Geheimdienst-Überwachung Honecker, der "deutsche Chinese"

Der Bundesnachrichtendienst behielt Erich Honecker genau im Blick. Dies geht aus Geheimdienstakten hervor, die dem SPIEGEL vorliegen. So manches Überraschende findet sich darin über den früheren DDR-Chef.

DPA

Erich Honecker (1912-1994) hing zeitlebens der Ruf eines Apparatschiks und Langweilers an - nicht allerdings beim Bundesnachrichtendienst (BND).

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Heft 22/2015
Die fröhliche Fehlbarkeit des Papstes

1967 notierte der Geheimdienst, angeblich sei Honecker "nach Kriegsende oft nach West-Berlin gefahren, wo in Berlin-Grunewald Orgien veranstaltet wurden". Sechs Jahre später meldete der BND, der Kommunist nehme insgeheim "Schauspiel- und Sprachunterricht".

Seit 1950 hatten westdeutsche Agenten den langjährigen DDR-Chef im Visier. Das geht aus Akten zu Honecker hervor, die der BND auf Antrag des SPIEGEL freigegeben hat. Den Geheimdienstlern galt Honecker als "ein sehr harter Gegner des Westens", wenn auch "nicht so verschlagen" wie sein Vorgänger Walter Ulbricht.

(Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Über Jahrzehnte hinweg registrierten die Westdeutschen, wo Honecker beim Neujahrsempfang saß ("am Tisch von Walter Ulbricht"), seinen Urlaub verbrachte ("auf der Krim") und welche Ehrungen ihm zuteil wurden ("Großer Ehrenstern des Sozialistischen Äthiopiens"). Unter Diplomaten des Ostblocks trug Honecker nach BND-Erkenntnissen den Spitznamen "deutscher Chinese" - wohl eine Anspielung auf die hohen Wangenknochen und schmalen Augen des gebürtigen Saarländers.

Es ist jetzt das zweite Mal, dass der BND Akten zu Honecker freigibt (SPIEGEL 4/2012). Allerdings hält der Dienst noch immer Unterlagen zurück. Honecker ist zwar längst verstorben und die DDR vor Jahrzehnten untergegangen, doch der BND beruft sich für einige Papiere auf eine 30-Jahre-Sperrfrist. Manche Dokumente will der Geheimdienst sogar nie freigeben. Begründung: "Informantenschutz".

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insgesamt 57 Beiträge
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anettejazz 23.05.2015
1. Gähn...
... na das ist ja eine Überraschung, ein Geheimdienst späht andere Leute aus.
brille000 23.05.2015
2. Wow!
Das sind ja Erkenntnisse, die sowohl qualitativ als auch quantitativ diesem (unserem) Geheimdienst so recht entsprechen. Viel mehr kann man von diesen Superpfeifen auch nicht erwarten. Tolle Leistung, Genossen! ... ach nein, das waren ja die anderen, die diesbezüglich doch etwas mehr d'rauf hatten.
helle_birne 23.05.2015
3. Hohe Wangenknochen und
schmale Augenknochen kann ich bei Herrn Honecker nicht erkennen, allenfalls eine hohe Fistelstimme...
wermoe 23.05.2015
4. Die ollen Kamellen,
Da versucht der BND wohl beim naiven, tumben Volk zu punkten ? Ziemlich durchsichtig das ganze ! Der BND wusste weder über den Bau der Mauer, noch deren Fall Bescheid ...
Airkraft 23.05.2015
5. Da wäre...
Da wäre ich selbst nicht drauf gekommen - ehrlich!
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