Brandanschlag in Tröglitz Polizei nimmt Verdächtigen fest

Sechs Monate nach dem Brandanschlag auf eine bezugsfertige Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz hat die Polizei einen Verdächtigen gefasst. Es wurde Haftbefehl beantragt.

Anschlag in Tröglitz (Archivbild): Haftbefehl beantragt
REUTERS

Anschlag in Tröglitz (Archivbild): Haftbefehl beantragt


Im Mai sollten die ersten Flüchtlinge in die frisch renovierte Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz in Sachsen-Anhalt einziehen, doch dann wurde Anfang April vorsätzlich Feuer gelegt.

Sechs Monate danach meldet die Polizei jetzt einen Ermittlungserfolg: Die Staatsanwaltschaft Halle habe Haftbefehl gegen ein Mann beantragt, sagte Oberstaatsanwältin Heike Geyer am Donnerstag. Sie bestätigte damit Informationen des Senders MDR Info.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist der Mann dringend tatverdächtig. Er wurde am Nachmittag dem Haftrichter am Amtsgericht Halle vorgeführt, der über den Haftbefehl entscheiden sollte. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

Der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich (CDU), sagte der Nachrichtenagentur AFP, das Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen zeige, "dass der Rechtsstaat in der Lage ist, sich zu verteidigen". "Jetzt muss ein schnelles Verfahren vor den Strafgerichten stattfinden", forderte er.

Einer oder mehrere Täter seien nachts in das Wohnhaus eingebrochen und hätten dort Feuer gelegt, hatte es nach der Tat in einer Mitteilung der Polizei Sachsen-Anhalt Süd geheißen. "Dabei wurde mit großer Wahrscheinlichkeit auch Brandbeschleuniger verwendet." Vor der Tat hatte es in Tröglitz Demonstrationen gegen die Aufnahme von Asylbewerbern gegeben.

Der ausgebaute Dachstuhl des Gebäudes war durch das Feuer zerstört worden. Die Polizei schätzte den Schaden auf eine sechsstellige Summe. Ab Mitte Mai sollten in dem Wohnhaus 40 Flüchtlinge untergebracht werden.

Der Ort hatte auch für Schlagzeilen gesorgt, weil der frühere Bürgermeister des Ortes Markus Nierth Anfang März zurückgetreten war. Nierth sah sich durch Rechtsextreme bedroht, die vor seinem privaten Wohnhaus gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in dem kleinen Ort demonstrieren wollten. Zudem fühlte er sich von den örtlichen Behörden im Stich gelassen.

als/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.