Brandstiftung Zwei Jahre Haft auf Bewährung für Masri

Nach dem Geständnis folgte nun die Strafe: Für die Brandstiftung in einem Metro-Markt ist der Deutsch-Libanese Khaled el-Masri zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Entführung durch die CIA wirkte strafmildernd.


Hamburg - Das Landgericht Memmingen verurteilte den 44-jährigen Khaled el-Masri wegen Brandstiftung, gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Hausfriedensbruch. Bei Brandstiftung kann eine Höchststrafe von bis zu zehn Jahren Haft verhängt werden. Die Richter folgten aber der Forderung der Staatsanwaltschaft nach 24 Monaten Haft auf Bewährung. Masris Verteidiger hatte eine Bewährungsstrafe von 20 Monaten gefordert.

Khaled el-Masri: Bewährungsstrafe für Brandstiftung
AFP

Khaled el-Masri: Bewährungsstrafe für Brandstiftung

Das Urteil ist bereits rechtskräftig, da beide Seiten auf die Möglichkeit der Berufung verzichteten. Das Gericht machte Masri zur Bewährungsauflage, seine Therapie fortzusetzen.

Masri war wegen seiner Verschleppung durch den US-Geheimdienst CIA nach Afghanistan bekannt geworden. Die Brandstiftung in dem Metro-Markt hatte sein Anwalt Manfred Gnijdic auch mit psychischen Problemen Masris infolge der Entführung und Folter in Afghanistan erklärt.

Das Gericht rechnete Masris Geständnis, die Entschuldigungen bei den Opfern und die Traumatisierung durch seine Entführung nach Afghanistan als strafmildernd an. Der Angeklagte habe vor seiner Entführung 20 Jahre lang unbescholten in Deutschland gelebt. Das ihm widerfahrene Unrecht gebe ihm aber keine Berechtigung, selbst Unrecht auszuüben. Die Strafe sei auch wegen seiner familiären Situation zur Bewährung ausgesetzt worden: Masri ist verheiratet, lebt im Landkreis Neu-Ulm und hat sechs Kinder.

Zum Prozessauftakt hatte Masri ein weitgehendes Geständnis abgelegt. Demnach rammte er nach Ladenschluss mit seinem Auto einen Nebeneingang des Neu-Ulmer Metro-Marktes und legte mit Hilfe von vier Benzinkanistern an mehreren Stellen Feuer. Beim Brand entstand vor allem durch Ruß und Löschwasser ein Sachschaden von über 300.000 Euro. Zudem räumte Masri ein, zuvor zwei Verkäuferinnen des Marktes beleidigt und eine von ihnen angespuckt zu haben, nachdem es einen Streit um die Rücknahme eines digitalen Musikabspielgeräts gegeben habe. Ebenso gestand Masri, rund ein Vierteljahr vor dem Brand einen Mitarbeiter der Prüfgesellschaft Dekra verprügelt zu haben.

Der Dekra-Mitarbeiter hatte Masri vorgeworfen, bei einer Ausbildung zum Lkw-Fahrer zu viele Stunden verpasst zu haben. Bei der Prügelei erlitt der Ausbilder unter anderem eine Gehirnerschütterung und mehrere Prellungen.

Masri hatte während des Prozesses teils unter Tränen seine Leidensgeschichte geschildert. Er war von Dezember 2003 bis Mai 2004 nach Afghanistan verschleppt worden. Die Münchner Justiz erließ nach intensiven Ermittlungen wegen dringenden Tatverdachts gegen 13 in den USA lebende CIA-Agenten Haftbefehle für den Fall einer Einreise nach Deutschland. Eine Auslieferung der Agenten lehnt die amerikanische Regierung ab.

cvo/dpa/ap



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