Bodo Ramelow nach dem Schock in Thüringen "Alle haben geheult"

Der frühere thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow schildert, wie er die dramatischen Momente seiner Abwahl erlebte und unter welchen Voraussetzungen er wieder antreten will.
Ein SPIEGEL-Gespräch von Steffen Winter
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JENS SCHLUETER/ AFP

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Bodo Ramelow, bislang Ministerpräsident von Thüringen, zeigt sich erschüttert und erzürnt über die Wahl seines Nachfolgers Thomas Kemmerich. "Es war ein schwarzer Tag für die Demokratie in Deutschland", sagt der Linkenpolitiker dem SPIEGEL. Er selbst habe "im Moment der Entscheidung Tränen in den Augen" gehabt. Bei Neuwahlen, sagte Ramelow nach der Rücktrittsankündigung des neu gewählten FDP-Politikers Kemmerich, sei er bereit, "meinen Hut in den Ring zu werfen". Er werde "mit dem Rückhalt der Menschen um die Staatskanzlei" kämpfen.

Der FDP und CDU macht Ramelow heftige Vorwürfe. "Diese Abstimmung ist offensichtlich vorbereitet worden", sagt er, "das war alles geplant". Er sei Teil eines widerlichen Spiels geworden. "Ich habe mich zum Trottel gemacht, weil ich dachte, ich rede mit Demokraten", sagt der bisherige Ministerpräsident. Stattdessen sei er "mithilfe von Faschisten abgewählt worden". FDP-Kandidat Thomas Kemmerich, CDU-Landeschef Mike Mohring und andere hätten "lieber mit Faschisten regieren wollen, als nicht zu regieren".

Ramelow zieht in dem Interview einen historischen Vergleich: "Genau vor 90 Jahren wurde den Nationalsozialisten in Thüringen der Aufstieg zur Macht ermöglicht. Hier gab es die erste Beteiligung der NSDAP an einer deutschen Regierung. Auch damals war das ein Tabubruch." Seiner Meinung nach hätte der FDP-Kandidat die Wahl nicht annehmen dürfen: "Kemmerich hat die jubelnde Freude der AfD zur Kenntnis genommen, ohne den Charakter zu haben zu sagen: Nein, diese Linie überschreite ich nicht."

Lesen Sie hier das komplette Gespräch:

SPIEGEL: Herr Ramelow, was haben Sie gedacht, als Ihre Abwahl als Ministerpräsident verkündet wurde?

Ramelow: Zunächst bin ich in eine Schockstarre verfallen. Ich habe immer gedacht, dass sich drei oder vier Abgeordnete von CDU und FDP der Stimme enthalten und deshalb keine Mehrheit für einen anderen Kandidaten zustande kommen kann. Schließlich gab es auch in den Wahlgängen zuvor mehr als 20 Enthaltungen, warum sollte sich das ändern?

SPIEGEL: Sie wurden kalt erwischt?

Ramelow: Es gab bei uns in der Fraktion tatsächlich die Spekulation, dass der Kandidat der AfD null Stimmen bekommt und so die FDP profitiert. Aber das habe ich schlicht nicht für möglich gehalten. Erst in diesem Moment habe ich gewusst: Das ist eine Scharade, ein Possenspiel der schlimmsten Art. Das war kein Betriebsunfall. Diese Abstimmung ist offensichtlich vorbereitet worden.

SPIEGEL: Wirkte nicht auch der gewählte FDP-Kandidat Thomas Kemmerich überrascht?

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