Umstrittener Grünenpolitiker Parteifreunde unterstützen Boris Palmer

"Überzeugter Ökologe und ein manchmal rebellischer Freigeist": So wird Boris Palmer in einem Appell von Parteifreunden beschrieben. Zuvor hatten ihm Corona-Aussagen in einem Interview viel Kritik eingebracht.
Boris Palmer

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Chris Emil Janox.en/ imago images/Chris Emil Janßen

Der Vorstand der Südwest-Grünen hatte den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer nach einer Äußerung zur Corona-Pandemie zum Austritt aufgefordert. Nun bekommt er Rückendeckung aus der Partei: Mehrere Grünenmitglieder haben ihn in einem Appell in Schutz genommen. Darin heißt es: "Die versammelten Vorstandsebenen sollten den Dialog mit ihm suchen und den ungrünen Stil der Maßregelung aufgeben."

Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die frühere Vizepräsidentin des Bundestags, Antje Vollmer, und der baden-württembergische Landtagsabgeordnete Martin Hahn.

In dem Aufruf heißt es weiter: "Seit ihrer Gründung war unsere Partei ein Ort leidenschaftlicher Debatten, offener Auseinandersetzungen in der Sache, freier Rede und des Respekts vor Minderheitsmeinungen." Das entspreche den grünen Prinzipien von Gewaltfreiheit und Basisdemokratie. "Boris Palmer gehört zum Urgestein der baden-württembergischen Grünen, er ist ein überzeugter Ökologe und ein manchmal rebellischer Freigeist." Palmer sei nicht unbelehrbar, habe aber ernsthafte Gründe für seine Position genannt.

Palmer hatte Ende April in einem Interview gesagt: "Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären." Er erklärte seine Aussage mit der Sorge um armutsbedrohte Kinder vor allem in Entwicklungsländern, deren Leben durch die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns bedroht sei. Er räumte ein, dass sein Satz Anlass zum Missverständnis gegeben habe .

Als Reaktion darauf hatten auch die Grünenspitzen im Bund, Land und Kreisverband Tübingen erklärt, ihn nicht mehr unterstützen zu wollen.

vks/dpa
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