Medienbericht BND soll CIA angeblich Hinweis auf Bin-Laden-Versteck gegeben haben

Mitten in der BND-Affäre verbreitet sich diese Nachricht: Der Bundesnachrichtendienst soll den Amerikanern einen entscheidenden Hinweis gegeben haben, der zur Ergreifung von Osama Bin Laden führte. Ist das plausibel?
Titelblätter zum Tod von Osama Bin Laden: Der Qaida-Chef wurde im Mai 2011 getötet

Titelblätter zum Tod von Osama Bin Laden: Der Qaida-Chef wurde im Mai 2011 getötet

Foto: Andy Rain/ dpa

Hat der deutsche Geheimdienst BND den Amerikanern bei der Ergreifung von Osama Bin Laden entscheidend geholfen? Das berichtet die "Bild am Sonntag" (BamS) unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise. Demnach soll ein Agent des Bundesnachrichtendienstes angeblich den Hinweis auf das Versteck des Terroristen in Pakistan gegeben haben.

Die Nachricht kommt zu einer Zeit, in der der BND erheblich in der Kritik steht: Der Dienst hat der amerikanischen NSA beim massenhaften Ausspionieren von Zielen in Deutschland und Europa geholfen, der Verdacht der Wirtschaftsspionage steht im Raum. Ausgerechnet jetzt verbreitet sich die Nachricht von der angeblichen Heldentat des BND im Fall Bin Laden. Kann man das glauben?

Laut "BamS" gibt es einen Insider in US-Geheimdienstkreisen, der die "grundsätzliche Bedeutung" des Bin-Laden-Hinweises der deutschen Kollegen betone und die Zusammenarbeit der Deutschen und Amerikaner in dem Fall lobe. "Es gibt eine Menge zu kritisieren an der Zusammenarbeit zwischen deutschen und US-Geheimdiensten", schreibt die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe . "Aber es gab durchaus auch Erfolge im Kampf gegen den Terror."

Bemerkenswert: Bislang war nie etwas von einer entscheidenden deutschen Rolle bei der Ergreifung Bin Ladens bekannt geworden. Im Gegenteil: Experten halten den BND in Pakistan für relativ ahnungslos, Erkenntnisse hat der Dienst dort fast nur über deutsche Dschihadisten.

Hinweis von pakistanisch-deutschem Doppelagenten?

Die offizielle Version der US-Regierung zur Tötung des Qaida-Chefs in der Nacht auf den 2. Mai 2011 besagt, dass ein Team von US-Navy-Seals per Hubschrauber von Afghanistan im Tiefflug nach Abbottabad eilte, einer Bergstadt etwa 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Islamabad. Dort seilten sich Soldaten ab und fanden Bin Laden in einer hoch ummauerten Villa.

Sie töteten den Terrorfürsten, nahmen den Leichnam mit und bestatteten den meistgesuchten Mann der Welt noch am selben Tag von einem Flugzeugträger aus im Arabischen Meer. Die pakistanische Regierung wurde - so die offizielle Version - über den Einsatz erst informiert, als die Helikopter schon in pakistanischen Luftraum eingedrungen waren.

Den Hinweis auf das Versteck haben die Amerikaner nach eigenen Angaben von Bin Ladens Kurier al-Kuwaiti bekommen. Die "BamS" hingegen berichtet nun: Der Hinweis zu Bin Ladens Aufenthaltsort sei damals von einem Agenten des pakistanischen Geheimdienstes Inter-Services Intelligence gekommen - und dieser Agent habe seit Jahren auch für den BND gearbeitet. Die Information des Doppelagenten soll dann an die USA weitergeleitet worden sein und habe einen - ohnehin bereits bestehenden - Verdacht der CIA erhärtet.

Bleibt die Frage: Warum hat der Doppelagent nicht direkt die Amerikaner informiert? In diesem Fall hätte er eine dicke Belohnung einstreichen können. Warum also sollte die Information erst an den - eher trägen, nicht übermäßig zahlungswilligen - BND gegangen sein?

Zweifel an der offiziellen Version im Fall Bin Laden gibt es immer wieder. Erst in der vergangenen Woche hatte Pulitzer-Preisträger Seymour M. Hersh die Darstellung des Weißen Hauses kritisiert - und eine eigene Theorie vorgelegt. In der "London Review of Books" schreibt Hersh, US-Präsident Barack Obama habe gelogen. Washington habe Islamabad viel früher in die geplante Aktion eingeweiht. Beweise legte er für seine Theorie nicht vor.

brk/kaz/wal