Höcke will der Türkei den Islam verbieten, sobald die AfD "an der Macht" ist

Foto: dpa/Martin Schutt

Dieser Beitrag wurde am 28.01.2018 auf bento.de veröffentlicht.

Für den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke gibt es kaum etwas Schlimmeres als den Islam. Von der Religion fühlt er sich mittlerweile derart bedroht, dass er nach einer Machtübernahme der AfD in Deutschland auch vor der Türkei nicht haltmachen will. Den Islam wolle er dem Land dann verbieten. Oder zumindest die Ausbreitung des Islams über den asiatischen Teil der Türkei hinaus.

 So suggeriert es zumindest eine Rede, die er vor Anhängern in Sachsen-Anhalt gehalten hat.

Höcke sagte, sobald die AfD die Macht bekomme, werde sie "die Direktive ausgeben, dass am Bosporus mit den drei großen M – Mohammed, Muezzin und Minarett – Schluss ist."

Die Rede  hatte Höcke bereits vergangenen Samstag in Eisleben im Rahmen einer "Bürgerversammlung"  gehalten, jetzt teilt sich der Ausschnitt im Netz. Höcke hatte auf Einladung des AfD Kreisverbandes Mansfeld-Südharz gesprochen. Mit ihm standen die lokalen AfD-Politiker Robert Farle und Martin Reichardt auf der Bühne. 

Knapp eine Stunde lang hat Höcke über den angeblichen Dualismus von Christentum und Islam gesprochen, außerdem über die Zukunft Europas. Muslime seien "unendlich weit" von Allah entfernt, behauptete Höcke – außerdem sei ihr Religionsstifter Mohammed ein Feldherr gewesen und daher seien die Muslime kriegsliebend. "Deswegen müssen wir den Islam als Bedrohung ernst nehmen", sagt Höcke.

Als Nächstes behauptet er, kein Feind des Islam und "tatsächlich tolerant" zu sein. Trotzdem gehöre der Islam nicht nach Europa. Daher empfiehlt Höcke den Kampf gegen die Religion. Konkret sagte er:

"Und deswegen ist auch klar, und dieses Selbstverständnis formulieren wir auch bereits in den Anträgen im Bundestag und in den Landtagen und auf den Demonstrationen: Das, was wir jetzt noch nicht durchsetzen können, weil wir nicht die Macht haben – aber wir werden die Macht bekommen – und dann werden wir das durchsetzen, was notwendig ist, damit wir unser freies Leben leben können. Dann werden wir die Direktive ausgeben, dass am Bosporus mit den drei großen M, Mohammed, Muezzin und Minarett, Schluss ist, liebe Freunde!"

Je nach Interpretation will Höcke damit den Islam am Bosporus verbieten. Oder verhindern, dass er über den Bosporus hinaus in Europa sichtbar wird. Beides klingt absurd. Und wie er als deutscher Politiker im Ausland durchsetzen will, erläuterte Höcke nicht. Dem Publikum war das egal: Es jubelte und klatschte ob der Allmachtsfantasien. 

Höcke gilt innerhalb der rechten AfD als besonders rechts. Er gehört dem völkischen Flügel an, eine Zeit lang hatte die Partei über einen Ausschluss Höckes diskutiert. Mittlerweile ist Höcke jedoch rehabilitiert, für viele gilt er als heimlicher Star in der Partei.

Im vergangenen Jahr hatte er eine Umkehr der deutschen Erinnerungskultur gefordert und das Mahnmal für die ermordeten Juden als Schande bezeichnet (bento). Höckes krude These: Die Erinnerung an den Holocaust würde die deutsche Identität unterdrücken. 

In anderen Reden hatte Höcke Begriffe aus der Nazi-Rassenlehre bemüht, um über einen angeblichen afrikanischen "Ausbreitungstyp" zu spekulieren.

Immer ruderte Höcke nach öffentlicher Kritik zurück – er sei falsch verstanden worden, habe Dinge nicht so gemeint wie gesagt. Wahrscheinlich wird das bald auch mit seiner "Türkei-Direktive" so sein.

Nachtrag: Wir haben im Einstieg noch mal nachgebessert, um deutlich zu machen, dass Höckes Aussagen verschiedentlich interpretiert werden können.

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