"Boxer"-Deal Panzerexporte durch die britische Hintertür?

Großbritannien will wieder in die "Boxer"-Produktion einsteigen. Von dort könnte der Radpanzer in Länder gelangen, in die die deutschen Hersteller nicht liefern dürfen. Die Opposition ist alarmiert.
Von Otfried Nassauer und Gerald Traufetter
Transportpanzer des Typs Boxer (bei der Verladung in Immendingen im Januar 2018)

Transportpanzer des Typs Boxer (bei der Verladung in Immendingen im Januar 2018)

Foto: DPA

Die Pressemitteilung des britischen Verteidigungsministerium vom Ostersamstag klingt nach einem industriepolitischen Meisterstück: Von einem Geschäft, das die Beamten der Londoner Behörde aushandeln, ist da die Rede, durch das mehr als 1000 Arbeitsplätze im Königreich geschaffen werden. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Die Ware allerdings, um die es geht, ist alles andere als unumstritten. Es ist der "Boxer", ein Panzer mit acht Rädern, der sich von einem Truppentransporter in ein Lazarett oder in ein großkalibriges Kampfgefährt umrüsten lässt.

Das macht den Deal äußerst heikel. Denn die "Boxer" könnten künftig in für Rüstungsexporte umstrittene Länder verkauft werden - und zwar über Großbritannien. Das Königreich hat angekündigt, wieder zum Kreis der Herstellernationen Deutschland und Niederlande zu stoßen. Das britische Verteidigungsministerium will sich den vollen Zugriff auf die Technologierechte sichern und das Recht erlangen, das Kriegsgerät eigenständig exportieren zu können.

Großbritannien war 2003 aus dem Entwicklungsprogramm für den "Boxer" ausgestiegen, der heute von den deutschen Rüstungsunternehmen Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann über deren gemeinsame Firma Artec produziert wird.

Das Kalkül hinter dem Wiedereinstieg: Wenn die Briten die Europäische Union verlassen haben und über ihre Rüstungsexportpolitik national entscheiden, könnten sich lukrative Chancen ergeben, den "Boxer" aus der britischen Fertigung in etliche Länder zu exportieren, die aus politischen Gründen von Deutschland aus nicht beliefert werden können.

Vorbild "Eurofighter"

Der deutschen Industrie könnte an diesem zusätzlichen Export durch die britische Hintertür gelegen sein. Denn eine Ausfuhr etwa nach Saudi-Arabien, die Hersteller Rheinmetall schon einmal für den "Boxer" einfädeln wollte, würde die Bundesregierung derzeit wegen des Jemen-Krieges wohl nicht genehmigen.

Diese Arbeitsteilung beim Export hat ein Vorbild: Großbritannien verkauft das Kampfflugzeug "Eurofighter" schon seit Jahren in die arabische Welt, ohne dass Deutschland dies verhindern könnte. So regeln das alte Regierungsverträge für das Flugzeug zwischen Deutschland, Italien, dem Vereinigten Königreich und Spanien.

Entsprechend alarmiert ist die Opposition mit Blick auf den "Boxer"-Deal. "Die Bundesregierung muss jetzt sicherstellen, dass kein Export des Panzers oder entsprechender Technologie an Drittstaaten erfolgen darf", fordert Grünen-Rüstungsexpertin Katja Keul im SPIEGEL.

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