Podcast "Stimmenfang" "Dass ich mal studiere, hätte meine Mutter mir nie zugetraut"

Schon als Schüler muss Kilian arbeiten und zur Miete dazuverdienen. Fürs Lernen bleibt wenig Zeit. Sein Studium ist hart erkämpft. Warum macht Deutschland armen Kindern den sozialen Aufstieg so schwer?

Ein Podcast von  und


Stimmenfang #97 - Arme Kinder = schlechte Chancen? Warum Deutschland den sozialen Aufstieg so schwer macht

"Ich dachte, der Staat lässt mich einfach hängen", diesen Satz hat uns unser Podcast-Hörer Kilian (28) vor einer Weile gemailt. Kilian ist ein Kind armer Eltern und kämpft sich gegen viele Widerstände durch das deutsche Bildungssystem. Heute ist er studierter Biotechniker.

Damit hat Kilian geschafft, woran laut Statistik in Deutschland überproportional viele scheitern: den sozialen Aufstieg. Warum das so ist, diskutieren wir in der aktuellen Podcast-Episode mit Kilian selbst und mit dem Bildungsforscher Marcel Helbig.

Der Podcast als Text zum Lesen
Sie wollen lesen, was im Podcast gesagt wird? Dann sind Sie hier richtig.
Das vollständige Transkript

[00:00:02] Sandra Sperber Willkommen zu "Stimmenfang", dem Politik-Podcast von SPIEGEL ONLINE. Ich bin Sandra Sperber.

[00:00:10] Sandra Sperber ANZEIGE: Bevor es heute losgeht, möchte ich Ihnen unser SPIEGEL+-Angebot vorstellen, denn wir bekommen viel positives Feedback von Ihnen, was uns natürlich freut und wenn Sie unsere Art, Journalismus zu machen, mögen, dann empfehlen wir Ihnen unser Spiegel+-Angebot gratis zu testen. Sie bekommen dafür die digitale Ausgabe des SPIEGEL immer freitags ab 18 Uhr und außerdem können Sie alle SPIEGEL+-Artikel auf SPIEGEL ONLINE lesen. Der erste Monat ist kostenlos, danach zahlen Sie 19,99 Euro und können monatlich kündigen. Und weil wir wissen, dass wir viele junge Podcasthörer haben: Alle Unter-30-Jährigen zahlen pro Monat nur 11,99 Euro. Alle Infos dazu finden Sie im Netz unter spiegel.de/gratismonat.

[00:00:48] Sandra Sperber "Ich dachte, der Staat lässt mich einfach hängen." Der Satz hat uns auf die Idee zu dieser Podcastfolge gebracht. Er stammt aus einer E-Mail von "Stimmenfang"-Hörer Kilian, der uns schreibt, wie er sich als Kind aus einfachen Verhältnissen durchs Bildungssystem gekämpft hat. Er hat geschafft, woran laut Statistik in Deutschland überproportional viele scheitern: den sozialen Aufstieg. Sind arme Kinder dümmer oder warum landen an deutschen Unis etwa dreimal so viele Kinder von Akademikereltern wie aus Arbeiterfamilien? Und welche Rolle spielt die Politik dabei?

[00:01:27] Angela Merkel (CDU) Wir sind leider bei der Durchlässigkeit, auch bei der Frage "Was haben die Eltern als Beruf und was haben die Kinder dann als Berufsperspektive?" noch nicht so weit, wie ich das gerne wäre.

[00:01:38] Sandra Sperber Woran das liegt hören wir in dieser "Stimmenfang"-Folge aus zwei Perspektiven: von einem Bildungsforscher und von Kilian, unserem Hörer, den ich in München besucht habe.

[00:01:48] Kilian Meine Mutter sagt immer, dass ich jetzt studiert habe, ist für sie total etwas Besonderes. Niemals hätte sie mir das zugetraut.

[00:01:56] Sandra Sperber Als Schüler hätte Kilian es vermutlich selbst nicht geglaubt, dass er, der mittelmäßige Realschüler, erfolgreich ein anspruchsvolles Biotechnologie-Studium abschließen würde.

[00:02:06] Kilian Ich bin aufgewachsen in Bayern, in einem kleinen Dorf, das ist Adelschlag bei Eichstätt, und als Kind hatte ich mich damals nicht wirklich für die Schule interessiert. Ich war viel draußen, Wald und Wiese oder viel Zeit vor dem Fernseher verbracht. Das heißt, ich war als Kind nach der Grundschule oft allein, da war auch keiner da, der mir den Hausaufgaben geholfen hat oder so was.

[00:02:25] Sandra Sperber Die Eltern sind Handwerker, gelernte Steinmetze. Sie trennen sich, als Kilian 13 ist. Er wohnt von da an alleine mit seiner Mutter in einer kleinen Mietwohnung. Das Geld ist knapp.

[00:02:37] Kilian Das hat man zum Beispiel daran gemerkt, dass ich Situationen hatte, in denen ich dann nach Hause kam und meine Mutter stand da und meinte dann: "Ja, wir haben nur noch 40 Euro für den Monat" und es waren noch zwei Wochen bis zum Monatsende. Als 16-, 17-Jähriger, 15-Jähriger denkt man sich, jetzt geht die Welt unter. Irgendwo war da immer das Gefühl da, das Geld ist knapp und es ist gefährlich. Und da entwickelt man quasi schon auch so existenzielle Ängste.

