber nicht?", sagte die SPD-Integrationsbeauftragte dem "Mannheimer Morgen". Wichtig sei dabei, dass der Unterricht auch deutschen Schülern offen stünde und der Unterricht auf Deutsch erfolge.

Ute Vogt: "Warum nicht Türkisch?"
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Ute Vogt: "Warum nicht Türkisch?"

Vogt verwies darauf, dass Türkisch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen werde. "Die türkische Wirtschaft verzeichnet Zuwächse, die Türkei wird in absehbarer Zeit ein noch wichtigerer Handelspartner sein, da können auch deutsche Schüler von Türkischkenntnissen profitieren."

Die doppelte Staatsbürgerschaft hält die SPD-Integrationsbeauftragte ebenfalls für einen wichtigen Baustein. Damit würden die Wurzeln anerkannt, aber auch ein Bekenntnis zum deutschen Staat und seiner Verfassung abgelegt.

"Erdogan arbeitet nicht gegen uns"

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat indes den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen massive Kritik in Deutschland verteidigt. Er habe keinen Grund zur Klage, sagte der CDU-Politiker der "Süddeutschen Zeitung". Erdogan habe nach dem Brand in Ludwigshafen einen großen Beitrag zur Deeskalation geleistet.

Schäuble kritisierte Unionspolitiker wie CSU-Chef Erwin Huber, die nach Erdogans Besuch in Deutschland die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aussetzen wollen. "Das darf man nicht vermengen", sagte er und hob hervor, dass Erdogans Wunsch, in Köln zu Landsleuten zu reden, der Offenheit der Demokratie entspreche.

Schäuble nahm Erdogan auch gegen Verdächtigungen in Schutz, er sei ein Islamist. "Mein Eindruck ist, dass er von der Grundordnung der freiheitlichen Demokratie völlig überzeugt ist. Er ist ein gläubiger Muslim. Und davor habe ich großen Respekt." Auf Ablehnung stieß bei Schäuble allerdings Erdogans Vorschlag, Schulen mit Unterricht auf Türkisch einzurichten. "Deutsch als Fremdsprache ist in diesem Land einfach nur Quark."

Kritik an Erdogan kam dagegen von Schäubles Parteikollegen Maria Böhmer und Armin Laschet. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung warf Erdogan wegen seiner Warnung vor einer Assimilation der Türken Versagen vor. Auch die türkische Regierung trage Verantwortung dafür, dass die 2,7 Millionen Türken in Deutschland ankämen, sagte die Staatsministerin der Netzeitung. "Es ist kontraproduktiv, von Assimilation zu sprechen, wenn es um Integration geht." Niemand verlange von Einwanderern, ihre Kultur aufzugeben oder ihre Wurzeln zu kappen, sagte die CDU-Politikerin.

Auch der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet widersprach im "Hamburger Abendblatt" Erdogan. "In Deutschland wird kein Assimilationsdruck ausgeübt. Das zu suggerieren ist falsch. Das Ziel unserer Politik ist vielmehr die Integration der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte", sagte der CDU-Politiker. Jeder, der in Deutschland lebe, sollte die gleichen Chancen haben. "Und er kann seine eigene Kultur, seine eigene Religion weiter leben, wenn sie mit dem Grundgesetz vereinbar sind."

phw/dpa/AP



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