Nach der Bürgerschaftswahl Bremer SPD-Chefin für Rot-Rot-Grün

Die SPD hat in Bremen ihre Mehrheit verloren, will aber trotzdem regieren - mit Grünen und Linken. CDU-Spitzenkandidat Meyer-Heder hat andere Vorstellungen.
Sascha Karolin Aulepp: "Haben vor der Wahl deutlich gemacht, dass wir uns ein Mitte-Links-Bündnis wünschen"

Sascha Karolin Aulepp: "Haben vor der Wahl deutlich gemacht, dass wir uns ein Mitte-Links-Bündnis wünschen"

Foto: FOCKE STRANGMANN/EPA-EFE/REX

Erstmals seit 73 Jahren ist die SPD in Bremen nicht mehr stärkste Kraft. Nach der Bürgerschaftswahl am Sonntag läuft deshalb die Suche nach einem Bündnis für eine neue Regierung im kleinsten deutschen Bundesland. Schon nach ersten Hochrechnungen wurde klar: Die Verhältnisse sind sehr unklar, viel hängt von den starken Grünen ab.

SPD-Landeschefin Sascha Karolin Aulepp machte nun klar, dass sie eine Basis für eine Koalition mit Grünen und Linken sieht. "Die Linkspartei, die ich in vier Jahren Parlamentsarbeit in Bremen erlebt habe, ist eine realistische und pragmatische Linkspartei", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa.

Ob und wann die SPD auf Grüne und Linke zugehen werde, obwohl die Sozialdemokraten die Wahl klar verloren haben, ließ Aulepp offen. In Westdeutschland gab es bisher kein rot-rot-grünes Bündnis auf Länderebene.

"Wir haben vor der Wahl deutlich gemacht, dass wir uns für Bremen ein Mitte-Links-Bündnis wünschen, weil wir die größten inhaltlichen Übereinstimmungen sowohl mit unserem jetzigen Koalitionspartner als auch mit der Linkspartei haben", sagte Aulepp weiter. Diese Aussage gelte nach wie vor. Bei der Wahl am Sonntag hatte das bisher regierende rot-grüne Bündnis seine Mehrheit verloren.

Aulepp rechnet nicht damit, dass der SPD-Spitzenkandidat, Bürgermeister Carsten Sieling, persönliche Konsequenzen aus der Wahlschlappe seiner Partei zieht. Er laufe "vor der Verantwortung nicht weg", sagte sie.

Bremen müsse einen harten Sparkurs fahren, sagte die SPD-Landeschefin weiter. Den Linken seien die Vereinbarungen für die Einhaltung der Schuldenbremse bekannt. "Es ist auch völlig klar, dass diese Regeln gelten."

Meyer-Heder setzt auf Jamaika

Carsten Meyer-Heder, der CDU-Spitzenkandidat in Bremen, hat andere Vorstellungen für die neue Regierung. Darin spielt die SPD keine Rolle. Meyer-Heder setzt nach seinem Sieg auf eine Jamaika-Koalition mit Grünen und FDP. Das sagte er der Nachrichtenagentur dpa. In der Verkehrs- und Umweltpolitik hätten CDU und Grüne ähnliche Ideen. Auch CDU und FDP seien sehr nah beieinander.

Schwieriger sei das Verhältnis der beiden erhofften Koalitionspartner untereinander. "Das ist an der Grünen-Basis nicht einfach zu vermitteln, dass auch die FDP jetzt noch mit in der Regierung ist", sagte Meyer-Heder. Er erkannte damit auch die besondere Rolle an, die den Grünen bei der Regierungsbildung zukommt: "Die Grünen haben eine sehr gute Verhandlungsposition, das ist uns allen bewusst."

Wer steckt hinter Civey?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

aev/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.