[00:03:03] Sandra Sperber Kilian sucht sich einen Job und arbeitet nach der Schule, auch um seine alleinerziehende Mutter finanziell zu unterstützen. Zunächst im Gartenbau, dann in einem Getränkemarkt. Er sagt, mit 18 wurde er stellvertretender Marktleiter - neben der Schule.

[00:03:16] Kilian Ich war dann sehr selbstständig, hatte mein eigenes Geld, musste aber auch - und das war eine der schwersten Zeiten mit 17 - 170 Euro Miete zahlen an meine Mutter. Ich musste schon auch mitverdienen, damit wir uns unser Leben finanzieren können. Das geht natürlich von der Zeit ab, die man dann irgendwie für die Schule lernen könnte.

[00:03:33] Sandra Sperber Haben Sie manchmal andere Kinder beneidet, wo die Eltern beide arbeiten gingen, die schön in den Urlaub gefahren sind, wo Geld nie ein Thema war?

[00:03:40] Kilian Absolut. Das hat mich begleitet ab dem Zeitpunkt, wo ich 15 war ungefähr. Ich war in Gruppenstunden von der Katholischen Studierenden Jugend und das waren meistens Kinder von Eltern, die relativ wohlhabend waren. Die meisten haben im Haus gelebt, die hatten tolle Urlaube, schicke Schuhe und so weiter. Ich hatte das halt nicht. Ich habe da immer einen Unterschied gesehen, aber immer so eine Art Differenz, aber auch was das Lebensgefühl betrifft. Bei mir war da immer so eine Art Sorge, bei den anderen war das halt einfach gar nicht vorhanden. Sie konnten sich auf die Schule konzentrieren, das war alles kein Problem.

[00:04:15] Sandra Sperber Können Sie sich erklären, woran das liegt, dass Kinder aus armen Verhältnissen viel seltener als andere Kinder auf der Uni landen?

[00:04:23] Kilian Ich denke, das hat eine ganz starke subjektive Komponente. Das Gefühl "die da oben." Ich denke, das ist etwas, womit das arme Kind so eine Abneigung dagegen vielleicht entwickelt und sagt: "Ich gehöre da nicht dazu und es sind die da oben, aber ich bin hier unten." Das ist eine Identifizierungsfrage. Und das, denke ich, hat auch die Komponente, dass da auch im Elternhaus etwas vermittelt werden muss. Das Wissen zu erlangen, das es was Schönes sein kann, dass es Spaß machen kann, Wissen zu erlangen.

[00:04:51] Sandra Sperber Kilians Eltern fehlt oft die Zeit, um den Sohn zu fördern. Sie fragen zwar, ob er seine Hausaufgaben gemacht hat, aber wirklich unterstützen können sie ihn im Teenageralter nicht.

[00:05:01] Kilian In dem Alter habe ich dann halt mein Ding gemacht. Ich habe dann angefangen, in einer Punk-Rock-Band zu spielen, habe sehr viel Zeit mit meinen Freunden verbracht, ich glaube sehr viel Alkohol getrunken in der Zeit auch. Es gab dann einen Punkt - das war die neunte Klasse, mein Großvater war einer der wenigen, die in meiner Familie studiert haben. Der hat zu mir am Sterbebett gesagt, ich soll studieren gehen und die Tradition der Mayers fortführen. Und das ist hängen geblieben. Das hat mich total geprägt. Ich habe dann die neunte Klasse freiwillig wiederholt, dann die Realschule relativ okay abgeschlossen, bin auf die Fachoberschule gegangen.

[00:05:34] Sandra Sperber Trotz Geldsorgen schafft Kilian sein Fachabitur. Mit 20 beginnt er ein Biotechnologie-Studium, für das er zunächst 600 Euro BAföG-Unterstützung bekommt. Formell hat er damit den Aufstieg geschafft, der so wenigen Kindern aus sozial schwachen Elternhäusern gelingt und trotzdem bleibt das Gefühl, dass er schlechtere Voraussetzungen hat und mehr kämpfen muss als viele seiner Kommilitonen aus Akademikerfamilien.

[00:05:59] Kilian Ich denke mal, dass Eltern, die selber Bildungsbürger sind, dass ihre Kinder natürlich ganz anders an Probleme heranführen, auch schon einer frühen Kindheit. Davon profitiert dann das Kind oder der Jugendliche und geht mit einer anderen Erfahrung ins Studium als jemand, der wie ich erst mal lernen musste, zu lernen, zum Beispiel wie man sich irgendwelche Sachverhalte, komplexere Sachen beibringt. Also da bin ich wirklich blank eigentlich in Studium gegangen.

