Bodentruppen US-Soldaten auf Gebiet der Nordallianz

Amerikanische Soldaten kämpfen in Afghanistan inzwischen auch am Boden. Das bestätigte US-Verteidigungsminister Rumsfeld. Die amerikanische Luftwaffe fliegt unterdessen weiter massive Luftangriffe. Nördlich von Kabul gab es eine riesige Explosion.


Eine Rauchsäule über dem Flughafen von Bagram
REUTERS

Eine Rauchsäule über dem Flughafen von Bagram

Kabul/Washington - "Zwischen 15 und 20 US-Soldaten kamen mit Beginn der Angriffe nach Dari-i-Suf, um die Angriffe gegen die Taliban zu koordinieren", sagte ein Sprecher der Nordallianz. Sie hätten dort ein kleines Camp errichtet. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bestätigte am Dienstag, US-Soldaten seien als Verbindungspersonen im Einsatz. Die Zahl der Soldaten sei sehr klein. Sie seien im Norden aktiv und sollten bei der Beschaffung von Zieldaten für die US-Bombenangriffe helfen. Auch in Süd-Afghanistan seien zweitweilig Soldaten im Einsatz gewesen.

Vertreter der Allianz hatten in den vergangenen Tagen wiederholt eine bessere Koordination der Angriffe zwischen der Anti-Taliban-Opposition und den USA verlangt. Allianz-Sprecher Aschraf Nadim erklärte am Montag, ohne verstärkte Luftunterstützung der USA sei das Ziel, Masar-i-Scharif bis zum Beginn des Fastenmonats Ramadan Mitte November zu erobern, nicht zu verwirklichen. Der Befehlshaber des US-Central Commands, General Tommy Franks, versprach mittlerweile, die Kooperation mit der Nordallianz in den nächsten Tagen deutlich zu verbessern. Er bestätigte die Anwesenheit von US-Militärberatern im Norden und Süden Afghanistans, die dort mit Gruppen der Opposition in Verbindung ständen.

Nach Angaben der Taliban befinden sich bereits mehr als 500 Soldaten und Militärberater der USA und anderer Länder im Gebiet der Nordallianz. Die meisten von ihnen seien in Faisabad in der nördlichen Provinz Badachschan, sagte Kari Ahmedullah, der Geheimdienstchef der Taliban, am Dienstag der in Pakistan ansässigen privaten afghanischen Nachrichtenagentur AIP.

Brückenkopf für Elitetruppen?

US-Beamte sagten der Tageszeitung "USA Today", es werde an einen Stützpunkt in Nord-Afghanistan mit 200 bis 300 Elitesoldaten und bis zu 600 Mann als Unterstützungstruppe gedacht. Der Vietnam-Veteran und US-Senator John McCain sagte am Sonntag, die USA müssten ihre Anstrengungen verstärken. "Wir müssen möglicherweise viele Soldaten für eine gewisse Zeit nach Afghanistan schicken, um das Terroristen-Nest wirksam auszulöschen und Bin Laden ausfindig zu machen."

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld schloss den Einsatz von Bodentruppen nicht aus, wollte aber einen Zeitrahmen dafür nicht nennen. Laut "USA Today" könnte der Bodenstützpunkt eingerichtet werden, um den Soldaten der Nordallianz bei ihrer festgefahrenen Offensive zur Einnahme der Stadt Masar-i-Scharif zu helfen. Von dem Vorposten aus könnten Hubschrauberangriffe gegen Taliban-Frontlinien geflogen und Bombardements durch Flugzeuge koordiniert werden.

Die USA setzen ihre Luftangriffe auf Afghanistan unterdessen fort. An der Frontlinie rund 40 Kilometer nördlich von Kabul wurde eine riesige Explosion gesehen. Eine mehr als 100 Meter hohe Rauchsäule steige in den Himmel, berichteten Augenzeugen.

US-Streitmacht: Ein Kampfflugzeug startet vom Flugzeugträger "USS Roosevelt"
AP

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Die Taliban behaupteten, in Kandahar seien mehrere Bomben in ein Wohngebiet gefallen. Dabei seien vier Menschen getötet und zehn Menschen verletzt worden. Auch der US-Sender CNN meldete Angriffe auf Kandahar. Sie hätten mehrere Stunden gedauert. Die Flugabwehr der Taliban habe geschossen, berichtete CNN.

Die Amerikaner griffen angeblich auch Kabul und Herat an. Außerdem warfen US-Flugzeuge nach Angaben der Taliban zum ersten Mal Bomben über der Provinz Paktia an der Grenze zu Pakistan sowie über dem Flughafen von Kundus im Norden ab. Nach Angaben der Taliban kam in Kundus einer ihrer Kämpfer ums Leben.

Auch die Frontlinien der Taliban in Samangan im Norden seien heftig bombardiert worden, sagten Taliban-Sprecher zur AIP.

Zuvor hatten US-Kampfflugzeuge weit verzweigte Tunnelsysteme in Ost-Afghanistan angegriffen. Sie gelten als Versteck von Osama Bin Laden. Die Attacken zielten auf Stellungen der al-Qaida-Organisation und der Taliban, zu denen auch Höhlen und Tunnel gehörten, sagte eine Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums. Wie die Nachrichtenagentur AIP meldete, hätten US-Kampfflugzeuge mindestens zwei Bomben auf Gora Tangi im Grenzgebiet zu Pakistan abgeworfen. Dort soll Osama bin Laden während seiner Beteiligung im Kampf gegen die sowjetische Besetzung in den achtziger Jahren ein Tunnel-Netz errichtet haben. Diese Höhlen und Tunnel könnten ihm nun als Unterschlupf dienen.



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