Brandenburg Schändung jüdischer Gedenkstätte schockiert Politiker

Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck hat die Schändung eines Gedenksteins für eine Synagoge durch Rechtsextreme in Frankfurt an der Oder scharf verurteilt - es handele sich um einen nicht hinnehmbaren "Exzess". Die 16 Tatverdächtigen wurden inzwischen vernommen.


Frankfurt/Oder - Die Vorfälle zeigten, "wie frech und gezielt der rechte Mob zu provozieren" versuche, sagte Matthias Platzeck. "Wer sich an Blumengebinden und Kerzen zum Gedenken an die Millionen Opfer des Holocaust vergreift, zeigt, dass er aus der größten Katastrophe in der deutschen Geschichte nichts gelernt hat", sagte der SPD-Politiker: "Solche Exzesse dürfen wir in Brandenburg nicht hinnehmen."

Nach der rechtsextremen Randale: Ein Polizist legt Blumen zurück auf den Gedenkstein.
DPA

Nach der rechtsextremen Randale: Ein Polizist legt Blumen zurück auf den Gedenkstein.

Der Oberbürgermeister der brandenburgischen Stadt, Martin Patzelt (CDU), nannte den Vorfall "schockierend" und rief die Bürger für den Vormittag zu einem stummen Gedenken an dem Stein auf.

Die Polizei hat Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge inzwischen alle 16 Tatverdächtigen vernommen. "Wir prüfen gegenwärtig, ob die Voraussetzungen dafür vorliegen, Anträge auf Haftbefehl zu stellen", sagte ein Sprecher der Anklagebehörde. Das betreffe alle 16 Jugendlichen, die gestern Abend festgenommen worden waren.

Die 16 bis 24 Jahre alten Jugendlichen hatten nach der Gedenkstunde zur Pogromnacht vom 9. November 1938 am Gedenkstein niedergelegte Blumengebinde weggerissen und zertreten. Als die Polizei eingriff, soll aus der Gruppe heraus "Sieg Heil" gerufen worden sein. Die Festgenommenen sind laut Polizei "einschlägig bekannte Personen der rechten Szene".

In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in ganz Deutschland Hunderte Synagogen zerstört, Juden wurden angegriffen und totgeschlagen.

Einer aktuellen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zufolge ist der Rechtsextremismus in Deutschland weiter tief verwurzelt. Fast jeder zehnte Deutsche hat danach antisemitische Einstellungen.

Bundespräsident Horst Köhler hatte gestern bei der Einweihung der neuen Hauptsynagoge in München erklärt:"Auch heute stoßen sich unsere Träume von einer Normalität jüdischen Lebens in Deutschland an einer Wirklichkeit, in der es offenen und latenten Antisemitismus gibt und in der die Zahl rechtsextremistisch motivierter Gewalttaten steigt."

hen/dpa/ddp/Reuters



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