[00:06:22] Sandra Sperber Wir hören später nochmal von Kilian, wie es für ihn weitergegangen ist und was den Druck im Studium so erhöht hat, dass er daran fast gescheitert wäre. Nach der persönlichen Geschichte interessiert mich aber auch die wissenschaftliche Sicht auf die Frage, warum Kinder aus armen Familien in Deutschland so viel schlechtere Chancen haben. Ich bin darum nach Erfurt gefahren, um dort Marcel Helbig zu treffen. Hallo, Sandra Sperber, SPIEGEL ONLINE. Er forscht zum Thema Bildung und soziale Ungleichheit an der Universität Erfurt und am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Herr Helbig, unser Hörer Kilian beschreibt, dass er sich oft ganz anders gefühlt hat, als die Akademikerkinder in seinem Freundeskreis, dass er am Gymnasium oft das Gefühl hatte, er gehört da nicht richtig hin. Was sagen Sie aus Sicht eines Forschers, der sich mit dem Thema beschäftigt, welche Rolle spielt Herkunft im deutschen Bildungssystem?

[00:07:17] Marcel Helbig Leider spielt die immer noch eine ziemlich große Rolle und das ist aber auch nicht zu verengen irgendwie auf nur Gymnasium oder nur Studium. Es fängt, denke ich, viel, viel früher an und wenn wir uns die wenigen Forschungsergebnisse, die es gibt, uns schon anschauen - allein Sprach- und Kompetenzunterschiede am Ende der Kita-Zeit - da sehen wir, dass die Unterschiede der sozialen Gruppen schon zu diesem Zeitpunkt extrem groß ausgeprägt sind und sich das eigentlich über die Schulzeit weder in die eine oder andere Richtung verändert, sondern dass es relativ konstant bleibt. Und noch größer wird der Unterschied spätestens, wenn es ins Studium geht, wo man eigentlich mit seinem normalen Arbeiter-Habitus vielleicht gar nicht mehr so gut reinpasset in die ganze Geschichte.

[00:07:55] Sandra Sperber Wie steht denn Deutschland im internationalen Vergleich da? Ist das deutsche Bildungssystem besonders ungerecht, wenn man uns zum Beispiel mit anderen europäischen Ländern vergleicht?

[00:08:03] Marcel Helbig Da ist immer die Frage, was guckt man sich an. Es wird ja ganz oft "PISA" zitiert und wenn man sich PISA dann anschaut - seit dem ersten PISA-Schock, der PISA-Studie von 2000, war dann das Ergebnis, dass die Kompetenzen der Schüler sehr stark von dem Bildungshintergrund und vom sozialen Hintergrund der Eltern abhängen.

[00:08:18] Einspieler Ein Schock für die Bildungspolitiker: Deutsche Schüler stehen im internationalen Leistungsvergleich ganz unten.

[00:08:23] Einspieler Das waren noch Zeiten, als PISA nur das Symbol für einen schiefen Turm war.

[00:08:30] Einspieler Nirgendwo sonst ist die Schere zwischen guten und schlechten Schülern so groß. Die Kinder werden zu spät eingeschult und zu wenig gefordert.

[00:08:37] Einspieler Doch der Schreck durch diese Studie sitzt so tief, dass man hoffen kann, dass die notwendigen Reformen jetzt zügig angegangen werden.

[00:08:43] Marcel Helbig Man kann sagen, ja, bei uns ist vor allem die Selektion am Übergang auf die weiterführenden Schulen, wo dann sich auch weiter die Kompetenz Unterschiede vertiefen, weil auf dem Gymnasium ist es tatsächlich so, dass die Entwicklung der Schüler dort eine bessere ist, als auf den anderen Schulen. Natürlich kommen auch wieder die Kinder aus den höheren Schichten eher zum Studium, aber das war jetzt im internationalen Vergleich, glaube ich, nicht noch mal der Punkt, wo es sich noch mal extrem auseinanderentwickelt hat. Hier muss man, glaube ich, etwas früher gucken.

[00:09:09] Sandra Sperber Sie haben es schon angesprochen: Im Jahr 2000 gab's die erste PISA-Studie und da hat man festgestellt, neben dem großen PISA-Schock, dass Deutschland doch nicht so weit vorne ist - dass auch die Herkunft wie kaum in einem anderen Land eine Rolle spielt in Deutschland. Wie hat da die Politik reagiert?

[00:09:27] Marcel Helbig Alarmiert hat sie reagiert. Man wusste ja erstmal nicht so richtig, woran das liegt, weil das ja auch mit dem Selbstbild, was wir in Deutschland hatten zu dieser Zeit, überhaupt nicht zusammengepasst hat. Wenn man sich so anschaut, was für Reformen passiert sind, dann hat man eher solche Dinge, die dann doch nicht so richtig gelaufen sind, wie zum Beispiel G8/G9- Reformen.

[00:09:44] Sandra Sperber Also viel experimentiert seitdem.

[00:09:47] Marcel Helbig Viel experimentiert.

[00:09:47] Sandra Sperber Hat die Politik in Sachen Chancengleichheit da angemessen reagiert und das Thema wirklich ernst genommen?

[00:09:54] Marcel Helbig Vielleicht im Kopf ernst genommen, aber in der Konsequenz, was man dann wirklich umgesetzt hat und was man verändert hat, ist es relativ wenig zu finden.

[00:10:02] Angela Merkel (CDU) Es sollte schon komplette Chancengleichheit geben. Kinder kommen natürlich mit unterschiedlichen Voraussetzungen in die verschiedenen Bildungseinrichtungen. Aber wir sollten die Angebote so ausgestalten, dass jedes Kind mitgenommen wird und jedes Kind auch das Potenzial, was in ihm angelegt ist, seine Stärken, wirklich entwickeln kann.

