Bremen Bürgermeister Scherf kündigt Rücktritt an

Bremens Regierungschef Henning Scherf hat seinen Rücktritt angekündigt. Der SPD-Politiker führt seit 10 Jahren eine Große Koalition in der Hansestadt. Als Begründung nannte der 66-Jährige sein Alter.


Hamburg - "Ich denke, das ist jetzt der richtige Zeitpunkt", sagte Scherf heute. Einen genauen Termin nannte er nicht. Er werde in vier Wochen 67 Jahre alt und sei länger in der Gewerkschaft als in der Partei. Dort habe er sich immer für Arbeitszeitverkürzung eingesetzt und wolle dies jetzt auch für sich in Anspruch nehmen.

Bremer Bürgermeister Scherf: Nicht "mit den Füßen zuerst aus dem Rathaus"
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Bremer Bürgermeister Scherf: Nicht "mit den Füßen zuerst aus dem Rathaus"

Er wolle nicht "mit den Füßen zuerst aus dem Rathaus getragen werden", sagte Scherf. Er habe lange nach dem geeigneten Zeitpunkt für den Rückzug gesucht. Im vergangenen Jahr sei er noch einmal umgestimmt worden. Bei der vorgezogenen Bundestagswahl habe die SPD nun aber wieder ein erstaunlich gutes Ergebnis erzielt. Scherf wählte für seinen Rücktritt etwa die Mitte der Legislaturperiode. Die nächste Wahl im kleinsten deutschen Bundesland soll 2007 stattfinden.

Seit 1978 ist Scherf in verschiedenen Funktionen in der Bremer Regierung. 1995 wurde er Bürgermeister von Bremen und Chef einer großen Koalition mit der CDU, was in der SPD stets auch auf Kritik stieß. "Ihr habt's in den letzten Jahren nicht leicht mit mir gehabt", sagte Scherf, der ein Protagonist dieses Bündnisses ist. Manchmal habe er ganz spürbar quer zu den Mehrheiten gelegen.

In der vergangenen Woche hatte sich Scherf im Interview mit SPIEGEL ONLINE massiv für eine Große Koalition im Bund ausgesprochen. Er nannte ein Bündnis zwischen SPD und Union "nach Lage der Dinge die einzige plausible Chance für ein trag- und handlungsfähiges Regierungsbündnis". In Bremen sei die rot-schwarze Koalition seit zehn Jahren "eine große Hilfe". "Ich könnte mir gut vorstellen, dass das auch auf Bundesebene funktioniert."

Die große Koalition werde auch nach dem Ausscheiden Scherfs fortgesetzt, kündigte der SPD-Landesvorsitzende Carsten Sieling an: "Wir werden den Koalitionsvertrag einhalten." Die Bremer SPD-Spitze werde von sofort an nach einem Nachfolger suchen. Sieling sagte, bis Freitag werde er mit potenziellen Bewerbern Gespräche führen. Darunter seien Bildungssenator Willi Lemke, Sozialsenatorin Karin Röpke und SPD-Fraktionschef Jens Böhrnsen. Scherf sagte, so lange über die Nachfolge nicht entschieden sei, bleibe er im Amt. Er werde jeden unterstützen, den die Partei als Nachfolger benenne.



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