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Stefan Kuzmany

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Stefan Kuzmany
Eine Kolumne von Stefan Kuzmany
Nach dem Video von Xavier Naidoo planen nun auch weitere Prominente das Publikum milde zu stimmen.
aus DER SPIEGEL 17/2022
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Klaus-Dietmar Gabbert/ dpa

Nach dem Läuterungsvideo von Xavier Naidoo planen nun auch weitere vom rechten Weg abgekommene Prominente, das Publikum mit Bekenntnissen zur Umkehr milde zu stimmen. Der Mannheimer Soulsänger war jahrelang durch homophobe, antisemitische und reichsbürgerliche Äußerungen aufgefallen, hat sich nun öffentlich für diese Ausfälle entschuldigt und damit einen medialen Überraschungscoup gelandet. Zu erwarten ist, dass dem Reuigen nun neue Plattenverträge und TV-Auftritte winken.

Diesem Beispiel wollen ähnlich Abgedriftete nun folgen, dem Vernehmen nach sind mehrere Entschuldigungsvideos in Arbeit, die demnächst veröffentlicht werden sollen: Der rechtsvegane Kochbuchautor Attila Hildmann plant eine Grundgesetz-Lesung und will sich bei nächster Gelegenheit als kommunaler Wahlhelfer engagieren. Der Verschwörungsideologe Ken Jebsen will sich persönlich an den Microsoft-Mitgründer Bill Gates wenden und Freiwilligendienste in dessen Stiftung leisten. Der Coronamaßnahmen-kritische Schauspieler Volker Bruch (»Babylon Berlin«) zeigt sich erschüttert von früheren Äußerungen und stellt sich als Darsteller für eine Impfkampagne des Gesundheitsministeriums zur Verfügung.

Sogar ein besonders starrsinniger Hardliner will sich nun der eigenen Vergangenheit stellen, seinen schwersten Fehler bekennen und damit wieder Aufnahme finden: Auch der Altkanzler Gerhard Schröder steht in Hannover für ein Umkehr-Video vor der Kamera. Es enthält ein spektakuläres Bekenntnis: Currywurst sei überschätzt. Ab sofort lebe er vegan.

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