[00:10:23] Marcel Helbig Der Bereich der frühkindlichen Erziehung, das ist natürlich ein wichtiger Aspekt, der passiert ist mit dem Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, dass man da ein kleines Stück in die richtige Richtung bewegt hat. Aber insgesamt fehlt mir wirklich ein großes tolles Beispiel, wo ich sagen würde, nach PISA hat man das und das gemacht und damit wurde dann alles irgendwie besser.

[00:10:42] Sandra Sperber Was würden Sie sagen als Bildungsforscher, was ist das wichtigste Element in der Schullaufbahn. Wo muss man ansetzen, wo muss man mehr investieren, damit in Deutschland wirklich alle die gleichen Chancen haben?

[00:10:52] Marcel Helbig Der erste wichtige Aspekt, den mittlerweile auch, glaube ich, alle begriffen haben, dass wir viel eher im Bildungssystem ansetzen müssen und nicht erst mit Beginn [der] erste[n] Klasse, sondern dass eigentlich viel mehr im Bereich Kita geschehen muss, um auch Erfahrungswelt ein Stück weit auszugleichen, die man von zu Hause mitbekommt.

[00:11:09] Sandra Sperber Ich habe die SPD-Bundesfamilienministerin Franziska Giffey kürzlich gefragt, was ihr Plan ist, um mehr Chancengleichheit, mehr Chancengerechtigkeit zu ermöglichen. Was muss sich ändern, damit man unabhängig vom Geldbeutel der Eltern Bildungserfolge sieht?

[00:11:24] Franziska Giffey (SPD) Die Kinder, die im sozialen Brennpunkt aufwachsen oder in schwierigen sozialen Verhältnissen, die sind ja nicht dümmer geboren oder weniger talentiert, sondern sie sind häufig nicht ausreichend gefördert und wir sehen es immer da, wo Kinder früher in die Sprachförderung der Kita kommen, wo ihnen vorgelesen wird, wo auch ein Stück weit geleistet wird, was Eltern manchmal nicht können, da haben diese Kinder bessere Chancen. Und nur wenn wir da investieren, dann würde sich das verbessern und deshalb gibt's auch eben nicht die eine Antwort, sondern es muss an allen, an vielen Stellen sich bemüht werden.

[00:11:55] Marcel Helbig Da hat's jemand begriffen. Erster Punkt ist ganz klar der Aspekt Kita und wie Kita-Betreuungsquote insgesamt sind und es ist auch selbst mit Rechtsanspruch ist es immer noch so, dass die Kinder aus den unteren Schichten seltener in die Kita besuchen, als die aus den höheren oder mittleren Schichten. Das sehen wir in West- wie in Ostdeutschland nach wie vor diesen Aspekt. Dann kommen wir in die Schule, da sind ja eigentlich nach fünf bis sechs Stunden Schule ist die auch wieder vorbei und man kommt in sein normales Umfeld. Da haben wir im Osten viel stärker natürlich noch die Hortbetreuung. Und somit ist eigentlich auch der Platz, den Schule hat im Hinblick auf mehr Gerechtigkeit im Schulsystem, auch nur eine ganz kleine Wirkfläche, nämlich in der Schulzeit, in den fünf oder sechs Stunden und alles was danach passiert, das Erlernen eines Instruments und, und, und - ich glaube, da muss als nächster Schritt Ganztagsbeschulung ein Stück weit her, auch wenn man dann sieht, wie groß die Probleme auch gerade sind, genügend Schulplätze für die jetzt überhaupt vorhandenen Schüler da zu haben. Und dann kommt der große Punkt, der immer wichtig ist, der auch ideologisch immer sehr, sehr stark diskutiert wird, die Frage: Wann trenne ich denn meine Kinder in die guten, die aufs Gymnasium gehen und die weniger guten oder die praktisch Begabten, wie es früher noch geheißen hat, die eben nicht aufs Gymnasium gehen. Und da ist es so, dass wir kein anderes Land haben, was so früh trennt. An dieser Stelle bauen sich die größten sozialen Ungleichheiten auf.

[00:13:12] Sandra Sperber Also die Selektion nach der Grundschule und ich glaube, in den allermeisten Bundesländern bedeutet das nach der vierten Klasse, wenn die Kinder ungefähr zehn Jahre alt sind, wird selektiert: Du gehst aufs Gymnasium, du auf die Realschule und du auf die Hauptschule oder wie auch immer sie jetzt heißt. Das heißt, von wissenschaftlicher Sicht aus wäre es eigentlich klug, die Kinder länger zusammen zu lassen, das fördert die Chancengleichheit.

[00:13:31] Marcel Helbig Nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht, sondern wenn man einfach mal darüber nachdenkt, dass ich einem Kind mit zehn Jahren schon sage: "Hey, du bist mal fähig, mit 18 oder 19 das Abitur zu machen."

[00:13:40] Sandra Sperber Das ist ja auch eine Entscheidung fürs Leben oft, die an der Stelle getroffen wird.

