Online-Spionage BND will Informationen über Software-Sicherheitslücken einkaufen

Der BND will die verschlüsselte Datenübertragung im Internet auswerten und dafür nach Informationen des SPIEGEL auf dem grauen Markt Informationen über Software-Schwachstellen einkaufen. Experten halten den Plan für gefährlich.
Logo des Bundesnachrichtendienstes: Digitale Aufrüstung

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Foto: Soeren Stache/ dpa

Geheimen Unterlagen zufolge hat der Bundesnachrichtendienst (BND) bis 2020 rund 4,5 Millionen Euro eingeplant, um auf dem grauen Markt Informationen über Software-Schwachstellen einzukaufen. Das berichtet der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe. Die Investitionen sollen beispielsweise helfen, die im Internet gängige Transportverschlüsselung SSL zu knacken. Mit deren Hilfe wickeln unter anderem große Shoppingportale und Banken ihre vermeintlich sicheren Onlinegeschäfte ab. Sie wird auch genutzt, um Verbindungen zu E-Mail-Servern zu schützen.

Um SSL umgehen zu können, will der BND beispielsweise sogenannte Zero Day Exploits einkaufen. Dabei handelt es sich um Programmierfehler, die den Software-Herstellern nicht bekannt sind und für die es deshalb auch noch keinen Patch gibt. Sie ermöglichen es Hackern, etwa in ein Betriebssystem einzudringen, um Daten auszuspähen und zu manipulieren.

Das wohl bekannteste Beispiel dafür, wie vermutlich staatliche Stellen Zero Day Exploits ausgenutzt haben, ist die Schadsoftware Stuxnet. Die Entwickler dieses Schädlings hatten 2009 und 2010 mehrere solche Sicherheitslücken ausgenutzt, um iranische Rechner zu infizieren. Mit Erfolg, Stuxnet manipulierte technische Anlagen und störte das iranische Atomprogramm nachhaltig.

"Eine extrem schlechte Idee"

Für die Anbieter ist der Handel mit Zero Day Exploits ein lohnenswertes Geschäft. Längst vermuten Experten, dass der Schwarzmarkt für Sicherheitslücken durch die Aktivitäten der Geheimdienste angeheizt wird, die Preise durch deren Nachfrage steigen. Durch die Snowden-Enthüllungen wurde bekannt, dass der US-Geheimdienst NSA jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag für den Ankauf von Wissen über Sicherheitslücken aufbringt.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) teilte auf Anfrage mit, es habe bis September 2014 einen Vertrag mit der französischen Firma Vupen unterhalten. Sie gilt als Weltmarktführer für Software-Schwachstellen. Zweck des Vertrags, so das BSI, sei "ausschließlich der Schutz der Regierungsnetze" gewesen.

"Den Markt für Schwachstellen zu unterstützen, ist aus staatlicher Sicht eine extrem schlechte Idee", sagt Michael Waidner, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie. Jede Lücke sei für die eigenen Bürger, Behörden und Unternehmen ein großes Risiko, da niemand wisse, wer alles das Wissen um Schwachstellen kaufe.

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