Brandenburg Berliner Verstärkung für die Grünen

Der ehemalige Berliner Justizsenator und vormalige bündnisgrüne Fraktionschef Wolfgang Wieland soll als Spitzenkandidat seiner Partei in Brandenburg bei der anstehenden Landtagswahl im Herbst antreten.

Von Wolfgang Bayer


Wolfgang Wieland: Abschied aus Berlin?
DDP

Wolfgang Wieland: Abschied aus Berlin?

Wolfgang Wieland, 55, derzeit noch Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und grün-alternatives Urgestein der Hauptstadt, bestätigte jetzt SPIEGEL ONLINE, dass "meine Willensbildung in diese Richtung geht": "Ich überlege das ernsthaft und halte diese Aufgabe auch für reizvoll".

Im Falle seines Antritts hofft Wieland, vor allem mit einem schärferen Profil punkten zu können: "Wir sind die einzige Partei, die das Thema Fusion von Brandenburg und Berlin offensiv angeht, das gerade für das Katastrophenland Brandenburg lebensnotwendig ist".

Wählerzuwachs sei zudem von Zehntausenden Berlinern zu erwarten, die inzwischen in den Speckgürtel um Berlin gezogen sind. Ganz nebenbei, so Wieland, würde ihn auch des Kräftemessen mit Jörg Schönbohm, dem christdemokratischen Innenminister in der Großen Koalition des Sozialdemokraten Matthias Platzeck, reizen.

In Schönbohms Berliner Zeiten hatte Wieland dem konservativen Innenpolitker als versierter Gegenpart nur zu oft Paroli geboten.

Der Wunsch aus dem Nachbarland, über den nach dem Treffen des Landessprecherrat am 24. Januar in Brandenburg entschieden wird, war nach einem Führungswechsel im vergangenen November gewachsen. Damals musste der bisherige Spitzenmann Roland Vogt, langjähriges Aushängeschild der märkischen Grünen, nach Querelen im Vorstand überraschend abtreten. Er war an der Zwei-Drittel-Hürde gescheitert, die er laut Statut überspringen musste, um nach acht Jahren im Vorstand erneut antreten zu können.

Wieland, der sich im Berliner Parteiverband aus der ersten Reihe zurückgezogen hatte, traut sich in Potsdam eine Trendwende zu: "Wenn ich antrete, dann vor allem deshalb, weil die Grünen endlich mal wieder in einem neuen Bundesland ins Parlament kommen sollen."

Es wäre eine Rückkehr nach Jahren des Niedergangs. Bis 1994 hatten die Bündnisgrünen, mit damals 6,4 Prozent der Wählerstimmen, gemeinsam mit der FDP einer von der SPD dominierten Landesregierung angehört. Beim letzten Wahlgang 1999 konnten sie gerade noch 1,94 Prozent der Stimmen einheimsen.

Sollten sich Wieland und die Potsdamer Parteifreunde auf die Polit-Rochade einigen, wäre es dennoch ein Sprung ohne Rückversicherung. Nach den jeweiligen Landesabgeordnetengesetzen besteht Domizilpflicht. Dies würde bedeuten, dass Wieland spätestens drei Monate vor der Wahl nach Brandenburg umziehen und gleichzeitig das Berliner Mandat aufgeben müsste.



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