[00:13:43] Marcel Helbig Oftmals wird ja immer gesagt: "Och, die können doch das Abitur irgendwo nachholen, die können das über das berufliche Gymnasium machen, die können die Fachhochschulreife nachholen und, und, und" und dabei werden mindestens drei Aspekte total vergessen. Nummer eins: Dass das Gymnasium an sich erst mal ein Entwicklungsmilieu bietet, das selbst für die Nicht-so-Starken bessere Kompetenzzuwächse bringt. Zum Zweiten aber auch solche Aspekte wie das vorhin thematisierte Auslandsaufenthalte. Wenn Kinder in Gymnasien sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die einen Auslandsaufenthalt machen, mehr als viermal so hoch als wenn die nicht am Gymnasium sind. Und drittens wenn wir uns anschauen, wie viele Kinder denn tatsächlich mit einem Abitur zum Studium gehen, dann sieht man immer, dass vom Gymnasium vergleichbare Kinder eher das Studium beginnen, als wenn die in einem Milieu, nämlich in einer Gesamtschule oder auf einem beruflichen Gymnasium gewesen sind, wo das eben nicht das Normale ist. Somit profitieren auch Arbeiterkinder, wenn sie auf dem Gymnasium sind, durch ihr Umfeld ein Stück weit noch mit.

[00:14:43] Sandra Sperber Also länger gemeinsames Lernen macht Sinn, aber jetzt kommen die Eltern ins Spiel. Wer es sich leisten kann, wirkt dagegen mit Privatschulen, die möglichst verhindern, dass die Grundschule verlängert wird.

[00:14:52] Marcel Helbig Privatschulen sind vor allem ein großes Problem mittlerweile im Grundschulbereich. Vor allem da sehen wir alles, was wir so erwarten. Die soziale Spaltung ist viel größer in den Grundschulen und man hat dann eine viel sozial bessergestellte Klientel in den privaten Grundschulen in fast allen Städten.

[00:15:06] Einspieler Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder mittlerweile in private Grundschulen, weil sie dem staatlichen Bildungssystem nicht mehr vertrauen.

[00:15:13] Einspieler Schon jetzt gibt es in Deutschland über 5600 Privatschulen und 250 Internate. Damit haben fast eine Million Schüler das normale Schulsystem verlassen.

[00:15:24] Einspieler Das Problem ist nur: solche Schulen kosten eine ganze Menge Geld und das kann sich eben nicht jeder leisten. Die soziale Spaltung nimmt dadurch immer weiter zu.

[00:15:33] Marcel Helbig Und das alles zusammengenommen führt in dem Grundschulbereich vor allem zu einer großen Spaltung. Für die Gymnasien - natürlich gibt es dann noch die absoluten Elitegymnasien, wo du ein paar Euro mehr bezahlst - aber da ist auch die soziale Zusammensetzung, soweit wir das sehen und auch andere Studien gezeigt haben, die ist gar nicht so krass unterschiedlich von den öffentlichen Gymnasien. Ich glaube, die öffentlichen Gymnasien haben auch im Blick der Eltern alle noch ein relativ hohes Ansehen und es ist eher in dem frühen Bereich, wo man sich irgendwie abspalten will.

[00:16:00] Sandra Sperber Inwiefern spielt im deutschen Bildungssystem auch noch dieses Ideal, vor allem westdeutsche Ideal der Hausfrau oder der guten Familie, die sich so kümmert, eine Rolle. Schreckt man davor zurück, konsequenter auf Ganztagsschulen, auf Kita-Ausbau zu setzen, weil man sagt, das ist eigentlich die Aufgabe der Eltern, den Kindern einen ordentlichen Hintergrund zu vermitteln?

[00:16:19] Marcel Helbig Wenn man mal im Vergleich die Anteile von Schulen, die Ganztagsbetrieb bereitstellen, zum Beispiel zwischen Brandenburg und Bayern vergleicht, dann ist der Unterschied gar nicht groß. Das Problem ist dabei - und da sind wir da, was Sie ansprechen, das gesellschaftliche Bild, wie eigentlich auch Bildung und Erziehung von Kindern in vor allem Westdeutschland funktioniert. Wenn man in Bayern die Kinder nicht dazu zwingt, in eine gebundene Ganztagsschule zu gehen, dann gehen die nur in ganz kleinen Prozentsätzen tatsächlich zur Ganztagsschule und in Brandenburg muss man das aber niemandem sagen. Da gehen sie selbstverständlich in den Hort beziehungsweise nehmen die Ganztagsschulangebote auch wahr. Man sieht das immer noch fortwirkend, dass es da kulturelle Unterschiede gibt. Ich meine, woher soll denn das kommen? Soll die CSU auf einmal beschließen für Bayern, dass es nur noch gebundene Ganztagsschulen gibt? Das wäre ein riesen Wurf, also gar keine Frage und es wäre auch beeindruckend.

[00:17:09] Sandra Sperber Für die Chancengleichheit, sagen Sie, wäre es ein riesen Wurf.

[00:17:10] Marcel Helbig Genau. Wenn man das unterfüttert mit natürlich den qualitativen Bedingungen an den Schulen. So könnte es ein riesen Wurf sein.

[00:17:16] Angela Merkel (CDU) Wir wissen alle, dass die Menschen die wichtigste Quelle unseres Wohlstands sind und unser gemeinsames Ziel ist, dass jeder ein Recht auf einen Einstieg und auf Aufstieg hat. Das zu leisten ist die Aufgabe, vor der unser Bildungssystem steht. Es gibt das gemeinsame Ziel, das uns eint und das heißt, Wohlstand für alle heißt heute Bildung für alle.

