Patrick Beuth

Ramelow beschimpft AfD-Abgeordneten Wenn ein Mittelfinger trendet

Patrick Beuth
Eine Glosse von Patrick Beuth
Bodo Ramelow zeigt einem AfD-Abgeordneten im Landtag den Stinkefinger und nennt ihn einen "widerlichen Drecksack". Das Netz diskutiert über den Vorfall. Ist das noch sinnvoll oder schon Sommerloch?
Bodo Ramelow, hier mit allen Fingern in vergleichsweise unverdächtiger Position

Bodo Ramelow, hier mit allen Fingern in vergleichsweise unverdächtiger Position

Foto: Jacob Schröter/ imago images/Jacob Schröter

Vielleicht liegt es an den vielen ermüdenden Corona-Monaten: An einem sommerlichen Samstagnachmittag trendet im deutschsprachigen Twitter sogar ein unflätiger Bodo Ramelow.

Thüringens linker Ministerpräsident hatte dem AfD-Abgeordneten Stefan Möller in der Landtagsdebatte über den Umgang mit Akten zum NSU am Freitag den Mittelfinger gezeigt und ihn als "widerlichen Drecksack" bezeichnet.

Vor der MDR-Kamera zeigte sich Ramelow später eingeschränkt reumütig: "Es gehört sich nicht, im Parlament so was zu sagen, was ich gesagt habe, aber ich wiederhole es. Herr Möller ist mit dem, was er gerade im Parlament gemacht hat, aus meiner Sicht ein widerlicher Drecksack."

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Skala von null bis Rücktritt

Es spielt keine Rolle, was Möller eigentlich gemacht hat, darüber redet eh niemand mehr.

(Fürs Protokoll: Er hatte den Verfassungsschutz als skandalgeneigte Behörde bezeichnet und gefragt "Wer da schon alles Tolles beobachtet wurde, nicht wahr, Herr Ramelow?")

Stattdessen verlief die unvermeidliche Twitter-Debatte entlang der Frage, wie schlimm so ein Mittelfinger samt Drecksack auf einer Skala von null bis Rücktritt ist.

Am rechten Rand der Skala fand sich wenig überraschend AfD-Landessprecher Björn Höcke mit dem Bonmot "Wenn er einen Funken politischen und menschlichen Anstand besäße, würde er zurücktreten." Auf null, weil aus ihrer Sicht alternativlos, tippte Susanne Hennig , die Vorsitzende der Linksfraktion in Thüringen: "Ein Stinkefinger ist die einzig anständige Reaktion auf einen Unanständigen."

Zumindest ein wenig mehr Rollsplitt ins Sommerschlagloch schüttete die SPD. Deren Thüringer Landeschef Wolfgang Tiefensee twitterte , Ramelow habe "eine Grenze überschritten: Sie begeben sich auf das Niveau derer, die Sie beleidigt haben".

In ihren besten Momenten drehte sich die Twitter-Debatte dann um die Frage, was - zumal in Thüringen - eine politische Grenzüberschreitung ausmacht. Tiefensee selbst fragte: "Wie wollen wir in Zukunft die zunehmende Verrohung in der Politik glaubhaft anprangern?"

Jusochef Kevin Kühnert hatte dazu umgehend eine Idee : "Nein, Wolfgang, sorry. Das 'Niveau' der AfD macht sich nicht an irgendwelchen ungehobelten Gesten fest, sondern an Menschenfeindlichkeit und Faschismus."

Das hätte der Beginn einer relevanteren Debatte sein können. Vielleicht aber auch nicht: In der Zeit, die es für diese Zusammenfassung gebraucht hat, ist #Ramelow auch schon wieder aus den Twittertrends verschwunden. An seiner Stelle steht jetzt "Kuchen" . Aber auf Twitter wird selbst der kontrovers diskutiert.

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