Reumütiger Ministerpräsident Politiker kritisieren Ramelow für Clubhouse-Auftritt

»Akt männlicher Ignoranz«: Thüringens Ministerpräsident Ramelow bereut seine Aussage über Kanzlerin Merkel. Doch die Kritik an seinem Audio-App-Auftritt reißt nicht ab. Gegenwind kommt auch aus dem eigenen Kabinett.
Thüringens Ministerpräsident Ramelow: »Lernkurve von vorgestern«

Thüringens Ministerpräsident Ramelow: »Lernkurve von vorgestern«

Foto: Bodo Schackow / dpa

Nur wenige Tage nach dem Beginn des Hypes um die Audio-App Clubhouse in Deutschland hat sich der erste Spitzenpolitiker mit lockeren Plaudereien in Bedrängnis gebracht. Und die Kritik an Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow nach seinem Auftritt in der App ebbt nicht ab – am Montag wurde sie auch in Ramelows eigenem Kabinett laut.

Der Linkenpolitiker hat sich selbst inzwischen mehrfach für seine Aussagen in der Nacht zu Samstag entschuldigt. Ramelow ist seit dem 21. Januar bei der Social-Media-App aus den USA angemeldet. In der Talkrunde »Trash und Feuilleton« erzählte er am Wochenende, dass er während der Ministerpräsidentenkonferenz zur Coronakrise »Candy Crush« spiele und nannte die Kanzlerin an anderer Stelle »das Merkelchen«. Letzteres sei aus dem Kontext gerissen worden, sagte Ramelow der dpa. Später sang er in der Runde ein Lied.

Die »Welt am Sonntag« berichtete über den Plausch und zitierte Ramelow. Es folgten zahlreiche spitze Medienberichte, politische Kritik vor allem aus Thüringen und der Vorwurf, dass der Ministerpräsident bei den wichtigsten Beratungen im Kampf gegen die Pandemie nicht verantwortungsvoll agiere.

Ramelow entschuldigt sich

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: »Wenn sich bewahrheitet, dass Bodo Ramelow während der Ministerpräsidentenkonferenz Handyspiele spielt, dann sollte er sein Verhalten überprüfen.« Die Situation sei dafür zu ernst. Ramelow bemühte sich derweil, offensiv und mit zahlreichen Entschuldigungen den Schaden möglichst klein zu halten.

»Ab sofort, wenn ich jetzt dieses Format anmache, merke ich, im Hinterkopf habe ich jetzt die Lernkurve von vorgestern und gestern«, sagte Ramelow am Sonntag bei einem erneuten Auftritt bei Clubhouse. Die Analyse eines Mediendienstes, dass der Feind stets mithöre, habe er nun hinsichtlich der App verinnerlicht.

Ganz explizit entschuldigte er sich für die Formulierung »Merkelchen«: »Eine kluge Frau hat mir auf @clubhouse_de  gerade schlüssig den eigentlichen Fauxpas meiner Clubhaus-Plauderei dargelegt und es hat mich überzeugt«, twitterte Ramelow am Sonntagabend. »Den Namen der Bundeskanzlerin zu verniedlichen, war ein Akt männlicher Ignoranz. Dafür meine ehrliche Bitte um Entschuldigung.«

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Dass er während der Bund-Länder-Beratungen auch mal »Candy Crush« spiele, sei dagegen kein Aufreger und auch kein Geheimnis. Wenn man wisse, dass eine Ministerpräsidentenkonferenz zurzeit um die zehn Stunden dauere und viel Leerzeit beinhalte, »dann gebe ich gerne zu, dass der eine Sudoku spielt, der andere strickt oder häkelt oder sonst was macht – und ich eben Candy Crush spiele.«

Thüringer CDU wirft Ramelow »Amtsmüdigkeit« vor

Thüringens CDU-Chef Christian Hirte hält das für respekt- und verantwortungslos. »Entweder ist es Ausdruck von Arroganz der Macht oder Amtsmüdigkeit«, schrieb Hirte am Sonntag bei Twitter. Bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie gehe es um Leben und Tod sowie um Existenzen und die Zukunft einer Schülergeneration. »Wer sein Amt als Ministerpräsident so versteht, verspielt das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger«, schrieb Hirte.

Der FDP-Fraktionsvize Michael Theurer stellte am Montag die Frage nach der »Selbstbeherrschung mancher Politiker«, wenn es um die App Clubhouse gehe. »So wie einst Robert Habeck Twitter deinstalliert hat, weil ihm die Disziplin für diese App fehlte, stellen sich ähnliche Fragen, wenn Philipp Amthor (CDU) oder Bodo Ramelow zu nachtschlafender Stunde ein Ständchen trällern«, sagte der Bundestagsabgeordnete der dpa.

Ramelows Offenbarungen ließen erahnen, »wie es um das Diskussionsniveau in den ausufernden Ministerpräsidentenrunden bestellt ist«, sagte er weiter. »Dass diese Runde de facto einen Großteil der Legislativfunktionen in Deutschland von Bundestag und Landtagen ins Hinterzimmer verlagert hat, ist völlig inakzeptabel. Die Entscheidungen und die Diskussion darüber müssen zurück in die Parlamente«, sagte Theurer der dpa. Er wiederholte damit eine immer wieder von den Liberalen erhobene Forderung.

mfh/dpa