[00:17:42] Sandra Sperber Schauen wir auf die Hochschule. Da gibt es auch Zahlen, dass aus Akademikerhaushalten 79 Prozent der Kinder später selbst studieren. Bei den Kindern, bei denen nicht mindestens einer der Eltern studiert hat, sind es nur 24 Prozent. Ist das dann das Ergebnis dieser Bildungspolitik?

[00:17:59] Marcel Helbig Punkt eins dazu ist erstmal: Das alles immer nur auf Bildungspolitik zurückzuführen, das engt das total ein. Und auch immer der Schule die Verantwortung zu geben, dass sie daran schuld ist. Ich glaube, dass sehen wir insgesamt. Diese Zahlen die sind so konstant über die letzten zehn, 15 Jahre geblieben, was man daraus ablesen kann. Irgendwie kommt es nicht an, diese ganze bildungspolitischen Maßnahmen, die man jetzt getan hat oder eben auch nicht getan hat. Das problematische ist parallel dazu, dass wir uns als Gesellschaft insgesamt auseinanderentwickeln. Das kriegt man nicht allein über bildungspolitische Maßnahmen in den Griff, sondern da ist ganz stark Sozialpolitik, Wohnungsbaupolitik gefordert, die es einfach vermeiden müssen, dass wir von Brennpunktschulen überhaupt reden. Das ist ja das große Problem, dass wir mittlerweile Schulen haben, wo 70, 80 Prozent aller Kinder von Hartz-IV-Leistungen leben, wohingegen wir andere Schulen haben, wo kein einziges Kind diesen Hintergrund hat und dass das natürlich zu riesigen Ungleichheiten dann am Ende des Bildungsverlaufs führt, das nichts mit Bildungspolitik zu tun hat, sondern einfach nur mit anderen Politikfeldern.

[00:18:58] Sandra Sperber Also da spielt Städtebau mit rein, Sozialpolitik.

[00:19:01] Marcel Helbig Absolut. Das hat natürlich damit zu tun, oft in den westdeutschen Städten sehr stark mit Migrationshintergrund verknüpft, in ostdeutschen Städten auch immer mehr. Da kommen erst mal in der Schule deutlich schlechtere Kompetenzen an, allein in dem Bereich Sprache. Ein Beispiel: [Die] Einschulungsuntersuchung aus Berlin zeigt für den Bereich Gesundbrunnen: 60 Prozent aller Kinder haben keine ausreichenden Sprachkenntnisse für den Schulbesuch.

[00:19:21] Sandra Sperber Gesundbrunnen ist ein Viertel mit hohem Migrantenanteil.

[00:19:23] Marcel Helbig Im Wedding, genau. Aber wir sehen das auch in Hellersdorf, ostdeutsches Plattenbaugebiet, wo wir bei 40 Prozent, was das angeht, liegen. Das trifft eben einige Schulen extrem geballt und andere eben gar nicht und das nur auf Schulpolitik herunterzubrechen, wo die Problemlagen eigentlich ganz woanders sitzen, das ist schwierig.

[00:19:42] Sandra Sperber Das klingt jetzt aber von einem Bildungsforscher auch sehr resignierend, als könnte man da fast gar nichts machen.

[00:19:50] Marcel Helbig Da gibt es viele, die nach wie vor glauben, dass ein Lehrer, egal was vor ihm ist, mit der richtigen Pädagogik das nur alles in den Griff kriegen könnte und das ist aus meiner Sicht komplett falsch.

[00:20:00] Sandra Sperber Zum Abschluss: Angela Merkel hatte das vorhin in dem O-Ton vom Dresdner Bildungsgipfel gesagt, Aufstieg ist auch ein Wohlstandsversprechen. Die Möglichkeit soll jeder haben.

[00:20:09] Angela Merkel (CDU) Bildung als der Schlüssel für Wohlstand im 21. Jahrhundert und ein qualitativ neuer Schritt hin zur Bildungsrepublik, bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts. Das ist die gute Nachricht von heute. Es bleibt noch viel zu tun, aber wir haben heute auch viel geschafft.

[00:20:24] Sandra Sperber Wenn das aber so nachweislich seit Jahren nicht klappt und sich in Sachen Chancengerechtigkeit nichts ändert in Deutschland, was bedeutet das langfristig für ein Land, wo wir über Fachkräftemangel reden, wo wir über demografischen Wandel reden, das immer älter wird, wo wir wirklich eigentlich jeden jungen Menschen brauchen?

[00:20:41] Marcel Helbig Ja, da fehlen am Ende Arbeitskräfte. Es ist ja nicht so, dass in politischen Reden nicht erkannt wird, dass da ein Problem am Horizont aufzieht, vor allem in den sozial benachteiligten Lagen, aber die letzte Konsequenz und dieses extreme Fördern, dass was Frau Giffey da auch gesagt hat in diesen Bereichen, die geht man da auch nicht wirklich an der Stelle. Eigentlich sind wir darauf angewiesen, dass da mehr passieren müsste und dass wir mehr aus diesen Gebieten auch an fähigen Fachkräften herausziehen, aber eben nicht immer nur aus dieser Wirtschaftsdenke, sondern vor allem auch, damit Leute überhaupt mitdenken, mitreden können. Wenn wir uns angucken, allein was die Wahlbeteiligung in diesen Gebieten angeht, ist es desaströs. Da braucht es Anstrengungen, um da wieder einen Kulturwandel ein Stück weit hinzubekommen.

