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21. Oktober 2016, 11:03 Uhr

Merkels BND-Reform

Spionage-Affäre bequem abgeräumt

Ein Kommentar von

Der Bundestag hat das umstrittene BND-Gesetz beschlossen. Für Angela Merkels Regierung ist die Zeit der Spionageskandale damit offiziell beendet. So schafft man kein Vertrauen in die Dienste.

Es scheint lange her zu sein, dass sich die Republik über ein belauschtes Kanzlerinnentelefon, geheime Selektorenlisten und angezapfte Unterseekabel aufregte. Dabei war die Lage noch 2015 ernst, auch für Angela Merkel. Vorwürfe, das Kanzleramt habe bezüglich eines angeblichen No-Spy-Deals mit den USA gelogen, trafen Merkel persönlich, kratzten an ihrer Glaubwürdigkeit, provozierten einen Koalitionskrach.

Zuvor hatten die Enthüllungen von Edward Snowden über das globale Spionagenetz die Beziehungen zwischen Europa und den USA erschüttert. Es stellte sich heraus, dass auch der deutsche Auslandsgeheimdienst BND in Spähskandale verwickelt war.

An diesem Freitag hat der Bundestag nun die größte BND-Reform aller Zeiten verabschiedet. Das Gesetz verpasst dem Dienst neue Regeln. Regeln, die für Transparenz und Klarheit sorgen, schwärmt die Große Koalition. Kritiker schimpfen: Das Gegenteil ist der Fall, frühere Rechtsbrüche werden für die Zukunft legitimiert. (Was im Detail im neuen Gesetz steht, lesen Sie hier .)

Versuch der Reinwaschung

Über die Stärken und Schwächen des Gesetzes kann man streiten, über die symbolische Wirkung nicht. Die BND-Reform wirkt wie ein Schlussstrich der Bundesregierung unter die Spähaffäre. Und Deutschlands beschämende Rolle darin wird gleich mit abgeräumt.

Seht her, will Merkels Regierung zeigen, wir haben aus dem Chaos, das unsere 6000-Mitarbeiter-Behörde und deren Aufsicht im Kanzleramt fabriziert hat, gelernt. Wir haben einen neuen BND-Präsidenten installiert und schaffen zusätzliche Gremien. Wir werden den Nachrichtendienst stärken und ihn gleichzeitig gründlicher kontrollieren.

Reicht das nicht?

Nein, das reicht nicht. Denn zentrale Vorgänge sind bis heute nicht aufgeklärt.

Schuld an der Unklarheit ist auch Merkel. Die Themen Überwachung und Spionage prägten ihre dritte Amtszeit mit, trotzdem reagierte sie oft nur dann, wenn der öffentliche Druck stieg. Zu oft wartete sie ab, bis sich die Sache von selbst erledigte und die Aufmerksamkeit nachließ.

Zwar betont sie, dass Europa auf US-Informationen angewiesen ist. Angesichts der Terrorgefahr ist das eine nachvollziehbare Haltung. Auch erwartet niemand eine Regierungserklärung über Datenknotenpunkte und den Einsatz von Radomen. Doch Merkel hätte wenigstens einmal ausführlich erklären müssen, wo exakt sie auf dem schmalen Grat zwischen Geheimdienstbefugnissen und Bürgerrechten steht.

Merkel trägt die politische Verantwortung dafür, dass die Bürger in die Arbeit der Nachrichtendienste vertrauen. Dazu gehört, dass man ehrlich über die Grenzen von Aufklärung und Risiken für Durchschnittsbürger spricht. Diese Gelegenheit hat Merkel nicht genutzt oder bewusst verpasst. Daran ändert auch ein 70-seitiges Gesetz nicht.

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