Bodewig "Klimmt hat wunderbare Vorgaben geliefert"

Der designierte Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig hat sich ein großes Ziel gesteckt: Er will die Bahn "zukunftsfähig" machen. Reinhard Klimmt hatte zuvor die Konsequenz aus der Fußballaffäre gezogen und war zurückgetreten.


Nachfolger Klimmts: Kurt Bodewig
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Nachfolger Klimmts: Kurt Bodewig

Berlin - Bodewig sieht in einer erfolgreichen Bahnreform eines seiner wichtigsten Projekte. Das in einer schweren Finanzkrise steckende Unternehmen müsse zukunftsfähig gemacht werden, sagte der bisherige Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrs- und Bauministerium am Donnerstag vor Journalisten.

Bodewig dankte Bundeskanzler Gerhard Schröder für das Vertrauen, ihn zum Nachfolger des wegen einer Finanzaffäre zurückgetretenen Reinhard Klimmt zu ernennen. Zugleich würdigte Bodewig die Arbeit seines Vorgängers. Klimmt habe wunderbare Vorgaben geleistet und dafür gesorgt, dass die Daten der von Milliarden-Verlusten bedrohten Bahn endlich auf dem Tisch sind.

Von der Bahngewerkschaft Transnet wurde Bodewig zu umgehenden Gesprächen über die Krise des Schienenverkehrs aufgefordert. Klimmt habe sich mit der Bestandsaufnahme der dramatischen Finanzlage der Bahn verabschiedet, sagte Gewerkschaftschef Norbert Hansen am Donnerstag in Frankfurt. "Wir haben das dringende Bedürfnis, nun über die nötigen Lösungen zu reden."

Rücktritt: Reinhard Klimmt
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Rücktritt: Reinhard Klimmt

Noch in seiner Eigenschaft als Staatssekretär stellte Bodewig gemeinsam mit den verkehrspolitischen Sprechern der Grünen und der SPD, Albert Schmidt und Angelika Mertens, ein Zukunfts-Investitionsprogramm der Bundesregierung zur Sanierung und Modernisierung des Schienennetzes vor. Von 2001 bis 2003 werden jährlich zusätzlich zwei Milliarden Mark aus den Zinserlösen der Versteigerung der UMTS-Handy-Lizenzen in die Bahn investiert. Damit erhöhe sich der Investitionsbetrag auf 8,7 Milliarden Mark pro Jahr.

"Ich traue es mir selber zu

Die Investitionen in Straße und Schiene müssten über 2003 hinaus verstetigt werden, sagte Bodewig. Mit der Erhöhung der Investitionen werde auch die Beschäftigung in der Bauindustrie gestärkt. Durch das Programm für die Schiene könne mit 24.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen pro Jahr in der Bauindustrie gerechnet werden.

Ziel der Investitionen sei vor allem, mehr Pünktlichkeit der Bahn zu erreichen, indem Langsamfahrstellen beseitigt werden. Eine moderne Leit- und Schienentechnik soll außerdem mehr Sicherheit schaffen. Brücken und Tunnel würden saniert. Elektronische statt der bisher mechanischen Stellwerke sollen die Streckenkapazität erhöhen.

Die enormen Zuwächse im Güterverkehr seien nur durch ein Umlenken auf die Schiene zu bewältigen, ohne dabei die Straße zu vernachlässigen, sagte Bodewig. Er bekräftigte das Ziel, den Anteil der Schiene am Güterverkehr bis 2015 zu verdoppeln. Auch die europäische Öffnung des Güterverkehrs auf der Schiene müsse verstärkt werden.

Zu seinem Wechsel auf den Ministerposten sagte Bodewig: "Ich nehme das Angebot an." Er sei am Donnerstagmorgen darüber informiert worden, dass Schröder sich für ihn entschieden habe. Er habe als Parlamentarischer Staatssekretär eine gute Einschätzung der Arbeit im Verkehrsressort. "Ich traue es mir selber zu".

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