[00:21:23] Sandra Sperber Vielen Dank, Herr Helbig.

[00:21:24] Marcel Helbig Bitte.

[00:21:26] Sandra Sperber Zurück zu Kilian, dem "Stimmenfang"-Hörer, der uns eine E-Mail geschrieben hat, weil er das Gefühl hatte, der Staat lässt Schüler und Studenten, die wie er aus ärmeren Familien kommen, im Stich. Zunächst hatte er sein Bachelorstudium vor allem mit BAföG finanziert.

[00:21:40] Kilian Biotechnologie ist ein schwerer Studiengang. Man braucht viel Zeit, gerade wenn man mit so schlechten Voraussetzungen wie ich, mit einem Fachabitur im Sozialzweig so ein naturwissenschaftliches Fach anfängt zu studieren und das habe ich zu spüren bekommen. Ich konnte den Leistungsnachweis nicht bringen. Ab dem Zeitpunkt habe ich dann auch kein BAföG mehr bekommen und es war für mich ein Zeichen von "Du bist es nicht wert, finanziert zu werden. Wir wollen nicht, dass du studierst." So habe ich das irgendwie zu dem Zeitpunkt natürlich sehr subjektiv irgendwo aufgefasst und da hätte ich mir mehr Wertschätzung gewünscht. Da haben auch für mich Schwierigkeiten begonnen, weil ich neben dem Studium noch zwei Jobs hatte, die mich sowohl am Wochenende als auch unter der Woche beschäftigt haben. Das Studium war schon Montag bis Freitag 8 bis 15 Uhr. Das hat man schon gemerkt, dass die Zeit einem fehlt zum Lernen.

[00:22:29] Sandra Sperber Kilian stürzt sich in die Arbeit. Gleichzeitig kämpft er mit Abgabefristen und der Angst vor der nächsten Matheprüfung.

[00:22:35] Kilian Ein Fehler und ich wäre vielleicht raus gewesen. Und das hat letztendlich dazu geführt, dass ich so eine Art - ich will jetzt nicht sagen Zusammenbruch hatte, aber ich hatte Suizidgedanken zu der Zeit ganz stark und es hat zu einer Situation geführt, in der ich handlungsunfähig war. Ich saß am Schreibtisch und ich konnte mich für nichts entscheiden und das hat dann dazu geführt, dass ich gemerkt habe, ich brauche eine Pause. Es ist jetzt zu viel geworden.

[00:23:04] Sandra Sperber Kilian sucht sich in dieser Situation professionelle Hilfe. Nach einem halben Jahr geht es ihm besser und er schafft den Bachelor-Abschluss. Für sein anschließendes Masterstudium bewirbt er sich um eine sogenannte Studienkooperation. Das heißt, ein Pharma-Konzern unterstützt ihn finanziell. Dafür arbeitet Kilian dort in der vorlesungsfreien Zeit. Und inzwischen hat er auch den Masterstudiengang erfolgreich abgeschlossen. Als wir uns zum Interview treffen, ist er kurz davor, seinen ersten Vollzeitjob anzutreten.

[00:23:32] Sandra Sperber Ist das jetzt auch eine Erleichterung, endlich einen Job, endlich jetzt wirklich keine finanziellen Sorgen mehr zu haben?

[00:23:37] Kilian Ich sehe mich am Bankautomaten mein erstes Gehalt sehen und ich glaube, ich werde eine große Krokodilsträne verdrücken, weil nach so einer langen Zeit dann endlich ein bisschen mehr Geld im Geldbeutel zu haben ist wahnsinnig viel wert. Es gibt eine Art Sorglosigkeit und Sicherheit und eine Zuversicht, so das Gefühl, man hat etwas richtig gemacht und mal was fertiggemacht und das ist gut so.

[00:24:05] Sandra Sperber Ich habe Kilian vor kurzem noch mal gefragt, wie es nun läuft im neuen Job als Protein-Analytiker. Er schreibt, dass er glücklich ist, sein Wissen aus dem Studium nun endlich in der Praxis anwenden zu können. Er jedenfalls hat seine Chance genutzt und sich seinen Traum erfüllt, obwohl er rein statistisch nicht mit den gleichen Bildungschancen wie ein Akademikerkind gestartet ist. Das war "Stimmenfang", der Politik-Podcast von SPIEGEL ONLINE. Die nächste "Stimmenfang"-Folge hören Sie wie immer kommenden Donnerstag auf SPIEGEL ONLINE, Spotify und in Ihrer Lieblingspodcast-App. Wenn Sie uns schreiben möchten, dann erreicht uns Ihr Feedback per Mail an stimmenfang@spiegel.de oder Sie nutzen unsere Mailbox unter 040 38080400. Das ist auch die gleiche Nummer, an die Sie uns eine WhatsApp-Sprachnachricht schicken können: 040 38080400. Diese Folge wurde produziert von Yasemin Yüksel und mir, Sandra Sperber. Danke für die Unterstützung an Johannes Kückens, Wiebke Rasmussen, Thorsten Rejzek, Matthias Streitz und Philipp Wittrock. Die "Stimmenfang"-Musik kommt von Davide Russo.

