Hochrechnung zur Bremenwahl SPD stürzt ab - CDU zieht erstmals seit Jahrzehnten vorbei

Die CDU liegt bei der Bürgerschaftswahl in Bremen laut der amtlichen Hochrechnung bei 25,3 Prozent - und ist stärkste Kraft vor der SPD. Die Grünen landen auf dem dritten Platz.

Carsten Meyer-Heder, Spitzenkandidat der CDU, auf dem Weg in die Bremer Bürgerschaft: "Die CDU soll's machen"
Hauke-Christian Dittrich/ DPA

Carsten Meyer-Heder, Spitzenkandidat der CDU, auf dem Weg in die Bremer Bürgerschaft: "Die CDU soll's machen"


Die CDU ist bei der Bürgerschaftswahl in Bremen stärkste Kraft geworden. Ihr Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder liegt damit vor dem SPD-Kandidaten und amtierenden Regierungschef Carsten Sieling. Die SPD erzielte ein historisch schlechtes Ergebnis. Erstmals in der Nachkriegsgeschichte verloren die Sozialdemokraten ihre Stellung als stärkste Partei in Bremen und Bremerhaven.

Nach einer amtlichen Hochrechnung des Wahlleiters bis 23 Uhr kommt die CDU auf 25,3 Prozent. Die SPD erzielte 23,8 Prozent, die Grünen 17,1 Prozent. Die FDP liegt demnach bei 5,6 Prozent, die Linke bei 10,4 Prozent und die AfD bei 5,5 Prozent.

Je nach Hochrechnung variieren die Zahlen leicht. Das ZDF berichtet von 25,2 Prozent für die SPD und 27,1 Prozent für die CDU.

Die Wahlbeteiligung fiel offenbar weit höher aus als vor vier Jahren. Das ZDF errechnete 62 Prozent, die ARD sogar 66 Prozent. Vor vier Jahren hatten lediglich 50,2 Prozent der Wahlberechtigten an der Bürgerschaftswahl teilgenommen.

Meyer-Heder, ein 58-jähriger Softwareunternehmer und Newcomer, hatte nach der Wahl von einem klaren Regierungsauftrag gesprochen. "Zum ersten Mal habt ihr gesagt: Die CDU soll's machen", sagte er mit Blick auf die Wahlbürger, und: "Ich will Bürgermeister werden."

Der aktuelle SPD-Bürgermeister Sieling lehnte in einer ersten Reaktion auf die Prognosen früher am Abend persönliche Konsequenzen ab. Bremen habe eine schwierige Phase hinter sich, weil das Land seine Finanzen in Ordnung bringen müsse, sagte er. "Wir haben den Menschen einiges zumuten müssen." Ein Bürgermeister, der diese Konsolidierungsphase habe verantworten müssen, "der bekommt natürlich auch als Person die Kritik".

Insgesamt waren etwa 482.000 Bürger im Land Bremen aufgerufen, ihre Stimme abzugeben und über die Zusammensetzung der neuen Bürgerschaft zu entscheiden. Auch Jugendliche ab 16 Jahren durften mit abstimmen.

Im kleinsten Bundesland hängt jetzt alles von den Grünen ab. Wer sie für ein Bündnis gewinnen kann, dürfte Regierungschef werden. Der Grünen-Bundesvorsitzende Robert Habeck hatte, bezogen auf die Prognosen, das starke Ergebnis bei der Bremer Bürgerschaftswahl als "Regierungsauftrag ohne Frage" bezeichnet.

Bei der Bürgerschaftswahl im Jahr 2015 hatte die SPD 32,8 Prozent geholt und kam damit auf 30 Sitze im Parlament. Es folgten die CDU mit 22,4 Prozent (19 Sitze) und die Grünen mit 15,1 Prozent (12 Sitze). Die Linke kam auf 9,5 Prozent (8 Sitze), die FDP auf 6,6 Prozent (7 Sitze), die AfD auf 5,5 Prozent (1 Sitz) und die Bürger in Wut auf 3,2 Prozent (3 Sitze). Außerdem gibt es drei weitere Abgeordnete, die fraktions- oder parteilos sind.

Bürgerschaftswahl Bremen 2019

Amtliches Endergebnis

Gesamtstimmenergebnis
Anteile in Prozent
SPD
24,9
-7,9
CDU
26,7
+4,3
Grüne
17,4
+2,3
Die Linke
11,3
+1,8
FDP
6
-0,6
AfD
6,1
+0,6
Quelle: Landeswahlleitung

mst/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.