#BoycottGermany bei Twitter "Du ordnest Austerität an, wir boykottieren Deutschland"

Unter dem Hashtag "BoycottGermany" fordern Twitter-Nutzer sich gegenseitig auf, keine deutschen Produkte mehr zu kaufen. Die deutsche Wirtschaft reagiert gelassen.

Twitter

Die Logik auf Twitter kann so einfach sein. Deutschland hat einen Großteil seiner Forderungen gegen Athen durchgesetzt, Griechenland muss sparen - also soll die Welt nun deutsche Produkte boykottieren, um die Griechen zu rächen. Einmal in die Welt gesetzt, erfreut sich das Hashtag #BoycottGermany nun großer Beliebtheit. Mehr als 16.000 Tweets wurden bis zum Nachmittag unter dem Schlagwort verbreitet.

Und so klingen die Forderungen: "Angie Merkel, Du ordnest Austerität an, wir boykottieren Deutschland und deutsche Produkte. Küsschen…", schreibt der eine. In Italien wird ganz simpel zum Boykott deutscher Produkte aufgerufen. Andere Twitterer zählen konkret Produkte von deutschen Firmen auf. Barcodes mit den Ziffern 400 bis 440, sollen gemieden werden. Sogar der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos teilte einen Aufruf zur Aktion.

Dazu gesellen sich schnell Bilder von Adolf Hitler, Nazi-Zitate und Hakenkreuze in EU-Optik. Glücklicherweise kommen schnell auch diejenigen dazu, die Twitter-Aktionen mit Humor begleiten: "Boykottiere Deutschland, weil sie mit #Schnischnaschnappi UND #ModernTalking angefangen haben", schreibt einer.

Die Boykott-Aufrufe kursieren seit der Einigung zwischen Griechenland und seinen Gläubigern. Das Schlagwort #BoycottGermany gehört auf dem Kurznachrichtendienst Twitter zu den Toptrends. Der Tenor: Die deutsche Politik ist für die schwere Wirtschaftskrise in Griechenland mitverantwortlich.

Die Eurostaaten hatten sich am Montag auf Grundzüge für ein drittes Hilfsprogramm im Umfang von bis zu 86 Milliarden Euro geeinigt. Im Gegenzug muss Griechenland beispielsweise die Mehrwertsteuer anheben und Staatsunternehmen privatisieren. Für Athen stehen nicht nur schwierige Entscheidungen, sondern für die Griechen auch harte Zeiten an.

Bei deutschen Twitterern stoßen die Forderungen auf Unverständnis: "Was ich nicht verstehe: Warum ist Deutschland der Sündenbock für die Ereignisse in Griechenland?", fragt die eine. "Und wenn ihr Deutschland boykottiert, wer leiht euch dann das Geld?", fragt ein anderer.

Statt humorvoll reagieren andere verärgert: Wenn der Name des Diktators fällt, wollen sie mit Geschichtsbüchern zurückwerfen. Oder sie werfen die Frage der Schuldenbürgschaften auf:

Viel Spaß ohne Autos, Kopfschmerztabletten, Bier und Antibiotika wünschen andere:

Bereits am Montag attackierten einige Twitterer unter dem Hashtag "ThisIsACoup" Deutschland, das ihrer Meinung nach unerfüllbare Maßnahmen von Tsipras fordert. "Was diese Bundesregierung anrichtet, ist einfach nur beschämend", twitterte ein deutscher Nutzer. "So viele Goethe-Institute kann man gar nicht bauen, um den Schaden dieses Wochenendes wieder zu beheben", kommentierte ein anderer.

Doch sind solche Aktionen in den sozialen Netzwerken überhaupt ernst zu nehmen? Die deutsche Wirtschaft zumindest lässt die Aufrufe an sich abperlen. "Wir nehmen das ernst, aber es gibt keinen Grund zur Panik", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. "Solche Aufrufe hat es seit Beginn der Griechenlandkrise immer wieder gegeben. Sie sind weitgehend wirkungslos verpufft."

Außerdem gebe es in Griechenland auch Unterstützung für Reformen, so Treier. "Der Wirtschaft vor Ort ist angesichts der Einigung ein Stein vom Herzen gefallen. Sie steht hinter den Verabredungen."

vek/Reuters

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