Wie abonniere ich den Podcast?

Sie finden "Stimmenfang - der Politik-Podcast" jeden Donnerstag auf SPIEGEL ONLINE (einfach oben auf den roten Play-Button drücken) und auf Podcast-Plattformen wie iTunes, Google Podcasts, Spotify, Deezer oder Soundcloud. Unterwegs, auf dem Weg zur Arbeit, beim Sport: Sie können unser neues Audioformat hören, wo Sie wollen und wann Sie wollen. Abonnieren Sie unseren kostenlosen Podcast "Stimmenfang", um keine Folge zu verpassen.

Sie können "Stimmenfang" entweder über den Player in diesem Artikel hören oder ihn herunterladen auf Ihr Smartphone, Tablet oder Ihren Computer. So können Sie ihn jederzeit abspielen - selbst wenn Sie offline sind.

Falls Sie diesen Text auf einem iPhone oder iPad lesen, klicken Sie hier, um direkt in die Podcast-App zu gelangen. Klicken Sie auf den Abonnieren-Button, um gratis jede Woche eine neue Folge direkt auf Ihr Gerät zu bekommen.

Falls Sie ein Android-Gerät nutzen, können Sie "Stimmenfang" auf Google Podcasts hören oder sich eine Podcast-App wie Podcast Addict, Pocket Casts oder andere herunterladen und dort "Stimmenfang" zu Ihren Abonnements hinzufügen.

Sie können Stimmenfang auch mit Ihren Alexa-Geräten hören. Installieren Sie dafür einfach die Stimmenfang-Alexa-App.



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dsktchef 02.05.2019
1. Es liegt also NICHT primär am Geld
Eltern, die selbst studiert haben, können ihren Kindern das Thema Bildung besser nahebringen. Analytisches Denken, Durchhaltevermögen... Diese Eltern könnten sich Nachhilfelehrer leisten, brauchen dies aber oft nicht, da sie selbst Mathe, Latein, englisch, Französisch, Naturwissenschaften, Geschichte usw beherrschen bzw sich da einarbeiten können. Ganztagsschule: Ein großer Murks, das in der Breite zu wollen. Kinder können viel mehr lernen, wenn der Staat die Finger weglässt. Pfadfinder, Sportverein, Musikschule, im Wald spielen, alles nicht möglich bei Ganztagsschulen. Wer Spaß daran hat, Leistung zu erbringen, wird erfolgreich sein. Das gezeigte Beispiel macht das dich deutlich. Und es zeigt auch, warum nur eine kleine Minderheit zum Studium fähig ist. Man muss Spaß daran haben, sich reinzuhängen.
Paddel2 02.05.2019
2. Was soll der Mist?
Ich komme auch aus armen Verhältnissen und habe studiert und promoviert. Wie das möglich war? Weil meine Eltern mich gefördert haben. Es braucht dafür keine teuren Musikstunden, Auslandsreisen oder Nachhilfelehrer sondern allein ein geordneter Rahmen zu Hause und der Fokus der Eltern. Es ist nicht die Gesellschaft die die Verantwortung trägt. Andernfalls müsste man Kindern ihren Eltern wegnehmen und in Internate stecken. Akzeptiert, dass Familien unterschiedlich sind. Wenn Eltern sich einen Dreck um die Bildung kümmern, kann der Staat nicht viel machen.
wago 02.05.2019
3. Wenn Kindern in der Schule entsprechend gefördert werden, brauchen,
brauchen sie keine Akademikereltern. Ich habe das auch geschafft, obwohl mein Vater fast Analphabetiker war. Allerdings war es schon verdammt schwer.
andre_36 02.05.2019
4.
Die finanziellen Mittel spielen erst dann eine Rolle, wenn jemand versucht, sich auf dem zweiten Bildungsweg einen Abschluss zu erkämpfen. Wer einmal auf Hilfsarbeiter-Jobs festgelegt wurde, den lässt man dort nicht so leicht herauskommen. Die Frage stellt sich nach dem gesellschaftlichem Nutzen, warum Arbeitslosen die Unterstützung verweigert wird, wenn sie sich schulisch weiterbilden wollen. Ohne Abschluss liegen sie dem Staat teilweise Jahre lang auf den Steuern.
nordwega 02.05.2019
5. palimpalim
Kommilitonen fuhren in den Semesterferien mit den Eltern ans Meer oder machten Sprachkurse in Spanien, während man selbst neben den Hausarbeiten und Lernen in den Semesterferien natürlich noch einen Vollzeitferienjob hatte, um Studiengebühren und nicht ausreichendes Voll-Bafög zu finanzieren. Und sicherlich haben auch die Noten unter der Vielfachbelastung gelitten. Geld hatte immer gefehlt, da nutzt auch nichts der gute Wille bildungsferner und finanzschwacher Eltern, Herr/Frau promovierter Paddel. Sie hatten einfach Glück. Richtige Unterstützung kann vieles ermöglichen. Aber vielfach schwierig finde ich im Nachhinein eher die gesellschaftliche bzw berufliche Geringschätzung dieses Werdegangs.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.